JENZ GmbH

Glasfaser ist da

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Lichterfest bei JENZ: Am Dienstag, 26. April 2022, wird das Wegholmer Unternehmen ans Glasfasernetz angeschlossen. Foto: Jürgen Krüger

Petershagen-Friedewalde. Am Dienstag, 26. April 2022, wird es historisch: Dann nämlich wird zum ersten Mal in der Geschichte der Stadt Petershagen ein Computer per Glasfaser mit dem Internet verbunden sein. Und das in Friedewalde, genauer gesagt in Wegholm. Bei der Firma JENZ soll es um 10 Uhr das sogenannte „Lichterfest“geben.

Projektmanager Thies Hartjen vom Unternehmen Greenfiber hat dazu ausgewählte Gäste eingeladen, unter anderem Ortsbürgermeisterin Jessica König. „Wir schalten das erste Licht im Petershäger Glasfasernetz an“, schreibt Hartjen in der Einladung. Öffentlich ist die Veranstaltung nicht, obwohl Thies Hartjen über den aktuellen Stand des Projektes in Petershagen referieren wird. Die Bürgerinnen und Bürger wird es sicher interessieren, wann auch ihr Haus angeschlossen wird und sie im schnellen Netz surfen dürfen. Ortsbürgermeisterin Jessica König wird davon sicherlich berichten.

Neu im Dorf: Solidarische Landwirtschaft

Auf dem Weg: Priska Ziegler (von links), Burkhard Kayser und Tina Bueth vom Verein Solawi, hier auf dem Acker von Hermann Traue. Foto: Jürgen Krüger

Friedewalde. Solawi – das ist eine Abkürzung für Solidarische Landwirtschaft. Das Konzept entstand in der 1960er Jahren in Japan. „Solidarische Landwirtschaft bedeutet: Der Hof oder eine Gärtnerei ernährt eine Gemeinschaft von Menschen, und alle teilen sich die damit verbundene Verantwortung, das Risiko, die Kosten und die Ernte“, sagt Burkhard Kayser von der Solawi Mindener Land. Im vergangenen Jahr 2021 mussten sie einen von ihnen bestellten Acker in Holzhausen II aufgeben, jetzt haben sie in Friedewalde einen neuen gefunden.

Hermann Traue gibt seinen Betrieb nach 50 Jahren auf

Zwei Hektar hat Hermann Traue den Solawis verpachtet, direkt an seinem Hof „Hinterm Felde“. Er hatte davon gelesen, dass der Pachtvertrag zwischen Solawi Minden und dem Landwirt in Holzhausen nicht verlängert wird. Er rief Burkhard Kayser an, und die beiden kamen ins Geschäft. „Warum sollte ich nicht zwei Hektar an Menschen verpachten, die sich alternativ ernähren möchten?“, hatte sich Hermann Traue seinerzeit gefragt. „Außerdem zieht dann auf meinem Hof neues Leben ein“, so der 64-Jährige, der im kommenden Jahr seinen landwirtschaftlichen Betrieb aufgibt und die dann noch 56 Hektar Acker und Grünland verpachtet. Dann hat er ein halbes Jahrhundert lang als Landwirt gearbeitet. „Irgendwann ist auch mal gut“, sagt Hermann Traue. Eine Nachfolge gibt es nicht. Tochter Maike arbeitet in Wuppertal als Lehrein, Sohn Moritz studiert in Dortmund. Seine Tiere, Kühe und Rinder, habe er vor drei Jahren bereits vekauft, danach nur noch Ackerland und Grünland bewirtschaftet. Im Herbst dieses Jahr 2022 stehen auch die Maschinen zum Verkauf. Dann ist Schluss, und es beginnt etwas Neues.

Mit Wasser- und Energieanschluss: Die zwei Hektar große Fläche grenzt direkt an den Hof von Hermann Traue. Im Hintergrund ist der Friedhof an der Lavelsloher Straße zu sehen. Foto: Jürgen Krüger

Ernteanteile erwerben durch Mitgliedschaft

Auch Hermann Traue ist dem Verein Solawi beigetreten. „Mal sehen, was draus wird“, sagt er. Für 80 Euro pro Monat bekommt ein Mitglied einen sogenannten „Ernteanteil“ pro Woche, der in etwa einer Gemüsekiste für zwei bis bis vier Personen entspräche, wie Burkhard Kayser sagt. Momentan seien 55 Ernteanteile vergeben, und der Verein habe mit der neuen Ackerfläche noch viel größeres Potenzial. Eine Verpflichtung zur Mitarbeit gebe es dabei nicht. „Wer aber Lust hat, der darf gerne mithelfen“, so der freiberufliche Berater für nachhaltige Landnutzung. Vor viereinhalb Jahren hat der 54-Jährige die Solawi Minden gemeinsam mit Emma und Ulf Jetter vom Café Nordholz gegründet. Kaufen kann man das Gemüse der Solawi übrigens nicht. „Die Marktpreise spiegeln nicht die wahren Produktionskosten wider. Durch unsere Art der Bewirtschaftung bekommt das Gemüse einen besondereren Wert, weil wir wissen, woher es kommt und wie es angebaut wurde“, sagt Burkhard Kayser.

Salat, Paprika, Mangold, Himbeeren und Co.

Angebaute Gemüsesorten sind zum Beispiel verschiedene Salate, Paprika, Frühlingszwiebeln, Spitzkohl, Blumenkohl, bunter Mangold, aber auch Himbeeren und Johannisbeeren. Es gibt einen Folientunnel (Gewächshaus) und einen Zaun, der Rehe und Hasen davon abhalten sollen, die Gemüsepflanzen zu fressen. Martina Bueth, die aller nur „Tina“ nennen, ist gelernte Gärtnerin und für zwei Tage pro Woche beim Verein Solawi angestellt. In ihrer Hand liegt die gärtnerische Bewirtschaftung. Jeden Dienstag und jeden Donnerstag ist die 34-Jährige in Friedewalde und erledigt alle notwendigen Arbeiten. Manchmal ist auch Hilfe da, wie an diesem Tag Priska Ziegler. Tina Hueth stammt aus dem westlichen Sauerland und hat im September 2021 an der Freien Landbauschule Bodensee ihre Ausbildung zur Gärtnerin Fachrichtung Gemüsebau abgeschlossen.

Andere Perspektive: Ein Zaun schützt vor Rehe und Hasen, links ist Kleegras zum Mulchen eingesät. Foto: Jürgen Krüger

Tina Bueth stellt sich und ihre Arbeit am Samstag, 23. April 2022, vor

Wer sich für die Solawi interessiert, darf Tina Bueth gerne dienstags oder donnerstags auf dem Feld besuchen (ab 11 Uhr). Jeden ersten Samstag im Monat veranstaltet Solawi zudem in der Zeit von 11 Uhr bis um 16 Uhr einen sogenannten „Feldtag“ mit Informationen und Vorträgen. Am Samstag, 23. April 2022, möchte sich Tina Bueth den Vereinsmitgliedern vorstellen. „Das wäre eine schöne Gelegenheit, auch mit den Friedewaldern ins Gespräch zu kommen“, sagt Tina Bueth und lädt die Bürgerinnen und Bürger ab 15 Uhr ein. Sie selber hat ein paar alkolfreie Getränke eingekauft und bittet die Gäste, selbst Getränke und Grillsachen mitzubringen.

Informationen

Solawi Mindener Land
Burkhard Kayser
Mobil: (01 71) 381 30 70
E-Mail: kayser@agroforst.de

Osterfeuer bei Böttchers

Brauchtum: Am wärmenden Osterfeuer versammeln sich gerne die Menschen. Foto: Pixabay

Friedewalde. Der Rat der Stadt Petershagen hat beschlossen, dass in den kommenden Jahren lediglich ein Osterfeuer in jeder Ortschaft erlaubt sei. Ausrichter von sogenannten „Brauchtumsfeuern“ dürfen der Verordnung zufolge „nur in der Ortsgemeinschaft verankerte Glaubensgemeinschaften, Organisationen oder Vereine“ sein. In Friedewalde übernimmt diese Rolle der Reitverein. Und so dürfen sich die Friedewalder Bürgerinnen auf ein gemeinsames Osterfeuer am Ostersamstag, 16. April 2022, bei der Familie Böttcher freuen. Das Feuer selber soll um 19.30 Uhr entzündet werden, um 18 Uhr beginnt die Ostereiersuche für Kinder. „Lasst uns einen schönen Abend haben bei hoffentlich gutem Wetter“, sagt Stephan Böttcher, der die alte Reitbahn hinter seinem Pferdestall am Diekhoff 7 in Friedewalde zur Verfügung stellt. Kruse Catering betreibt einen Imbisswagen, kostenfreie Getränke in Flaschen stellt der Reitverein zur Verfügung. „Über eine Spende freuen wir uns natürlich“, sagt Stephan Böttcher. Der Posaunenchor der evangelischen Kirchengemeinde wird aufspielen. Baumschnitt werde nicht mehr benötigt. Stephan Böttcher: „Da hat sich in den vergangenen zwei Jahren bei uns genug angesammelt.“

Kein Geld für die Dörfer, dafür mehr Personal für den Kreis

Rund 1.700 Beschäftigte: So viele Menschen arbeiten momentan beim Kreis Minden-Lübbecke, hier das Verwaltungsgebäude in Minden. In diesem Jahr sollen 94 neue Stellen hinzukommen, zuzüglich 50 Mitarbeiter auf momentan nicht besetzten Stellen. Foto: Jürgen Krüger

Kreis Minden-Lübbecke. Wie sich der Kreis Minden-Lübbecke mit Personal versorgt, wenn Fördergelder in den Mühlenkreis fließen, zeigt das Beispiel des Projekts „Vital.NRW“. Da zugleich Beratungsunternehmen viel Geld abgreifen, kommt in den Dörfern kaum etwas an. Aber auch die gewählten Kreispolitiker tragen mit ihren Entscheidungen dazu bei, wie viel Geld bei den Kommunen bleibt, wieviel sie dem Kreis Minden-Lübbecke abgeben müssen und was mit diesem Geld geschehen soll.

Der Kreis Minden-Lübbecke hat jetzt schon 1.700 Mitarbeiter

Die Politiker des Minden Lübbecker Kreistages haben mit den Stimmen der CDU und den Grünen den Haushalt für das Jahr 2022 beschlossen. Der umfasst den Angaben zufolge 580 Millionen Euro. Gleichzeitig stimmte der Kreistag mehrheitlich für den Stellenplan, wonach 94 neue Stellen im laufenden Jahr vorgesehen sind. Mit den derzeit 50 nicht besetzten Stellen, die Kreistagsmitglied Alfred Borgmann in seiner Stellungnahme angibt, sollen in diesem Jahr knapp 150 neue Mitarbeiter beim Kreis Minden-Lübbecke eingestellt werden. Momentan seien rund 1.700 Menschen beim Mühlenkreis beschäftigt, heißt es auf der Internetseite des Kreises. Der Antrag der FDP, die Städte und Gemeinden um zehn Millionen Euro zu entlasten und die Kreisumlage von jetzt 35,85 Prozent auf 34,1 Prozent zu senken, wurde abgelehnt. Im Gegenteil: In ihrer Haushaltsrede mutmaßt Landrätin Anna Katharina Bölling (CDU), dass „die Kreisumlage bereits im kommenden Jahr um mehr als drei Punkte steigen könnte“.

Theoretisch gehen Friedewalde 50.000 Euro durch die Lappen

Die von der FDP vorgeschlagenen zehn Millionen Euro Entlastung, mit der Gießkanne auf die Kommunen umgelegt, hätten für Friedewalde rund 50.000 Euro finanzielle Unterstützung bedeutet. Mit diesem Geld ließe sich sicherlich einiges im Ort bewegen. Dazu kommt es es nun nicht. In Friedewalde gibt es zwei Kreistagsmitglieder, die sich für Haushalt und Stellenplan ausgesprochen haben: Alfred Borgmann (CDU) und Corinna Stöxen (Bündnis 90 / Die Grünen). Corinna Stöxen teilte mit, sie sei „nicht in der Funktion, dazu Stellung zu nehmen“, sendete der Redaktion aber die Haushaltsrede von Cornelia Schmelzer, Fraktionsvorsitzende der Partei Bündnis 90 / Die Grünen im Minden-Lübbecker Kreistag.

Alfred Borgmann antwortet ausführlich

Ausführlich anwortete hingegen Alfred Borgmann von der CDU. Er verfasste eine eigene Stellungnahme und sendete zudem die Haushaltsrede der Landrätin Anna Katharina Bölling (CDU) mit. Er habe an nunmehr 27 Haushalten des Kreises mitgewirkt. Und eines sei noch verlässlicher als Schneefall im Winter: Der Streit zwischen Städten und Gemeinden und dem Kreis über die Höhe der Kreisumlage. Anbei die Stellungnahme von Alfred Borgmann sowie die Haushaltsreden von Anna Katharina Bölling und Cornelia Schmelzer. Und hier der Link zu den Stellenausschreibungen des Kreis Minden-Lübbecke: https://www.minden-luebbecke.de/Verwaltung/Karriere/Kreisverwaltung/

Michael Reiner ist Deutscher Meister

Deutscher Meister im Hallentennis M75: Michael Reiner aus Friedewalde, der hier hinter seinem Haus am Kiefernweg auf einem Baumstamm sitzt. Foto: Jürgen Krüger

Friedewalde. Dem Friedewalder Michael Reiner ist etwas sehr seltenes gelunden: als ungesetzter Spieler holt sich der 74-Jährige den Deutschen Meistertitel im Hallentennis. „Das schafft ein Spieler meiner Kategorie wohl nur einmal im Leben“, sagt der 74-Jährige, der viele Jahre für den TV Stemmer spielte, momentan aber für den Bückeburger TV aufschlägt. Bei den 53. Nationalen Tennis-Hallenmeisterschaften von Deutschland für Seniorinnen und Senioren in Essen ließ Michael Reiner im Endspiel gegen Anton Klima vom TC Schwülper nichts anbrennen und siegte deutlich in zwei Sätzen 6:2 und 6:2.

Schwerster Gegner im Halbfinale

Die größte Hürde hatte der Friedewalder allerdings im Halbfinale zu nehmen. Hier traf Michael Reiner auf Edgar Evenkamp vom Deutschen Sportclub Düsseldorf. Evenkamp hatte im Viertelfinale den an Nummer eins gesetzten Jörgen Jacobs (Zweiter der Deutschen Rangliste) aus dem Turnier geworfen, nachdem Jacobs nach 6:4 und 3:1 in Führung liegend aufgegeben hatte. Michael Reiner, selber Nummer 56 der Deutschen Rangliste, besiegte Evenkamp (Nummer 11 der Deutschen Rangliste) im Match-Tiebreak mit 10:8 nach 3:6 und 6:2 in den Sätzen.

„Ich fühlte mich ganz gut“

Die vier Gegner zuvor Herbert Grundel vom TC Aidlingen (6:3, 6:1), Dietrich Gatzka vom TC Stadtwald Hilden (6:1, 6:3), Wilfried Kiwall vom TG Gahmen (6:1, 6:3) und Jürgen Franke vom Deutschen Sportclub Düsseldorf (6:2, 2:0 Aufgabe) hat Michael Reiner relativ eindeutig geschlagen. Dabei hatte er gesundheitsbedingt zwei Jahre lang kaum Turniere gespielt. „Ich fühlte mich aber vor den Deutschen Meisterschaften ganz gut“, sagt er rückblickend. Zum Turnier im Tenniszentrum Niederrhein in Essen ist Michael Reiner mit dem Wohnmobil angereist, er übernachtete direkt vor der großen Tennishalle, die 16 Plätze hat. „Sechs Spiele in sechs Tagen, das war schon hart“, sagt der neue Deutsche Meister, der davon ausgeht, dass es schwer sein wird, seinen Titel zu verteidigen. Er selber gehöre als 1947 geborener Spieler erstmals der Altersklasse M75 an. „Im kommenden Jahrt werden einige 1948 geborene mit dabei sein. Die sind sehr stark“, erklärt er.

Tennisfamilie aus Itzehoe

Michael Reiner ist im schleswig holsteinischen Itzehoe in eine Tennisfamilie hinein geboren. Seit 32 Jahren lebt er mit Ehefrau Gerlinde und Sohn Hendrik in Friedewalde am Kiefernwerg. Bis zu seinem Rentenbeginn hat er als Lehrer für Sozialwissenschaften und Physik an der Gesamtschule in Spenge unterrichtet. Beim TV Stemmer spielte Michael Reiner von Mitte der 1990er Jahre bis 2012 in verschiedenen Seniorenmannschaften und stieg bis in die Westfalenliga auf. Über den TV Espelkamp wechselte er zum TC Brackwede und spielte dort in der Regionalliga M65 und M70, das ist die höchste deutsche Spielklasse bei den Senioren. Vor fünf Jahren schloss er sich dem Bückeburger TV an, zunächst nur für die Halle, seit vergangenem Jahr auch für die Sommerrunde. Nach Essen reiste er als Seniorenmeister des Tennisverbandes Niedersachsen-Bremen und norddeutscher Vizemeister M75 an. Mit dem Deutschen Meistertitel kehrt er nun von Essen nach Friedewalde zurück.

Ein großes Dankeschön

Ein Herz als Dankeschön: Sylwia Sypek und ihr Lebensgefährte Cezary Pallasch haben den Transporter mit den Hilfsgütern beladen.

Friedewalde. Sylwia Sypek ist ganz ergriffen. Den ganzen Tag über am Mittwoch, 2. März 2022, kamen Menschen zu ihr in den Laden und spendeten Sachen für Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine. „Mit so einer Spendenbereitschaft habe ich nicht gerechnet, zumal die Aktion sehr kurzfristig war. Dafür möchte ich mich herzlich bedanken“, sagt sie. Zwei Tage später kam ein Lieferwagen, bereitgestellt von Kris Olch aus Bakum bei Vechta, und holte die Sachen ab. Mittlerweile dürfte die Hilfslieferung an der Grenze von Polen und der Ukraine eingetroffen sein.

„Ich weiß, wie sich das anfühlt“

Einkauf gespendet: Dieser Warenkorb mit Hygieneartikeln, Wasser und Lebensmiteln kommt von Friedewalde aus ukrainischen Kriegsflüchtlingen zu Gute. Foto: Jürgen Krüger

Friedewalde. Als Sylwia Sypek vor zwölf Jahren von Polen nach Deutschland kam, hatte sie nur eine Tasche mit dabei. Wenn sie daran denkt, kehrt die Angst zurück. Angesichts des Krieges in der Ukraine mit tausenden Menschen auf der Flucht, darunter viele Mütter mit ihren Kindern, sind auch diese Gedanken wieder da. „Ich weiß, wie sie sich das anfühlt. Es ist diese Angst, allein in einem fremden Land zu sein und du weißt nicht, wie es weitergeht“, sagt sie und ringt mit den Tränen. Deshalb habe sie sich entschlossen, all ihre Kleidung, die sie in ihrem kleinen Ladengeschäft zum Verkauf bereithält, zu spenden.

Erster Transport von Friedewalde am Donnerstag, 3. März 2022

Den Transport organisiert Sylwia Sypek über ihren polnischen Landsmann Kris Olch. Der betreibt in Bakum bei Vechta eine KFZ-Aufbereitung und hat sich auf eigene Kosten für die Hilfstransporte einen LKW gemietet. Initiatorin ist Ewa Blaszczyk, wie O.M. Online berichtet, ein Nachrichtenportal der Oldenburgischen Volkszeitung und der Münsterländischen Tageszeitung. Sylwia Sypek setzte sich mit Kris Olch in Verbindung, und am Donnerstag, 3. März 2022, trifft der erste LKW in Friedewalde ein und sammelt Spenden ein. Sylwia Sypek bittet die Friedewalder Bürgerinnen und Bürger nun um weitere Sachspenden. „Ich weiß, dass die Zeit knapp ist“, sagt sie. Die LKW-Ladung soll den Angaben zufolge in Stettin umgeladen und von dort aus durch eine polnische Hilfsorganisation weiter an die polnisch/ukrainische Grenze gebracht werden.

Die Sachspenden können bei Sylwia Sypek täglich in der Zeit von 10 Uhr bis um 18 Uhr abgegeben werden. Die Adresse: Schloort 6, in Petershagen-Friedewalde. Am besten wäre es, wenn die Artikel in einem Karton angeliefert würden. Sollte kein Karton zur Hand sein, so darf sich Sylwia Sypek bei Meier-Medizintechnik, die nebenan ein Lager betreiben, bedienen. Hier eine Liste von Dingen, die besonders dringend benötigt werden:

  • Erste-Hilfe-Kasten
  • Medizinisches Verbandsmaterial
  • Schmerztabletten
  • Hygieneartikel
  • Lebensmittel mit langer Haltbarkeitsdauer
  • Wasser
  • Schlafsäcke, Decken, Bettwäsche
  • Windeln, Schnuller
  • Batterien, Taschenlampen

Kleidung würden sie momentan nicht weiter annehmen, wie Initiatorin Ewa Blaszczyk am Dienstag sagte. Sylwia Sypek hat die Kisten aber schon gepackt und wird sie auch nicht wieder auspacken. „Wer weiß? Vielleicht werden sie ja zu einem späteren Zeitpunkt wieder gebraucht“, sagt sie. „Das wird bestimmt nicht die letzte LKW-Ladung sein.“

Im Karton: Sylwia Sypek sammelt Spenden für die Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine. Foto: Jürgen Krüger

Glasfaser: Probleme mit Leerrohren

Die Glasfaserchirurgen: So nennen sich die Fachleute vom Fiberteam aus Lüneburg. Foto: Jürgen Krüger

Friedewalde. Neulich tauchten die ersten Glasfaser-Teams in Friedewalde auf und wollten Hausübergabepunkte installieren. In diesen grauen Kästen mündet das Glasfaserkabel von der Verteilerstation im Haus. Von dort geht es dann weiter mit einem weiteren, vormontierten gelben Glasfaserkabel, dass an den sogenannten „Wandler“ angeschlossen wird. Der wird per Post geliefert, und den muss mann auch selbst anschließen. Der Wandler arbeitet das Signal dann für die Nutzung auf, zum Beispiel für den Betrieb an einer Fritz!Box.

Hochgeschwindigkeitskabel: Diese gelben Glasfaserkabel gibt es kostenfrei in einer Länge von bis zu 15 Metern mit dazu. Sie verbinden den Hausübergabepunkt mit dem Wandler, auf den dann die Fritz!Box zugreift. Foto: Jürgen Krüger

Tiefbauer müssen wieder anrücken

Allerdings – es gibt es Probleme mit den Leerrohren. „Von den ersten vier Haushalten waren drei Leerrohre nicht durchlässig“, sagt ein Monteur. Bevor die Glasfaserkabel durch die Lerrohre geblasen werden, prüfen die Mitarbeiter mit Luftrdruck, ob die Leerohre mit dem Verteiler durchgängig verbunden sind. Und das scheint bei einigen Haushalten zwischen der Kleiriehe, wo der Verteiler steht, und der Lavelsloher Straße nicht der Fall zu sein. Nun müssten erneut die Tiefbauer anrücken, um die Probleme zu beseitigen. „Doch“, so der Monteur, „die haben momentan viel zu tun.“

Die 1.000 sind voll

Foto: Pixabay / Montage: Jürgen Krüger

Friedewalde. Als im Jahr 2013 die neue Internetseite von Friedewalde online ging, war das ein Experiment. Friedewalde war seinerzeit wahrscheinlich das erste Dorf in Nordrhein Westfalen, dass die digitale Dorfkommunikation professionalisierte. Unternehmen (Partner der Website) finanzieren mit Jürgen Krüger einen Redakteur, der die Seite organisiert. Zudem gibt es eine Reihe Autoren, die ehrenamtlich für ihren Verein, ihre Organisation oder ihr Unternehmen Artikel auf Friedewalde.de veröffentlichen. Im Januar 2022 durchbricht die Dorf-Website eine Schallmauer, als der 1000. Artikel erscheint. Ein etwas kurioser zwar „Fährt der ICE bald durch Friedewalde?„, aber immerhin. Der erste Artikel erscheint übrigens am 29. Oktober 2013, verfasst von Pfarrer Thomas Salberg. Er schreibt über den Sieg beim Konfi-Cup.

Ohne finanzielle Unterstützung ein Daten-Friedhof

1.000 Artikel sind ein guter Anlass, um sich bei den 36 Partnerunternehmen zu bedanken. Ohne finanzielle Unterstützung wäre Friedewalde.de ein Daten-Friedhof wie so viele andere Dorf-Websites. Das Modell „Bürger schreiben für Bürger“ hat noch nie funktioniert, weil jede Internetpräsentation einen Verantwortlichen braucht, der den Laden am Laufen hält. Davon kann wohl auch jedes Unternehmen ein Lied singen. Der Management-Aufwand für den Betrieb einer Website ist enorm und ehrenamtlich nicht zu leisten.

Zwischen 8.000 und 10.000 Aufrufe pro Monat

Ein großer Dank geht aber auch an alle Autoren. Von den 1.000 Artikeln, die bislang erschienen sind, stammen 308 von Jürgen Krüger, weitere 157 von Karl-Christian Ebenau und 94 von Arne Wohl. Es folgen Alexander Kühme (62), Kerstin Huck (58), Jessica König (47), Corinna Stöxen (28), Marilena Wiegmann (27), die Volksbank Herford-Mindener Land (27) und die Landgärtnerei Niemann (27). Die restlichen Artikel verteilen sich auf weitere rund 30 Autoren. Die Website www.friedewalde.de wird monatlich im Schnitt zwischen 8.000 und 10.000 mal aufgerufen. Diese Zahlen stammen zwar aus dem Jahr 2018, da momentan die Statistikfunktion deaktiviert ist, dürften aber heute noch gelten. Ganz zu Beginn haben wir die Dorf-Website genutzt, um die Rettung der Grundschule Friedewalde voranzutreiben. Und in der Corona-Zeit hat vor allem die Evangelische Kirchengemeinde Friedewalde-Stemmer ausgiebig Gebrauch davon gemacht, um ihre Online-Gottesdienste zu veröffentlichen.

Fährt der ICE bald durch Friedewalde?

Gehört mit zum Suchraum: Zwischen dem Ferkelstall der Niedringhaus GbR (links) und der Grenze zu Stemmer (Feldweg rechts) könnte theoretisch eine Bahnstrecke verlaufen. Foto: Jürgen Krüger

Friedewalde. Um den sogenannten „Deutschlandtakt“ einzuhalten, müsste die Fahrzeit mit der Bahn zwischen Bielefeld und Hannover von derzeit 48 Minuten auf 31 Minuten gesenkt werden. Das jedenfalls hat die Deutsche Bahn Netz AG ausgerechnet. Dafür brauche es Strecken, auf denen ein Zug mit 300 km/h unterwegs sein könnte, außerdem soll die Strecke für den Güterverkehr geeignet sein.

Nicht im Grobkorridor

Momentan wird intensiv der mögliche Streckenverlauf ausgelotet und diskutiert. Dafür hat die Deutsche Bahn zunächst einen sogenannten „Suchraum definiert, der auch Friedewalde berührt. An der Dorfgrenze zu Stemmer (Friedewalder Straße Richtung Minden) könnte theoretisch in ein paar Jahren eine ICE-Hochgeschwindigkeitsstrecke verlaufen. Allerdings gehört dieser Bereich nicht zu den bereits bezeichneten Grobkorridoren, so dass die Wahrscheinlichkeit für die Realisierung des nördlichsten Verlaufs wohl eher gering sein dürfte.

Seminarraum zum Verlieben

Einzigartig: Das Ambiente im neuen Seminar- und Versammlungsraum von Annika Lüttge und Carsten Putz an der Lavelsloher Straße 28 in Friedewalde.

Friedewalde. Nachdem alle Kneipen in Friedewalde geschlossen haben, fehlt vielen Vereinen ein buchbarer Versammlungsraum. Zwar stellen Heimatverein, Kirchengemeinde oder Rassegeflügelzuchtverein hin und wieder ihre Räumlichkeiten zur Verfügung, doch auf Dauer ist das auch keine Lösung. Die Idee von Annika Lüttge und Carsten Putz könnte da helfen: sie haben einen Seminar- und Versammlungsraum im Dachgeschoss ihres Hauses an der Lavelsloher Straße 28 geschaffen, der seinesgleichen sucht. Mit rund 100 Quadratmetern Größe lassen sich dort bis zu 30 Personen unterbringen.

Präsentationstechnik: Beamer, Lautsprecher und Leinwand (nicht im Bild). Foto: Jürgen Krüger

Angelegt als Geschäftsmodell

Annika Lüttge und Carsten Putz haben aber nicht nur Friedewalder Vereine im Blick. Auch für Unternehmen und andere Organisationen aus der Region und darüber hinaus dürften die neuen Räumlichkeiten interessant sein. „Die Vermietung ist geschäftlich angelegt“, sagt Annika Lüttge. Es gab eine behördliche Abnahme durch das Bauamt der Stadt Petershagen, so dass alle Anforderungen an einen professionellen Schulungsraum erfüllt sind. Insbesondere die Beleuchtung spiele eine wichtige Rolle, wie Carsten Putz sagt. Mit dem verbauten LED-Lichtkonzept seien Szenarien von gemütlich warm bis helles Arbeitslicht möglich. Natürlich gibt es einen Beamer und eine Leinwand. Und ab Sommer 2022 soll schnelles Glasfaser-Internet dazukommen. Auf der anderen Seite sagen beide aber auch, was der neue Seminar- und Versammlungsraum nicht ist: ein Raum für Partys, Geburtstage oder andere Feierlichkeiten.

Ein Hingucker: Die rustikale und gemütliche Sitzecke. Foto: Jürgen Krüger

Viel Holzoptik, rustikale Möbel, Einbauküche mit Geschirrspüler

Herausragend dürfte das Ambiente sein: viel Holz sowie rustikale Stühle und Tische vermitteln fast schon Wohnzimmeratmosphäre. Die Arbeit in Kleingruppen ist hervorragend möglich, hier sticht insbesondere die gemütliche Sitzecke ins Auge. Die kleine Einbauküche mit Geschirrspüler dürfen die Gäste nutzen, um sich selbst zu verpflegen, wobei sie Getränke und Speisen mitbringen oder anliefern lassen müssten. Für mehrtägige Seminare haben Annika Lüttge und Carsten Putz sogar eine Übernachtungsmöglichkeit für die Seminarleitung geschaffen. Sie selbst werden die neue Arbeitsumgebung insbesondere für Seminare in der Hundeausbildung nutzen. Annika Lüttge und Carsten Putz sind zertifizierte Ausbilder für das sogenannte „Mantrailing“ (Suche nach einer Person anhand ihres Individualgeruchs durch einen Personenspürhund). Dafür haben sie ein eigenes Unternehmen Instinktief gegründet.

Die Einbauküche für Selbstversorger: Mit Kaffeemaschine, Kühlschrank, Mikrowelle und Geschirrspüler. Foto: Jürgen Krüger

Preisnachlass für Vereine

Bezüglich der Preisgestaltung haben sich Annika Lüttge und Carsten Putz reichlich Gedanken gemacht. Und so gibt es eine Unterteilung in Gruppen bis zu 12 Personen und ab 13 Personen. Gemeinnützige Vereine erhalten 10 Prozent Nachlass. Individuelle Vereinbarungen und Buchungen seien zudem möglich. Hier eine Übersicht:

Tagesbuchung (bis 9 Stunden)
149 Euro bis 12 Personen
169 Euro ab 13 Personen

Tagesbuchung (bis 5 Stunden)
89 Euro bis 12 Personen
109 Euro ab 13 Personen

Abendbuchung ab 18 Uhr (bis 4 Stunden)
74 Euro bis 12 Personen
94 Euro ab 13 Personen

Nachlass für gemeinnützige Vereine: 10 Prozent.
Individuelle Buchungen auf Anfrage möglich.

Buchung und Anfragen
Annika Lüttge & Carsten Putz
Lavelsloher Straße 28
32469 Petershagen
Mobil (01 52) 33 59 31 67
E-Mail: info@instinktief.de

Freuen sich auf ihre Gäste: Annika Lüttge und Carsten Putz. Foto: Jürgen Krüger

Volksbank schließt Filiale

Nur noch SB-Geschäftsstelle: Im Gebäude der Volksbank Herford-Mindener Land in Friedewalde. Foto: Jürgen Krüger

Friedewalde. Das dürfte für viele ältere Dorfbewohner wohl eher eine schlechte Nachricht sein: Die Volksbank Herford-Mindener Land schließt nach ihrer Fusion mehrere Geschäftsstellen, darunter auch die in Friedewalde. Als Grund nennt das Geldinstitut ein geändertes Nutzungsverhalten. „Die Nachfrage nach stationärem Service nimmt stetig ab, während gleichzeitig die Nutzung von Online-Banking und bargeldlosem Zahlen zunimmt“, heißt es in einem Schreiben an die Kunden.

SB-Geschäftsstelle bleibt in Friedewalde

An den Anfang des Schreibens hat die die Volksbank allerdings folgenden Satz gestellt: „Unsere zukunftsgerichteten Entscheidungen treffen wir immer mit Blick auf Sie, unsere Mitglieder und Kunden.“ Empfohlen werde diesen Mitgliedern und Kunden nun, bei persönlichem Beratungsbedarf künftig die Geschäftsstelle an der Kutenhauser Straße in Minden aufzusuchen. Die Geschäftsfstelle in Friedewalde werde ab dem 1. Januar 2022 als Selbstbedienungs (SB)-Geschäftsstelle umgewandelt. Solche SB-Geschäftsfstellen sind in der Regel täglich zwischen 5 Uhr und 23 Uhr geöffnet.

„Ich hab unser Haus gefunden“

Sie möchten glücklich sein: Kristina und Andreas Klundt, hier vor dem Nordgiebel ihres neuen Hauses in Friedewalde. Foto: Jürgen Krüger

Friedewalde. „Ich hab unser Haus gefunden.“ Als Andreas Klundt mit diesen Worten von der Begehung des ehemaligen Landgasthauses Eichenhain zurückkehrt, nimmt ihn seine Frau Kristina zunächst nicht ganz ernst und kann sich anhand der Fotos nicht vorstellen, dass sie sich das leisten könnten. Schon lange suchen sie ein Haus im Grünen, aber das ehemalige Landgasthaus Eichenhain- das erscheint ihr dann doch als eine Nummer zu groß. Als sie das ein Hektar große Areal dann tatsächlich ersteigern, und sie sich zum ersten Mal gemeinsam ihr neues Zuhause ansehen, erfüllt sich ihr Traum. „Es war gigantisch, und die Ideen waren sofort da. Das war ein gutes Zeichen“, sagt Kristina Klundt. Mittlerweile sind alle rechtlichen Hürden genommen – das Landgasthaus Eichenhain gehört nun tatsächlich ihnen ganz allein. „Wir möchten hieraus etwas machen und glücklich sein“, sagen beide.

Erst einmal aufräumen: Freunde helfen dem neuen Eigentümer-Ehepaar, zunächst das Haupthaus herzurichten. Dafür wollen sie sich drei Jahre lang Zeit lassen. Foto: Jürgen Krüger

„Ein unbeschreibliches Gefühl“

Bei der Ortsbegehung seien es einige Interessenten gewesen, berichtet Andreas Klundt, bei der Online-Auktion durch die Westdeutsche Grundstücksauktionen AG (WDGA) in Köln nur noch zwei. „Als der Hammer fiel, war das ein unbeschreibliches Gefühl“, so der neue Eigentümer zur finalen Situation mit den klassischen Worten „zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten“. Mittlerweile ist das Ehepaar von Wolke sieben zurück in der Realtität. „Ich hatte die ersten beiden Wochen Bauchschmerzen“, gibt Kristina Klundt zu. Sie wissen, dass viel Arbeit vor ihnen liegt. „Wir sind nicht naiv, sondern uns ist schon klar, dass wir hier einiges tun müssen und dass das Anwesen durchaus eine Lebensaufgabe sein kann“, ergänzt sie. Doch die Zwei haben einen Plan. Sie geben sich zunächst drei Jahre für den Umbau des Haupthauses und ihren Einzug. Dabei stehen sie nicht unter Druck, denn die kleine Familie Klundt, zu der noch Tochter Naami Ivana gehört und das zweite Kind unterwegs ist, lebt in einer schönen Altbau-Eigentumswohnung in Minden. Außerdem haben sie viele Freunde, die handwerklich eine Menge können und ihnen zur Seite stehen, denn geplant ist, soviel wie möglich selbst zu machen.

Für Kristina und ihre Mutter Rita ist es eine Rückkehr

Auch mit den Nutzungsmöglichkeiten der anderen Gebäude und Räumlichkeiten vermeiden die beiden einen Schnellschuss. Von Kindertagesstätte, Singlewohnungen, Airbnb-Ferienwohnungen oder selbst ein Café sei vieles denkbar. „Mal sehen, welche Bedarfe es gibt. Danach richten wir uns aus“, sagt Kristina Klundt, für die der Einzug in ihr neues Domizil durchaus den Charakter einer Rückkehr hat. In Kasachstan geboren kommt sie im Jahr 1989 mit ihrer Familie, ihrer Tante, Oma und Opa nach Friedewalde. Sie leben zunächst in einem Haus am Hallbruch 10, auf dem ehemaligen Anwesen von Christel und Willi Kleine. Kristina besucht die Grundschule Friedewalde, Jürgen Ruhe ist ihr Klassenlehrer. „Und demnächst wird meine Tochter hier zur Grundschule gehen“, sagt die heute 38-Jährige mit Mädchennamen Epp. Drei Jahre später verlassen sie Friedewalde wieder und ziehen nach Petershagen.

Wunderschön: Das ehemalige Landgasthaus Eichenhain in exponierter Lage zwischen Friedewalde und Wegholm (im Hintergrund). Foto: Jürgen Krüger

Nach dem Abi nach New York

In Petershagen besucht sie das Gymnasium, beginnt Handball zu spielen, wechselt zwei Jahre später zur HSG Stemmer/Friedewalde und spielt als A-Mädchen in der Saison 2001/02 um die Deutsche Meisterschaft mit. Nach ihrem Abitur sucht sie den Weg in die weite Welt und lebt für eine Weile in New York. Zurück in Deutschland studiert sie Sonderpädagogik an der Universität Bielefeld, absolviert ihr Referendariat in Essen und arbeitet heute an der Schule für Erziehungshilfe in Hille-Mindenerwald. Andreas Klundt stammt auch aus Kasachstan, nur seine Familie siedelt nach Windheim um, wo sie bis heute lebt. Auch er besucht das Gymnasium Petershagen, ist aber fünf Jahre jünger als Kristina. Andreas Klundt studiert Wirtschaftsinformatik in Bielefeld und Essen und arbeitet in Minden als Programmierer.

Und es hat „Zoom“ gemacht

„Tausend mal berührt, tausend mal ist nichts passiert, tausend und eine Nacht – und es hat Zoom gemacht“. Nach diesen Liedzeilen der Klaus Lage Band verlief wohl auch die Beziehung von Kristina und Andreas Klundt. „Er war der Freund meines jüngeren Bruders. Man kannte sich, aber da war nie etwas, und irgendwann macht es peng“, sagt sie. Das war vor sechs Jahren im „Markt 15“ beim Mindener Oktoberfest. Es folgt die Hochzeit drei Jahre später und die Geburt ihrer Tochter Naami Ivana. Als wäre es ein Wink mit dem Zaunpfahl, verbringt sie die Zeit auf der Entbindungsstation Zimmer an Zimmer mit der Friedewalderin Hanna Kruse, dessen Sohn Hagen einen Tag vor Naami Ivana das Licht der Welt erblickt. Bald wohnen beide Familien nicht mehr weit auseinander, denn die Galgenheide ist in Sichtweite des Landgasthauses Eichenhain. „Hagen und Naami sind schon Kumpels“, verrät Kristina Klundt. Auch ihre Mutter Margarita kehrt nach Friedewalde zurück und soll im neuen Domizil eine eigene Wohnung bekommen. „Rita muss mit, das habe ich von Anfang an gesagt, als wir uns auf die Suche nach einem Häuschen gemacht haben“, so Kristina. Ihr Vater sei leider schon verstorben.

Ausverkauf: Das Interieur der ehemaligen Gaststätte soll unter den Hammer kommen, dafür möchten Andreas und Kristina Klundt eventuell einen Flohmarkt vor Ort veranstalten. Foto: Jürgen Krüger

Flohmarkt denkbar

Mittlerweile haben sie sich an die Arbeit gemacht und damit begonnen aufzuräumen und auszumisten. Viele ihrer Freunde helfen mit, viele weitere haben ihre Hilfe angeboten. Darunter sind auch einige Angebote aus ihrer alten Handballzeit bei der HSG Stemmer/Friedewalde. Das Interieur von Restaurant und Gaststätte, die Gläser, dass Geschirr, Tische und Stühle möchten sie verkaufen. Dazu nutzen sie einerseits die Online-Plattform „Ebay“, doch Andreas und Kristina Klundt haben noch eine ganz anderen Idee. „Mal sehen, vielleicht machen wir hier vor Ort auch einen Flohmarkt. Dann lernen wir ganz nebenbei auch gleich die anderen Friedewalder kennen“, sagen sie und freuen sich auf das, was da noch kommt.

Noch ein halbes Jahr warten

Bei der Arbeit: Ein Mitarbeiter der Hausanschlusskolonne bereitet den Arbeitsgang vor, bei dem eine Erdrakete 1,20 Meter unter der Lavelsloher Straße hindurch einen Tunnel für die Leerrohre „schießt“. Auf dem Grundstück liegt die Leitung nur 60 Zentimeter tief. Foto: Jürgen Krüger

Friedewalde. Momentan, im November und Dezember 2021, sind Bauarbeiter in Friedewalde damit beschäftigt, die Hausanschlüsse für das schnelle Internet zu legen. Es handelt sich dabei um die Leerrohe, durch die später die eigentlichen Glasfaserdrähte laufen. Von den 267 beauftragten Glasfaseranschlüssen in Petershagen-West seien Ende November rund 90 Haushalte mit Leerrohranschlüssen versorgt gewesen, sagt Enrico Nauen vom Amt für Wirtschaftsförderung und Kreisentwicklung des Kreises Minden-Lübbecke. Der Gigabit-Koordiantor geht davon aus, dass im Sommer 2022 alle angeschlossenen Friedewalder Haushalte mit Glasfasertechnik im Internet unterwegs sein werden. Offiziell will das Unternehmen Greenfiber die Arbeiten in Petershagen-West zum 1. Juli 2022 abgeschlossen haben.

Viel Buddelei: Bauarbeiter haben hier in Wegholm einen Zugang für das Leerrohr unter einer Mauer hindurch in den Garten des Hauses gegraben. Foto: Jürgen Krüger

Es folgen die Glasfaserkolonnen

Den Hausanschlusskolonnen folgen die Glasfaserkolonnen, die momentan in Hille aktiv sind. Sie „schießen“ die Lichtwellenleiter durch die Leerrohre bis ins Haus und installieren dort den sogenannten Abschlusspunkt Linientechnik (APL) – einer grauer Kasten, von dem aus später ein Glasfaserkabel zum Internet-Router führt. Die Ingenieure und Techniker müssen gleichzeitig die Multifunktionsgehäuse (Verteilerkästen) erfolgreich installiert und die Software programmiert haben, bevor Licht auf die Glasfaser gegeben wird. Das geschehe nicht einzeln bei jedem Haus, sondern in gebündelter Form, also immer mehrere Häuser gleichzeitig, wie Enrico Nauen sagt. Sollte technisch alles funktionieren, dann gibt es in Friedewalde in einem halben Jahr das nach Singapur schnellste Internet der Welt – mit bis zu 10 Gigabit pro Sekunde Datenübertragung. Für die meisten private Haushalte dürften aber wohl eher die Tarife zwischen 250 Megabit/s und 1 Gigabit/s infrage kommen.

Multifunktionsgehäuse: So wird der Verteilerkasten im Hintergrund fachlich korrekt bezeichnet. Dieser hier steht Ecke Kleiriehe/In den Dannen. Foto: Jürgen Krüger
Alte Mauer, neue Technik: Das Leerrohr ragt aus der Kellerwand heraus. Hier wird später der sogenannte APL (Abschlusspunkt Linientechnik) installiert. Foto: Jürgen Krüger

Eichenhain hat neuen Eigentümer

Bleibt in Privatbesitz: Das Landgasthaus Eichenhain in Friedewalde gehört jetzt nicht mehr Stephan Hodde sondern Andreas Klundt. Foto: Jürgen Krüger

Friedewalde. Die Westdeutsche Grundstücksauktionen AG (WDGA) hat das Landgasthaus Eichenhain erfolgreich versteigert. Den Zuschlag erhalten hat Andreas Klundt aus Minden. Für 287.000 Euro, so die WDGA, wechselt das ein Hektar große Anwesen den Eigentümer, der zuvor Stephan Hodde aus Minden gewesen ist.

Räume sollen aufgeteilt werden

Andreas Klundt stammt aus Windheim und kündigte gegenüber Ortsbürgermeisterin Jessica König an, das Gebäude in zwei Einheiten aufteilen zu wollen. Den einen Teil möchte er demnach mit seiner Familie, zu der Ehefrau Kristina und die dreijährige Tochter gehören, selbst nutzen. „Auf der anderen Seite würden sie gerne Räumlichkeiten für eine Kindertagesstätte anbieten“, wie Jessica König sagt. Andreas Klundt selber scheint zeitlich sehr eingespannt zu sein: Auf zwei Anfragen für ein Interview mit Friedewalde.de reagierte er nicht. Update: Kristina und Andreas Klundt haben sich direkt nach dieser Veröffentlichung gemeldet und freuen sich, den Friedewaldern so bald wie möglich ihre Geschichte zu erzählen.

Kristina Klundt erfolgreiche Friedewalder Handballerin

Den Handballern des TuS Freya Friedewalde dürfte Kristina Klundt bekannt sein. Sie feierte mit der A-Mädchenmannschaft der HSG Stemmer/Friedewalde in der Saison 2001/02 die Westdeutsche Meisterschaft. Die Mannschaft um Kristina Epp, so ihr Mädchenname, Lisa Ott, Christin Bagusat und der früh verstorbenen Carolin Finke spielte seinerzeit sogar um die Deutsche Meisterschaft mit, schied aber im Halbfinale gegen Magdeburg aus.

Viel Fachwerk: Das ehemalige Landgasthaus Eichenhain hat als Gaststätte und Restaurant ausgedient. Foto: Jürgen Krüger

Zwei Männer neu im Vorstand

Der neue Vorstand: Stephan Böttcher (von links), Regina Kruse-Mohrhoff, Ben Balon und Carsten Brockmeier setzen sich künftig für den Föderverein der Grundschule Friedewalde ein.

Friedewalde. Bei der Jahreshauptversammlung des Fördervereins der Grundschule Friedewalde standen die Wahlen des neuen Vorstandes weit oben auf der Tagesordnung. Nachdem im vergangenen Jahr pandemiebedingt keine öffentliche Versammlung mit den Mitgliedern stattfinden konnte, wurden bei diesem offiziellen Treffen zwei Geschäftsberichte der Jahre 2019/2020 von der Kassenprüferin Frau Vegel verlesen und der Vorstand einstimmig entlastet.

Die Aktivitäten des Grundschulstandortes fasste Schulleiterin Alexandra Mohrhoff kurz zusammen, da es keine Schulfeste oder öffentliche Veranstaltungen in der Schule geben durfte. Es wurde aber deutlich, wie viel der Förderverein die Schülerinnen und Schüler auch in Zeiten der Schulschließung beispielweise durch zusätzliche Förderhefte und Lernmaterialien unterstützt hat.

Katja Vodegel scheidet aus

Einen besonderen Dank brachte der langjährige 1. Vorsitzende Stephan Böttcher der ausscheidenden Kassiererin Katja Vodegel entgegen. Sie hatten in den letzten zwei Jahre die Kasse vorbildlich geführt, eng mit dem Vorstand zusammengearbeitet und viele Projekte des Fördervereins unterstützt. Für die weiteren Vorhaben sind zwei „neue“ Männer in den Vorstand gewählt worden. Carsten Brockmeier übernimmt das Amt des Kassierers und Ben Balon wurde zum 2. Vorsitzenden gewählt. Die Schriftführerin Regine Kruse-Mohrhoff bleibt weiterhin im Amt.

Ausleihe soll digitailisiert werden

Für die Zukunft der Bücherei in der Schule setzen sich die Eltern besonders ein. Frau Stauga stellte mit Herrn Klocke die Ideen vor. So soll die Ausleihe in naher Zukunft digitalisiert werden, die Schülerinnen und Schüler sollen einen Ausweis erhalten, es soll einen Aufruf für Bücherspenden geben und mit der Zusage des Fördervereins neue Bücher im Wert von 1.000 Euro angeschafft werden. Zum Schluss überreichte Stephan Böttcher den ausscheidenden Vorstandsmitgliedern ein Präsent und begrüßte die neuen Vorstandsmitglieder mit einer Flasche Rotwein.

Neuer DHL-Shop im Dorf

Freundlich und zurückhaltend: Sylwia Sypek, hier in ihrem Geschäft in Friedewalde, ehemals Schuhhaus Schweitzer. Foto: Jürgen Krüger

Friedewalde. Sylwia Sypek liebt das Dorfleben. Das ist auch der Grund, warum die gebürtige Polin mit ihrer Familie nach Friedewalde gezogen ist. Seit April 2021 leben sie, ihr Mann Cezary Pallasch sowie die beiden Söhne Bartosz (16) und Martin (10) im ehemaligen Wohn- und Geschäftshaus vom Schuhhaus Schweitzer (Schloort 6). Mittlerweile hat sich die vielseitige Geschäftsfrau in ihrem neuen Zuhause eingerichtet und sucht nun den Kontakt zu den Friedewalder Bürgerinnen und Bürgern. Dabei wird ihr sicherlich der DHL-Paketshop helfen, den sie wieder eröffnet hat, und zwar zu sehr kundenfreundlichen Öffnungszeiten: montags bis samstag, durchgehend von 10 Uhr bis um 18 Uhr. „Ich würde mich sehr freuen, wenn die Friedewalderinnen und Friedewalder mein Angebot annehmen“, sagt die 44-Jährige.

Außenwerbung: Ein Aufsteller deutet darauf hin, dass es in Friedewalde wieder einen DHL-Shop gibt. Foto: Jürgen Krüger

Wurzeln im polnischen Oppeln

Sylvia Sypek ist vor elf Jahren aus Polen nach Deutschland gekommen. Auch in ihrem Geburtstland lebte sie in einem kleinen Dorf mit dem Namen Gracze, das zur kreisfreien Stadt Opole (früher das schlesische Oppeln) gehört. Nach dem frühen Tod ihres Lebensgefährten lernte sie ihren heutigen Partner Cezary Pallasch kennen und folgte im nach Deutschland. Dort lebte die Familie in Buer, einem Stadtteil von Melle – und jetzt in Friedewalde. Bartosz Kumor, Sohn aus der ersten Beziehung, besucht die 11. Klasse der Kurt-Tucholsky-Gesamtschule in Minden. Der zehnjährige Sohn Martin hat sich mit Begeisterung der Grundschule Friedewalde angeschlossen. „Er geht morgens mit einem Lächeln zur Schule und kommt nachmittags mit einem Lächeln heim“, lobt die Mutter.

Kerngeschäft: Gebäudereinigung für private und geschäftliche Kunden. Foto: Jürgen Krüger

Gebäudereinigung das Kerngeschäft

Der DHL-Shop ist allerdings nur ein zweites Standbein. Das Butter- und Brotgeschäft ist die Gebäudereinigung „D.B.Uns“, die ihre Kunden überwiegend im Osnabrücker Raum hat. Allerdings hätten Sylwia Sypek und ihr Mann Cezary nichts dagegen, auch in Petershagen und Umgebung Fuß zu fassen. „Wir haben viel Erfahrung und legen Wert auf Vertrauen, Ehrlichkeit, Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit“, wirbt die Unternehmerin und zählt ihre Leistungen für private und geschäftliche Kunden auf: Grundreinigungen, Endreinigungen, regelmäßiger Service Fensterputz, Frühjahrsputz, Reinigung von Büroräumen und Treppenhäusern.

Sie produziert alles selbst: Hier ein Blick in die Lernwerkstatt von Sylwia Sypek, in der sie ihr Wissen an Kinder weitergibt. Foto: Jürgen Krüger

Lernwerkstatt für Kinder

In ihrem neuen Domizil in Friedewalde hat sie viel Platz, und so hat Sylwia Sypek noch ein weiteres Gewerbe angemeldet: sie produziert und verkauft Seife und natürliche Kosmetik-Produkte, Süßigkeiten (Lollipops, Bonbons und Kekse), Obst, Gemüse, Kräuter, Dekorationsartikel und Handarbeitsware. Allerdings brauche sie noch eine Weile, um das gesamte Angebot vorrätig zu haben. Da sie fast alles selbst produziert, teilt sie ihr Wissen mit Kindern. In einer Lernwerkstatt betreut sie Kinder im Alter ab drei Jahren, bastelt mit ihnen, malt, backt Kekse, baut Drachen, Figuren aus Salzteig oder geht mit ihnen in den Garten. „Wir geben Kindern Zeit“, sagt sie. Zwei Stunden Betreuung bietet sie für zum Selbstkostenpreis von 15 Euro an. „Das Material ist inklusive.“ Buchung am besten im Gespräch direkt vor Ort.

Kontakt

Sylwia Sypek
Schloort 6
32469 Petershagen-Friedewalde

Telefon (01 57) 73 67 82 31
Email: pasja1207@gmail.com

Raus aus dem toten Winkel

Volle Pulle Feuerwehr: Hier sind Kinder und Erzieherinnen des Kindergartens Friedewalde Feuer und Flamme.

Friedewalde. Der große LKW, die Feuerwehr, das Polizeiauto und der Krankenwagen waren sofort sichtbar für die Schülerinnen und Schüler des Grundschulverbundes (GSV) Eldagsen-Friedewalde, als sie an diesem besonderen Tag in die Schule kamen. Viele außerschulische Unterstützer und Eltern als Helfer hatten sich bereit erklärt die Verkehrserziehung der Kinder mit in die Hand zu nehmen. Vorbereitet wurden die Kinder von ihren Klassenleitungen und in zwei Gruppen eingeteilt, damit alle Stationen an diesen besonderen Tagen in Ruhe besucht werden konnten. An insgesamt drei Tagen fand an beiden Standorten des GSV Eldagsen-Friedewalde dieser Unterricht der besonderen Art statt. „Endlich mal wieder etwas anderes nach der gefühlt ewig langen Coronazeit“, sagt GSV-Leiterin Alexandra Mohrhoff. Schule darf sich wieder öffnen und das Team des GSV Edagsen-Friedewalde hatte diese Tage gut vorbereitet, damit die Kinder mal wieder anders lernen können, als nur im Klassenraum.

Gewaltig: Der LKW der Firma JENZ, den Geschäftsführe Hans Hermeier (3. von links) mitgebracht hat.

„Gibt es noch die kleinen Glasflaschen mit Kakao und Strohhalm?“

Hans Hermeier (Firma Jenz) war mit dabei, als ehemaliger Schüler des Standortes Friedewalde für ihn selbstverständlich und mit schönen Erinnerungen („Gibt es noch die kleinen Glasflachen mit Kakao und Strohhalm?“) verbunden. In der Runde des „Round Table“ hatten es sich auch Frank Temme (Fahrschule Temme) und andere „Tabler“ nicht nehmen lassen und waren mit der Station „Raus aus dem toten Winkel“ vertreten. Mit viel Ruhe und Einsatz erklärten sie den Kindern der Klassen 3/4 die Gefahr des „toten Winkels“, die Kinder durften selber in den LKW der Firma Jenz klettern und konnten ihre Gruppe im Spiegel nicht sehen. Aus dieser Perspektive für die Kinder besonders eindrucksvoll und lehrreich. An der Station der Verkehrswacht des Kreises Minden -Lübbecke konnte der Fahrradsimulator ausprobiert und in der Turnhalle die Geschicklichkeit mit dem Roller in einem Parcours geübt werden. Auch einige Lehrkräfte und die Schulleitung ließen es sich nicht nehmen ihr (Un-)Geschick zu testen.

Dein Freund und Helfer: Herr Biek von der Polizeitstation Lahde hat reichlich Matreial mitgebracht.

Feuerwehr, Rettungswache und Polizei sind vor Ort

Die Freiwillige Feuerwehr aus Friedewalde und Eldagsen waren an ihren jeweiligen Standorten ebenfalls im Einsatz und präsentierten ihre Ausrüstungen, Fahrzeuge und Werkzeuge sehr anschaulich. Besonders beliebt waren die Übungen mit dem Wasser, die an einem sonnigen, trockenen Tag schon hin und wieder einen leichten Sprühregen auf den Schulhöfen entstehen ließen. Herr Bieck von der Polizeistation aus Lahde wurde insbesondere von den Klassen 1/2 mit Fragen gelöchert, die er mit Geduld und Blaulicht gerne beantwortete. Das Aufsetzen der Polizeimütze, das Probesitzen im Polizeiauto und die Ansicht der Handschellen gehörten zu den Highlights des Tages. Zwischendurch gab es zur großen Freude der Kinder dann auch immer mal wieder ein kleines Battle zwischen den Sirenen der Feuerwehr und der Polizei. Die Kolleginnen der Rettungswache Lahde (DRK Lahde) waren nicht weniger präsent und ebenfalls dicht umlagert von den Schülerinnen und Schülern. Probeliegen auf der Trage, Angucken des Krankenwagens und das Abbauen von Ängsten standen hier im Vordergrund. Leider konnte man nicht immer dabei sein, aber die positiv neugierige Atmosphäre war überall zu spüren.

Sehtest und Notruf

Im Gebäude der Schule hatten sich Eltern an ihren Stationen gut vorbereitet. Der Sehtest konnte auch zeitlichen Gründen nicht von allen Kindern wahrgenommen werden, aber das Absetzen eines Notrufes mit Telefon wurde von allen Gruppen spielerisch eingeübt und die wichtigen W-Fragen konnten wiederholt werden.
Am Standort Friedewalde waren die Schulanfänger des Kindergartens Friedewalde ebenfalls dabei, konnten viele Eindrücke sammeln und ganz nebenbei schon viele ihrer Freunde in ihrer künftigen Schule wieder treffen.
Für das leibliche Wohl aller Unterstützer und Helfer hatte die Lehramtsanwärterin des Grundschulverbundes Rebecca Ledig leckeren Apfel- und Zuckerkuchen (Bäckerei Ledig) mitgebracht. Dazu habe es einen heißen Kaffee, aber leider keinen kalten Kakao aus der Glasflasche mit Strohhalm.

Notfall: Abstransport auf einer Rettungsliege.

Musical „Abgeschnallt“ zum Abschluss


An einem weiteren Tag der Woche durften alle Schülerinnen und Schüler des GSV an dem Musical „Abgeschnallt“ teilnehmen. Alle Grundschulen im Kreis hatten die Möglichkeit sich für die Vergabe von fünf Spielterminen beim Straßenverkehrsamt des Kreises Minden-Lübbecke zu bewerben und der GSV gehörte zu den glücklichen „Schnellen“. Das Theater aus Meerbusch wird vom Verkehrsministerium und der Unfallkasse NRW gefördert. Die restlichen Kosten für die Veranstaltung werden durch das Straßenverkehrsamt übernommen. Dieser Abschluss mit der musikalischen Art der Verkehrserziehung war für alle Schülerinnen und Schüler eine sehr gelungene Veranstaltung. „Allen Beteiligten ein herzliches Dankeschön für diese spannenden Tage“, so Alexandra Mohrhoff.

Spielerisch lernen: Szene aus dem Musical „Abgeschnallt“.

Friedhof: Split ist vom Tisch

Tolle Arbeit: Die ehrenamtliche Arbeitsgruppe Friedhof sorgt für blitzeblanke Wege auf dem neuen Friedhof. Foto: Jürgen Krüger

Friedewalde. Sie brauche noch etwas Zeit. Das war die Aussage von Tanja Müller, Verwaltungsangestellte der Stadt Petershagen, zuständig für die Pflege der Friedhöfe. Seinerzeit ging es um die Wege auf dem neuen Friedhof in Friedewalde. Die wollte Ortsbürgermeisterin Jessica König ursprünglich gesplittet haben. „Bei den Friedhofswegen wird sich in absehbarer Zeit in Bezug auf Split nichts tun“, sagt Tanja Müller heute und verweist auf eine Wildkrautegge, die die Stadt Petershagen bestellt habe und die der Hersteller momentan nicht liefern könne. Die Friedhofspflege liegt in den Händen von Marlene Barrelmeyer und einer ehrenamtlichen Arbeitsgruppe, die sich auch gegen gesplittete Wege ausgesprochen habe, wie Jessica König sagt. Die Wildkrautegge soll auf beiden Friedhöfen zum Einsatz kommen. Dazu braucht man allerdings wiederum Helfer, die die aus dem Boden herausgelösen Wildkräuter zusammenharken und abtransportieren. Auf dem neuen Friedhof gibt es schon eine Arbeitsgruppe, für den alten Friedhof möche Jessica König eine weitere ins Leben rufen. „Vielleicht auch wieder mit einem großen Aktionstag“, wie sie sagt.

Hoffnung: Die Friedhofsverwalung hat ein Schild aufgestellt „Wir bauen für Sie“. Die Arbeiten bezogen sich darauf, ein paar Meter Graswege einzusähen. Foto: Jürgen Krüger

Nicht einmal einen Staubsauger gibt es

Eine große Baustelle bleibt die Kapelle auf dem neuen Friedhof. Margarete Schwarze, Ina Beining, Irmgard Wohl und Hildegard Traue haben eine Grundreinigung vorgenommen. Dabei offenbarten sich weitere Mängel. So sollen die Vorhänge erneuert werden, und die Wände einen neuen Anstrich erhalten. Auch fehle ein Staubsauger. Pfarrer Thomas Salberg hatte sich beschwert, dass das Licht im Aussegnungsraum zu schwach sei, woraufhin Elektro Lampe im Aufrag der Stadt Petershagen ein neues Leuchtmittel eingeschraubt habe, wie Jessica König berichtet. „Der Erfolg ist mäßig, ich wünsche mir eine LED-Beleuchtung“, sagt die Friedewalder Ortsbürgermeisterin, die Tanja Möller zu einem Ortgespräch eingeladen hat.

Er war so nah dran: Der Radlader hätte durchaus dazu genutzt werden können, der ehrenamlichen Friedhofsgruppe unter die Arme zu greifen, um die Anpflanzung vor der Friedhofskapelle zu enfernen. Doch dafür gab es von der Stadt Petershagen keinen Aufrag. Foto: Jürgen Krüger

Radlader ohne Auftrag

Trostlos sieht auch das Beet vor der Friedhofskapelle aus. In dieser Frage keimte plötzlich Hoffnung auf, als die Stadt Petershagen mit einem Radlader anrückte und ein verheißungsvolles Schild aufstellte „Wir bauen für sie“. Die Hoffnung erfüllte sich nicht. Lediglich ein paar Wege seien eingesäht worden, wie Jessica König herausgefunden hat. Die Bauarbeiter hatten auch gar keinen Auftrag, den Schandfleck zu beseitigen oder zumindest dabei zu helfen. „Bis zu einem Jahr soll es dauern, bis die Stadt Petershagen so einen Auftrag ausführt. Da haben wir das Problem selbst angepackt“, sagt sie. Heike Christiani von der Arbeitsgruppe Friedhof hat ein Konzept erarbeitet, das zwei Bänke und einen Fahrradständer vorsieht. Die Kosten dafür sollen von der kleinen Dorferneuerung, die der Orsbürgermeisterin zur eigenen Verwaltung zur Verfügung steht, getragen werden.

Landgasthaus Eichenhain wird versteigert

Idyllisch gelegen: Das Landgasthaus Eichenhain am Rieheweg 1 in Friedewalde, hier mit Blick in Richtung Wegholm. Foto: Jürgen Krüger

Friedewalde. Nach der Betriebsaufgabe durch Torsten und Jutta Kujat am 1. Juli 2016 steht das Landgasthaus Eichenhain leer. Der frühere Eigentümer Heinz-Jürgen Hodde hat das Anwesen mittlerweile auf seinen Sohn Stephan übertragen (Getränke Gieselmann). Da sich die Suche nach einem Pächter schwierig gestaltet habe, suchte Stephan Hodde nach einem Käufer. „Es hat ein paar Interessenten gegeben, aber ein Verkauf ist bislang nicht zustande gekommen“, sagt der Geschäftsmann. Nun soll das Landgasthaus Eichenhain versteigert werden.

Versteigerung live im Internet

Durchführen wird die Versteigerung die Westdeutsche Grundstücksauktionen AG (WDGA) am Freitag, 17. September 2021, ab 11 Uhr im Hilton Cologne Hotel, Marzellenstraße 13 – 17, in Köln. An diesem Tag werde es mehrere Versteigerungen geben, die alle live im Internet übertragen werden, teilt die WDGA mit. Die Anzahl der Präsenzplätze im Hotel seien begrenzt. Es bestehe aber die Möglichkeit, online, telefonisch oder schriftlich mitzubieten.

Mindestgebot: 250.000 Euro

„Die WDGA ist auf uns zugekommen, und wir wollen diese Möglichkeit ausprobieren“, sagt Stephan Hodde. Das Mindestgebot liegt laut Katalog bei 250.000 Euro. Das ein Hektar große Grundstück besteht aus sechs zusammenhängenden Flurstücken. Die Wohn- und Nutzfläche des ehemaligen, im Jahr 1802 erbauten Landgasthofes ist laut Schätzung ca. 450 Quadratmeter groß. Auf dem Grundstück befindet sich ein separates ehemaliges Backhaus. „Das Objekt befindet sich in einem renovierungs-, teilweise sanierungsbedürftigen Zustand“, heißt es im Katalog zum Download.

Alles hat seine Zeit

Selfie: Dirk Schwier (links) und Cord Mohrhoff im Gerry-Weber-Stadion in Halle/Westfalen. Foto: Cord Mohrhoff

Von Michael Lorenz

Friedewalde. Das letzte Heimspiel der vergangenen Saison von Handball-Bundesligist GWD Minden hatte es aus mehrerlei Hinsicht in sich. Zum einen schaffte die Mannschaft von Trainer Frank Carstens am 24. Juni 2021 in der Kreissporthalle Lübbecke nach spektakulärem Spielverlauf den Klassenerhalt. Zum anderen war das 24:24 gegen die Eulen Ludwigshafen das letzte Heimspiel von Rekordtorjäger Christoffer Rambo nach siebeneinhalb Jahren in Minden. Und es war das letzte Bundesligaspiel der Friedewalder Zeitnehmer Cord Mohrhoff und Dirk Schwier.

Trennung nach Handball-WM

Cord Mohrhoff begann seine Schiedsrichterlaufbahn im Jahr 1986 an der Seite von Magnus Treichel. Nach einer Knieverletzung des heute 50-jährigen Mohrhoff wechselten die beiden im Jahr 2004 zurück zu den Zeitnehmern. Bei der Weltmeisterschaft, die Deutschland im eigenen Land 2007 gewann, wirkten die beiden mit. Treichel und Mohrhoff trennten sich nach der WM und Mohrhoff fand in Dirk Schwier einen neuen Partner. Cord Mohrhoff erinnert sich an viele Schiedsrichtergespanne wie Geipel/Helbig, Immel/Klein oder Gremmel/Gremmel, besonders gerne aber an die Methe-Zwillinge: „Die waren sehr Zeitnehmer-affin. Ihr Unfalltod im Jahr 2011 hat uns alle besonders hart getroffen“.

An eine besondere Begebenheit in der Lübbecker Merkur-Arena denk Mohrhoff lachend zurück: „Bundesschiedsrichterwart Peter Rauchfuß war in der Halle, aber es gab keinen Stuhl für den dritten Offiziellen. Ich habe ihm meinen gegeben, und ich habe dann das Spiel im Stehen bestritten. Das gefiel Peter Rauchfuß so gut, dass fortan alle Zeitnehmer die Spiele im Stehen bestreiten mussten. Nach ein paar Wochen wurde das aber wieder aufgehoben.“

Mit Maske: Cord Mohrhoff während der Halbzeitpause in der Lübbecker Kreissporthalle. Foto: Jürgen Krüger

Im Umkreis von 200 Kilometern unterwegs

Das Einsatzgebiet des Gespanns Mohrhoff/Schwier beschränkte sich keineswegs auf den Mühlenkreis: Der Einsatzradius betrug rund 200 Kilometer. Cord Mohrhoffs Sympathien im Handball sind klar verteilt: „Ich fiebere mit den Teams aus Stemmer und Friedewalde mit, ansonsten bin ich neutral. Ich wollte immer gerne gute Handballspiele und taktische Varianten sehen, das hat mich interessiert.“

Dennoch hat er in den vielen Jahren bei GWD etliche Spieler erlebt, die ihm in bleibender Erinnerung geblieben sind. „Da ist etwa Dalibor Doder. Die meisten Spieler erkennen einen außerhalb der Hallen nicht, Doder hingegen hat auch in der Stadt immer freundlich gegrüßt. Aleksandar Svitlica übrigens auch. Talant Dujshebaev war ein ganz großer. Da seine Frau Olga bei uns in Stemmer spielte, war er bei den Heimspielen oft zugegen, und zwar ohne den geringsten Anflug von Arroganz.“

Nationaltorwart nimmt Auszeit

Als Zeitnehmer kommt es in vielen Handballspieler zu kniffligen Entscheidungen darüber, zum Beispiel ob ein Ball vor, oder erst nach der Schluss-Sirene im Tor war. In besonderer Erinnerung hat Cord Mohrhoff aber eine Auszeit bei einem Qualifikationsspiel Deutschland gegen Polen geblieben: „Trainer war Martin Heuberger. Torwart Silvio Heinevetter hat ihm einfach die Grüne Karte aus der Hand genommen und zur Auszeit gelegt. Unglaublich.“

Entspannt: Cord Mohrhoff und Dirk Schwier kurz vor dem Spiel in der 2. Handball-Bundesliga zwischen dem TuS N-Lübbecke und dem Dessau-Roßlauer HV (31:22) am Freitag, 11. Juni 2021. Foto: Jürgen Krüger

„Das Zwischenmenschliche ist verloren gegangen“

Ober er die Handballspiele vermissen wird? „Nach so langer Zeit sicherlich. Am Ende war es aber eher so, dass ich am Zeitnehmertisch zwar funktioniert habe, mich aber nicht mehr richtig motivieren konnte. Früher gab es nach den Spielen so etwas wie eine dritte Halbzeit. Da haben wir mit den Schiedsrichtern noch ein Bierchen getrunken und die Spiele Revue passieren lassen. Da gehörte einfach dazu. Das haben sie von höchster Stelle leider stark reglementiert, dadurch ist das Zwischenmenschliche verloren gegangen.“

„Wir müssen helfen“

Daumen hoch: Marcus Mannchen, der hier auf einem Gerüst steht, möchte den Opfern der Flukatastrophe helfen. Foto: Jürgen Krüger

Minden. Die Folgen der Flutkatastrophe in Nordrhein Westfalen und in Rheinland Pfalz lassen Marcus Mannchen nicht los. Insbesondere die Facebook-Beiträge des Lohnunternehmers Markus Wipperfürth bringen den 44-jährigen Mindener zum Entschluss: „Wir müssen helfen.“

Mitarbeiter verzichten auf Lohne

Und so kommt der Bauleiter von Elektro Schlötel (Partner der Website von Friedewalde.de), auf die Idee, Spenden zu sammeln – aber auf eine ganz besondere Art und Weise. Er und einige seiner Kollegen wollen elektrische Geräte überprüfen und sie reparieren. Einen Lohn dafür wollen sie nicht, sondern eine Spende zumindest in Höhe der Ersatzteilkosten. „Es darf aber auch gerne etwas mehr sein“, sagt Mannchen, der bei Elektro Schlötel Elektroinstallateur gelernt hat und seit fast 30 Jahren für das Unternehmen arbeitet.

Aktion läuft an zwei Tagen

Bei den zu prüfenden elektrischen Geräten sollte es sich im Wesentlichen um folgende Dinge handeln: defekte Verlängerungsleitungen oder Kabeltrommeln, Kleingeräte mit defekter Anschlussleitung, Prüfungen für ortsveränderliche Geräte nach DGUV V3 (bis vier Geräte 10 Euro Spende pro Gerät; ab dem 5. Gerät 7 Euro Spende). „Defekte Leuchten reparieren wir natürlich auch, soweit es geht“, sagt Marcus Mannchen.

Geplant ist die Aktion an zwei Tagen: Freitag, 3. September, von 14 Uhr bis um 18 Uhr und Samstag, 4. September, von 10 Uhr bis um 15 Uhr. Die Besitzer müssten ihre Geräte in dieser Zeit zum Firmenssitz von Elektro Schlötel an der Hahler Straße 152 – 154 in Minden bringen. „Je nach Verfügbarkeit der Ersatzteile können wir die Geräte sofort reparieren, oder wir würden sie ein paar Tage später repariert an die Besitzer zurückgeben“, erklärt der Bauleiter.

Die Spendensumme ist für die Aktion „Lichtblicke“ gedacht. Fragen bitte an folgende E-Mailadresse:
fluthilfe@elektro-schloetel.de

Unabhängig von der Spendenaktion kann sich Marcus Mannchen auch vorstellen, später selbst in das Krisengebiet zu fahren und direkt vor Ort zu helfen. „Das mache ich aber von der aktuellen Situation abhängig“, sagt er.

Es geht um die Currywurst

Voll im Saft: Momentan haben die Friedewalder Landwirte andere Aufgaben zu erledigen, als sich bei Autohaus Meier darüber zu beschweren, dass es in einer Betriebskantine von Volkswagen keine Currywurst mehr gibt. Foto: Jürgen Krüger

Kreis Minden-Lübbecke/Friedewalde. Der landwirtschaftliche Kreisverband Minden-Lübbecke ruft in einem Schreiben seine Landwirte auf, bei den Vertragshändlern des Volkswagenkonzerns vorstellig zu werden und „Ihrem Ärger und Ihren Ängsten“ Luft zu machen. „Getreu dem Motto: Andere Hersteller bauen auch schöne Fahrzeuge!“ Hintergrund sei die Nachricht von Volkwagen gewesen, intern nachhaltiger zu werden und vorerst eine Betriebskantine des Automobilherstellers am Standort Wolfsburg auf fleischlose Produkte umzustellen. „Das hat im Berufsstand für ordentlich Unruhe gesorgt“, heißt es weiter in dem Schreiben, das von Kreislandwirt Rainer Meyer, seinen beiden Stellvertretern Joachim Schmedt und Stefan Schmidt sowie Kreisgeschäftsführer Holger Topp unterzeichnet ist.

Keine Currywurst mehr bei VW in Wolfsburg

In einer der Betriebskantinen von VW in Wolfsburg soll die „in aller Munde bekannte und unter Mitarbeitern beliebte“ VW-Currywurst (nach Angaben des Kreisverbandes rund sieben Millionen Currywürste im Jahr 2019 aus der hauseigenen VW-Fleischerei) vom Speiseplan verschwinden. Die Bauern im Kreis Minden-Lübbecke sehen offenbar zusätzliche Probleme beim Absatz von Schweinefleisch und befürchten „enorme existenzbedrohliche Zustände auf unseren heimischen Betrieben. Das Vorgehen des Automobilherstellers könnte als Leuchtturm für andere Konzerne dienen und ist in keinster Weise zu akzeptieren“, so der Minden-Lübbecker Kreisverband.

„Das Schreiben ist Mist“

Dieser Aufruf könnte für Friedewalde bedeuten, dass sich die ortsansässigen Landwirte nun auf den Weg machten, um Annette Berane, Geschäftsführerin vom Autohaus Meier, den Kopf zu waschen, weil der VW-Konzern in Wolfsburg keine Currywurst mehr verkauft. Dazu wird es aber mit größter Wahrscheinlichkeit nicht kommen, denn der Vorsitzende des landwirtschaftlichen Ortsverbandes, Karl-Christian Ebenau, ist über dieses Schreiben einigermaßen entsetzt, genauso wie Ortslandwirt Christian Kruse. „Das Schreiben ist Mist. Es trifft doch die Falschen, denn die Vertragshändler werden doch von VW auch nur gegängelt. Was soll das denn bringen? Dass Annette Berane in Wolfsburg anruft und sich darüber beschwert, dass bei ihr zwei Landwirte vor der Tür stehen und sich über die Konzernzentrale beschweren?“, fragt Karl-Christian Ebenau rethorisch. Und Christian Kruse bezeichnet die Aktion, trotz der schwierigen Lage vieler landwirtschaftlicher Betriebe, als „hilflos“. „Das bringt doch nichts“, sagt er und fährt fort: „Ich denke, dass der Verbraucher mit seinen Kaufentscheidungen deutlich mehr Einfluss hat als die Betriebskantine von Volkswagen, geschweige denn Autohaus Meier.“

Warum sitzen, wenn man liegen kann?

Entspannt durch die Natur: Volker Müller-Ulrich ist hier mit seinem Liegedreirad auf einer Nebenstraße seines Wohnortes Friedewalde unterwegs. In dieser Position könne er es 100 Kilometer aushalten, wie er sagt. Foto: Jürgen Krüger

Friedewalde/Bad Oeynhausen. Radfahren ist die Sportart der Zukunft. So viel steht fest, zumal es schon einen eigenen „Weltfahrradtag“ gibt. Einer, der sich mit Radfahren auskennt, ist Volker Müller Ulrich. Der Pressesprecher der Stadt Bad Oeynhausen fährt leidenschaftlich gerne Liegedreirad und gibt zu: „Dafür muss man schon ein bisschen meschugge sein.“ Allerdings hat der 53-Jährige auch zwei ganz praktische Gründe, warum er seit zehn Jahren lieber liegend auf drei Rädern unterwegs ist als aufrecht sitzend im Sattel.

„Was viele Radfahrer kennen, sind eingeschlafene Hände“

Seit 1998 lebt er mit einem Bandscheibenvorfall. „Das habe ich ganz gut im Griff. Aber durch diese Liegeposition kommen natürlich keine Stöße mehr direkt in den Rücken“, erklärt der ehemalige Moderator von Radio Westfalica und ergänzt: „Was viele Radfahrer kennen sind eingeschlafene Hände.“ Er selbe habe von seinem Vater ein sogenanntes „Karpaltunnelsyndrom“ vererbt bekommen. „An einer Hand ist es mittlerweile operiert, an der anderen Hand habe ich immer noch ein leichtes Kribbeln. Beim Liegerradfahren ist das für mich aber kein Problem, weil ich nicht auf dem Lenker liege, sondern den Lenker so im Griff habe, dass kein Körpergewicht darauf liegt“, sagt er. „Das sind, auf die lange Sicht gesehen, der wesentlichen Vorteile für mich, was das Fahren mit einem Liegedreirad betrifft.“

Es gibt sie auch als E-Bike

Es gebe aber noch mehr Gutes. Dadurch, dass er das Gleichgewicht nicht halten müsse, spare er Kraft und steige auch nach 100 Kilometern noch entspannt aus dem Sitz. „Gut, die Waden ziehen ein bisschen. Aber daran bin ich dann selbst schuld, wenn ich meine, gegen den Wind einen Schnitt von 25 km/h treten zu müssen“, gibt Volker Müller-Ulrich zu. Er sieht aber auch beispielsweise für Schlaganfallpatienten oder Menschen mit Gleichgewichtsstörungen Chancen, sich eine eigene Mobilität zu bewahren. Liegedreiräder gibt es mittlerweile auch als E-Bike mit elektrischer Trittunterstützung. Die Ausstattung als „Speed Pedelec“ mit einer Höchstgeschwindigkeit von bis zu 45 km/h grenzt sich aber vom Fahrrad ab. Sie werden als Kleinkraftrad eingestuft, wofür man einen Führerschein der Klasse AM benötigt. Noch vertraut Volker Müller-Ulrich seiner Muskelkraft, kann sich aber durchaus vorstellen, eines Tages auf ein E-Bike umzusteigen.

Mit den Augen des Fahrers: Das sieht Volker Müller-Ulrich, wenn er mit seinem Liegedreirad unterwegs ist. Foto: Jürgen Krüger

Langsam ist der durchaus sportliche Fahrer mit seinem Gefährt aber auch nicht. Die 30 km/h sind keine große Hürde. Auch vor weiteren Entfernungen scheut sich der gebürtige Windheimer nicht. So fährt er nahezu täglich mit seinem Liegedreirad zur Arbeit. Von Friedewalde bis nach Bad Oeynhausen sind es zwischen 24 km und 35 km, je nachdem, wo er lang fährt. Gern nutzt Volker Müller-Ulrich den Weserradweg und versucht auf dem Weg dorthin, so viele Ampeln wie möglich zu umfahren.

Das ist bei der Fahrt durch die Peripherie von Minden nicht ganz einfach, trotzdem schafft er es, bis zur Auffahrt Weserradweg (Kreisel „Birne“) beim Hotel Bad Minden nur zwei Ampeln beachten zu müssen. „Ampeln halten auf“, sagt er. Kürzer ist der Weg zur Arbeit über Bergkirchen, allerdings hat es diese Tour in sich. Die Steigungen von Volmerdingsen und Rothenuffeln an ziehen sich.

Video: Mit Volker Müller Ulrich auf dem Liegedreirad. Kamera,Schnitt, Ton: Jürgen Krüger

Neulich ist Volker Müller-Ulrich sogar mit seinem Liegerad nach Münster gereist, wo er ab Mitte der 1990er Jahre Publizistik und Kommunikationswissenschaften, Politik und Geschichte studiert hat. In Münster gab es für die Stadt Bad Oeynhausen einen Termin beim Oberverwaltungsgericht. Dabei ist er zunächst mit seinem Liegerad bis nach Minden gefahren, hat dort einen Zug bestiegen und ist per Bahn, samt Umsteigen in Osnabrück, in Münster angekommen.

Auf der Rückfahrt ist er dann in Osnabrück ausgestiegen und die 65 Kilometer bis nach Hause geradelt. Volker Müller-Ulrich teilt seine Leidenschaft gerne online – zum Beispiel bei Facebook mit den Hashtags #mitRzA (mit dem Rad zur Arbeit) und #mdRnH (mit dem Rad nach Hause). Auch privat lässt er kaum eine Möglichkeit aus, um Strecke zu machen. Und so kamen im vergangenen Jahr 12.000 Kilometer zusammen. Hin und wieder begleitet ihn auch Ehefrau Andrea, die aber lieber sitzend auf dem Zweirad unterwegs ist.

Hightech: Die Rohloff Nabenschaltung soll Experten zufolge das Nonplusultra für den ambitionierten Radfahrer sein. Foto: Jürgen Krüger

Volker Müller-Ulrich mag keine halben Sachen. Und so ist sein neues Liegedreirad, das er im Mai bekommen hat, auch ein Hightech-Gerät mit einer sogenannten „Rohloff-Nabenschaltung“. Allein die Schaltung hat einen Preis von rund 1.000 Euro. Sein neuestes Gefährt von HP Velotechnik, immerhin schon sein drittes Liegedreirad, hat er als Rahmenbausatz gekauft und in einer Fachwerkstatt zusammenbauen lassen.

Wartungsarbeiten übernimmt er selbst. „Mein Vater war Maschinenschlosser und hat mir viel beigebracht. Bereits als Zehnjähriger habe ich meinen ersten Fahrradschlauch geflickt“, sagt er. Rund 4.000 Euro hat Volker Müller-Ulrich für den Bausatz samt Arbeitslohn bezahlt, wobei er einige Komponenten von seinem Vorgängerrad übernommen hat. Fertig im Ladengeschäft gekauft wären für diese Variante wohl 6.000 Euro fällig gewesen. Bei einem Liegedreirad als E-Bike-Version sind, je nach Ausstattung, 8.000 Euro schnell erreicht.

Gut für die Bandscheibe: In der Liegeposition gibt es beim Fahren keine direkten Stöße mehr in den Rücken. Foto: Jürgen Krüger

So entspannend wie das Fahren mit Liegedreirad auch sein mag, so unentspannt geht offenbar manch Autofahrer damit um. Hupen, drängeln und beleidigende Gesten erlebt Volker Müller-Ulrich öfter. Auch wenn er sich daran gewöhnt hat, schön ist das nicht. Einmal soll ein Autofahrer sogar handgreiflich geworden sein mit einem Schlag gegen seine Stirn. Zum Prozess kam es nicht. „Es stand Aussage gegen Aussage“, sagt er. Die Auseinandersetzung endete mit einem außergerichtlichen Vergleich.

Whisky-Tastings in Bad Oeynhausen und Minden

Apropos halbe Sachen: Den Hang zur Perfektion lebt Volker Müller-Ulrich nicht nur beim Liegedreiradfahren aus. Als Whisky-Liebhaber ist er hin und wieder in der Wassermühle Bergkirchen oder im Hotel Bad Minden zu Gast, um bei Probierstunden – den Whisky-Tastings – Geschichten über die edlen Tropfen zu erzählen. Seine Lieblingsbrennerei ist übrigens Bruichladdich in Schottland. „Das schöne ist, dass die drei ganz unterschiedliche Whiskys machen“, schwärmt er.

„Ich bin katholisch ohne Wenn und Aber“

Keine Kompromisse geht der Oberleutnant der Reserve auch beim Thema christlicher Glaube ein. „Ich bin katholisch ohne Wenn und Aber. Ich denke schon, dass die katholische Kirche Nachhol- und Verbesserungsbedarf an einigen Stellen hat, trotzdem darf der Glaubenskern nicht verloren gehen. Dass Jesus Christus durch Wandlung von Brot und Wein in Gestalt von Leib und Blut da ist, das muss ich glauben. Wenn ich das nicht glaube, dann ist das Fundament weg.“

Rechtliches: Muss ein Liegedreiradfahrer immer einen vorhandenen Radweg benutzen?

Nein. Dem Rechtsexperten des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC), Roland Huhn, zufolge gilt die Regelung nur, wenn der Radweg mit einem der drei blauen Radwegschilder gekennzeichnet ist. Außerdem muss er gut befahrbar sein. Sind Wurzeln, Gegenstände oder Autos im Weg, dürfen Radfahrer auf die Straße ausweichen. Ist der Radweg mit keinem der Radwegschilder versehen, darf der Radfahrer selbst entscheiden, wo er fährt.

Friedhof: So geht es weiter

Sieht gut aus: Der Friedhof in Holzhausen II, den die Gemeinde Hille unterhält, hat gesplittete Wege. Foto: Jürgen Krüger

Petershagen-Friedewalde. Friedhöfe zu unterhalten ist aufwändig und damit teuer. Das dürfte wohl auch der Grund dafür gewesen sein, dass die evangelische Kirchengemeinde Friedewalde die Pflege der beiden Friedhöfe am Diekhoff (alter Friedhof) und Brunsfeld (neuer Friedhof) nach der Gebietsreform im Jahr 1972 der Stadt Petershagen übertragen hat. Die finanziell nicht auf Rosen gebettete Kommune mit 29 Ortschaften hat dann auch ihre Schwierigkeiten mit der Unterhaltung der Friedhöfe, und so hatte der Stadtrat vor einigen Jahren beschlossen, einige Friedhofskapellen abzugeben. Jetzt betreibt die Stadt Petershagen nur noch in den fünf Ortschaften Friedewalde, Neuenknick, Lahde, Wietersheim und Heimsen eigene Friedhofskapellen. In Bierde, Döhren, Gorspen-Vahlsen, Ilse, Quetzen und Seelenfeld haben die Betreuung vor vier Jahren sogenannte „Kapellenvereine“ übernommen. Die Kapelle in Eldagsen wurde „entwidmet“, Rosenhagen hat keine mehr.

Gepflasterte Wege und Baumgrab: Der Friedhof in Südfelde befindet sich in der Trägerschaft der evangelischen Kirchengemeinde Petershagen. Foto: Jürgen Krüger

Stadt Petershagen hat 19 Friedhöfe zu unterhalten

Dennoch hat die Stadt Petershagen neben diesen fünf Friedhofskapellen insgesamt 19 Friedhöfe in Schuss zu halten, was sie insbesondere beim neuen Friedewalder Friedhof nach Ansicht vieler Bürgerinnen und Bürger nicht zufriedenstellend auf die Reihe bringt. Bereits vor sechs Jahren säuberten ehrenamtliche Helferinnen und Helfer die Wege auf dem neuen Friedhof. In diesem Jahr übernahmen erneut rund zwanzig Friedewalder Bürgerinnen und Bürger die Verantwortung und befreiten die Wege von Unkraut. In Euro und Cent umgerechnet dürften die vier Stunden Arbeitszeit der zwanzig Friedewalder rund 1.600 Euro wert sein. Diese Aktion hat viel Wohlwollen bei der Stadt Petershagen augelöst. „Wir begrüßen den Einsatz ausdrücklich“, sagt Tanja Müller. Die Verwaltungsangestellte ist bei der Stadt Petershagen unter anderem für die Unterhaltung der Friedhöfe zuständig. Vor der Pflegeaktion hatte sie sich bereits mit Ortsbürgermeisterin Jessica König auf beiden Friedhöfen getroffen und Ideen und Möglichkeiten ausgelotet.

Für Urnen: Baumgräber, wie dieses hier auf dem von der evangelischen Kirchengemeinde in Petershagen betriebenen Friedhof, könnte sich Ortsbürgermeisterin Jessica König auch auf beiden Friedewalder Friedhöfen vorstellen. Foto: Jürgen Krüger

Split und Graswege

Jessica König möchte erreichen, dass die Hautpwege auf beiden Friedhöfen gesplittet werden, während die Nebenwege mit Gras bewachsen sein sollen. Diese Aufteilung ist durchaus gängige Praxis auf Friedhöfen. Ein Pflasterung ist auch möglich, allerdings wird diese Maßnahme wohl zu teuer sein. Auf der anderen Seite wünscht sich die Friedewalder Ortbürgermeisterin Baumgräber für die Urnenbestattung. Tanja Müller kennt diese Ideen und positioniert sich „grundsätzlich nicht dagegen“, wie sie sagt. „Es gibt ja schon Baumgräber auf städtischen Friedhöfen“, sagt sie. Allerdings brauche sie etwas Zeit. „Wir sind noch in der Prüfung, denn die Vorhaben sind keine kurzfristige Geschichte.“

Auch schön: Ein Baumgrab für Urnen auf dem Friedhof in Holzhausen II, allerdings mit Stelen zur Beschriftung. Foto: Jürgen Krüger

„Das müsste ein externes Fachunternehmen machen“

Um Wege zu besplitten müsse der Untergrund entsprechend vorbereitet sein. „Das können nicht die Arbeiter vom Bauhof leisten, sondern das müsste ein externes Fachunternehmen machen“, sagt Tanja Müller. Dort jetzt einfach eine Ladung Split anzuliefern und die Friedewalder Bürgerinnen und Bürgerinnen zu bitten, das Material ehrenamtlich auszubringen, sei keine nachhaltige Lösung. Einen Antrag seitens der Bürgerschaft brauche es übrigens nicht, da die Stadt Petershagen für die Pflege der Friedhöfe zuständig ist. „Wir werden die weitere Vorgehensweise in Zusammenarbeit mit Ortsbürgermeisterin Jessica König besprechen“, verspricht Tanja Müller. Der Ball liegt nun bei der Stadt Petershagen, auch wenn die neu gegründete Fiedhofsgruppe am Samstag, 12. Juni, ab 9 Uhr noch Restarbeiten auf dem neuen Friedhof erledigen möchte. Wer Lust hat mitzuhelfen, ist auch ohne Anmeldung herzlich willkommen. Bitte Hacke und Harke mitbringen.

Die Geschichte einer Urne

Historische Urnenbestattung in Friedewalde: Daniel Bake (von links, Gesellschaft zur Förderung der Bodendenkmalpflege im Kreis Minden-Lübbecke e.V.), Anita Ostermeier, Thomas Ahrens, Ilona Wiese, Claudia Sulzbacher (RAUZWI Lebendige Archäologie Mittelweser e. V.) Foto: Jürgen Krüger

Friedewalde. Daniel Bake kann gut erzählen. Das muss der 34-jährige auch, denn ohne die passende Geschichte hinter archäologischen Funden fehlt die Orientierung. Die Geschichte über eine in Costedt gefundene Urne ist allerdings so abenteuerlich, dass sich sogar zahlreiche Medien (WDR, Mindener Tageblatt, Neue Westfälische) als auch der Landtag von Nordhrein Westfalen dafür interessieren. Jetzt möchte der Grabungstechniker, der die Gesellschaft zur Förderung der Bodendenkmalpflege im Kreis Minden-Lübbecke (GeFBML) im Jahr 2017 mit gegründet hat und dessen Geschäftsführer er ist, die Geschichte dieser Urne verfilmen. Dafür braucht er ein kleines Stück Ackerland, womit Karl-Christian Ebenau dienen kann. Der ehemalige Ortsvorsteher von Friedewalde ist Mitglied bei der GeFBML.

Vorbereitung: Claudia Sulzbacher trägt die Urne, in diesem Fall ein kleineres Duplikat des Originals, zur „Grabstätte“, während hinter ihr Ilona Wiese den Umhang von Thomas Ahrens verschließt. Foto: Jürgen Krüger

Diebe klauen die Urne und geben sie 32 Jahre später zurück

Im Jahr 1989 entdecken Archäologen unter der Leitung von Werner Best in Costedt 43 Gräber aus der jüngeren römischen Kaiserzeit (ca. 150 bis 250 n. Chr.), darunter auch die Urne, die laut Grabungsbuch „einen breiten, nach außen biegenden Rand, gut 1 cm breit, einen steil abfallenden Hals hat – etwa so wie die Uslar-II-Urnen, dann aber ein gewölbtes Unterteil“. Der Fund sorgt seinerzeit durchaus für mediales Aufsehen, was wohl auch Diebe aufhorchen lässt. Und so stehlen Unbekannte noch während der Ausgrabung die rund 1.800 Jahre alte Urne. Das Entsetzen nicht nur unter Fachleuten ist groß. Knapp 32 Jahre später, im Januar 2021, öffnet der Friedewalder Friedhelm Raute morgens seine Haustür an der Förthofstraße und findet ein Paket. Der Diplom-Ingenieur und Vorsitzender der GeFBML traut seinen Augen nicht. Im Paket liegt ein altes und beschädigtes Tongefäß. Es ist die verschollene Urne, was später zweifelsfrei nachgewiesen wird. Im Paket liegt ein Begleitschreiben mit folgendem Inhalt. „Sehr geehrte Damen und Herren, hiermit überlasse ich Ihnen die Urne aus Costedt, die ich den 1980er-Jahren auf dem Gelände des Guts Rothenhoff ausgegraben habe. Dies war nicht richtig und ich entschuldige mich hiermit aufrichtig. Bitte kümmern Sie sich um das gute Stück. Vielen Dank und Grüße, ein Anonymer.“

Mit der Regieklappe in der Hand: Daniel Bake erklärt den Darstellern die folgende Szene. Karl-Christian Ebenau (rechts) beobachtet die Lage. Foto: Jürgen Krüger

Acker in Friedewalde wird Drehort

„Einen solchen Vorgang hat es in der deutschen Archäologie noch nicht gegeben“, sagt Daniel Bake, der nach eigenen Angaben ehrenamtlich für die GeFBML arbeitet. Das wiederum bringt ihn auf die Idee, die Geschichte der Costedter Urne zu verfilmen. Und diese Geschichte beginnt nun einmal vor 1.800 Jahren, als in der Urne in Costedt wahrscheinlich die Asche „einer Person älter als 50 Jahre“ begraben wird. Das Geschlecht lässt sich nicht mehr festlegen, da die Urne während ihrer Zeit in Diebeshänden ausgewaschen worden ist. Auf dem Acker von Karl-Christian Ebenau am neuen Friedhof in Friedewalde stellen Daniel Bake und sein Filmteam die Bestattungszene nach. Da in die römische Kaiserzeit keine modernen Klamotten passen, bitten Daniel Bake und seine Freundin Karin Höhle, zugleich Pressesprecherin der GeFBML, den Verein RAUZWI – Lebendige Archäologie Mittelweser um Hilfe.

Der Abschluss: Thomas Ahrens (vorne), Claudia Sulzbacher (von rechts) und Ilona Wiese schauen zu, wie Anita Ostermeier die Urne mit einem Deckel abschließt. Foto: Jürgen Krüger

Im August soll der Film fertig sein

Der Verein erforscht und rekronstruiert eine archäologische Fundstelle auf einem altsächsischen Gräberfeld in Liebenau-Steyerberg. Auf dem musealen Areal finden gelegentlich Veranstaltungen mit handwerklichen Tätigkeiten und Vorführungen durch Vereinsmitglieder in frühmittelalterlicher Bekleidung, die Einblicke in das damalige Leben geben, statt. Genau das, was Daniel Bake braucht. Thomas Ahrens, Ilona Wiese und Claudia Sulzbacher schlüpfen so in ihre Gewänder und in die Rolle der Schauspieler, die die Bestattungsszene aus der römischen Kaiserzeit auf dem Acker in Friedewalde darstellen. Die Szene gehört zu einem von sieben Drehtagen, an denen Daniel Bake das Filmmaterial zusammenbekommen möchte. Es folgt die sogenannte Postproduktion, in der aus dem Material die Geschichte der Urne geschnitten wird. Aber – Geschichten erzählen, das kann Daniel Bake ja. Im August soll der Film fertig sein.

Teamarbeit: Karin Höhle (rechts), Pressesprecherin der Gesellschaft zur Förderung der Bodenpflege im Kreis Minden-Lübbecke, macht Aufnahmen von Karl-Christian Ebenau (von links), Thomas Ahrens, Daniel Bake, Anita Ostermeier und Claudia Sulzbacher (verdeckt). Foto: Jürgen Krüger

Hausanschlüsse folgen

Er kennt sich aus: Der technische Betriebswirt Markus Gromsztat führt momentan in Friedewalde die Hausbegehungen für den Glasfaseranschluss durch. Foto: Jürgen Krüger

Friedewalde. Während die ersten Sonnenstrahlen auf den nahenden Frühling hinweisen, fährt Markus Gromsztat durch Friedewalde. Der 42-jährige technische Betriebswirt aus Cloppenburg bespricht im Auftrag des Tiefbauunternehmens Jörgensen & Schmidt mit den Hauseigentümern den Glasfaseranschluss. Es geht darum, rechtssicher zu klären, wo genau der sogenannte Hausübergabepunkt (HÜP) installiert werden soll. Markus Gromsztat macht Fotos, fertigt Notizen und eine kleine Skizze an und setzt Häkchen in einem Formular. Anschließend muss der Eigentümer die Vereinbarungen unterschreiben. „Wir können ja nicht einfach so, ohne Einwilligung durch die Eigentümer, Löcher durch Hauswände bohren. Das wäre Sachbeschädigung“, erklärt Markus Gromsztat den Sinn seiner Arbeit.

Jedes Haus bekommt sein eigenes Kabel

In Friedewalde ist noch ein weiterer Kollege im Einsatz. Den vorbereitenden Anruf tätig die sehr freundliche Sarah Schwarz. Nach der Begehung lädt Markus Gromsztat die Daten in eine Cloud hoch. Dort bedienen sich die Tiefbauer, die relativ zeitnah mit den Arbeiten beginnen. „Dazwischen liegen oft nur ein paar Tage“, verrät er. Im nächsten Schritt werden die Glasfaserkabel in die Leerrohre eingeblasen, wobei jeder Haushalt eine eigene, direkte Verbindung zum Verteiler bekommen soll. „Man braucht sich dann seine Leitung nicht mehr mit anderen zu teilen“, erläutert der Fachmann.

Diekweg ist erst der Anfang

Straße ohne Namen: Die Abkürzung zwischen Lavelsloher Straße und Holzhauser Straße wurde gebaut, um den Transport der Särge von der Kapelle auf dem neuen Friedhof zum alten Friedhof zu gewährleisten. Mit dem Auto benötigt man rund eine Minute, um auf die Holzhauser Straße zu gelangen, durch den Ort zu fahren dauert es 45 Sekunden länger. Foto: Jürgen Krüger

Petershagen-Friedewalde. Pläne, Zeichungen und Karten sind nützlich, denn sie reduzieren die Wirklichkeit auf das Wesentliche. Das gilt auch für das Wirtschaftswegekonzept der Stadt Petershagen. Beschlossen und verkündet im Jahr 2017 dümpelten die Modelle eine Weile vor sich hin, bis aus daraus Realität wurde. Mit der Umgestaltung eines Teiles des Diekweges in eine Fahrbahn mit wassergebundener Decke begannen die Probleme, denn plötzlich bekamen insbesondere die Wegholmer zu spüren, welche Konsequenzen die Umgestaltung hat. Das Ergebnis der Bauarbeiten ist jetzt für jeden sichtbar und spürbar. Und das ist erst der Anfang. „Aber“, beruhigt Kay Busche, stellvertretender Bürgermeister und Leiter der Bauverwaltung, „in diesem Jahr 2021 und nächstes Jahr 2022 sind keine weiteren Rückbaumaßnahmen in Friedewalde geplant.“

Der Zustand der Verbindung zwischen Lavelsloher Straße und Holzhauser Straße ist zumindest in Teilen bedenklich. Foto: Jürgen Krüger

Ein Blick auf die Karte offenbart aber noch einige hellblau markierte Straßenabschnitte. Das sind die Wege, für die laut Planungsbüro Ge-Komm aus Melle keine „bituminöse Befestigung notwendig“ sei. Die Bewertung hat die Gesellschaft für Infrastruktur, wie sich Ge-Komm selbst bezeichnet, nach Bereisung durch die Dörfer vorgenommen und in einer Kartenübersicht zusammengefasst. Die Karten für jede Ortschaft hat die Stadt Petershagen auf ihrer Internetseite veröffentlicht. Allerdings seien die Karten lediglich als „Handlungsgrundlage“ zu verstehen, wie Kay Busche sagt. „Da ist nichts ist in Stein gemeißelt“. Entschieden werde anlassbezogen, aktuell und vor Ort.

Betroffen: Die Straße „Zur Kloppenburg“, von der Südfelder Straße bis zum ersten Haus (hinten links).
Der Brandheider Weg soll ab dem Haus von Nicole und Dirk Ruhe eine wassergebundene Decke bekommen. Foto: Jürgen Krüger

Von Friedewalde bis nach Mailand sind es rund 1.000 Kilometer. Genauso lang ist das Straßennetz der Stadt Petershagen. Da war seinerzeit die Überlegung, ob es nicht Sinn mache, einige Straßen mit wassergebundener Decke auszustatten, um Straßenunterhaltungskosten zu sparen. Das Verfahren lief mit öffentlicher Beteiligung und wurde im Februar 2017 verabschiedet. Seitdem habe die Stadt Petershagen nach Aussage von Kay Busche aber erst 6,5 Kilometer Weg umgestaltet. Und funktionsfähige Straßen würden auch nicht „geschreddert“, wie viele befürchten. „Wir müssen die Verkehrssicherheit beachten“, sagt der Diplom-Bauingenieur. Sollte die Verkehrsicherheit in Gefahr geraten, so würde die Stadt Petershagen die Verkehrsteilnehmer zunächst mit Schildern „Vorsicht Straßenschäden“ warnen. Im weiteren Verlauf würde vor Ort entschieden, wie weiter zu verfahren sei. Dabei spielten auch aktuelle Entwicklungen, wie zum Beispiel die Fahrstrecken der Schulbusse, eine Rolle.

Der Kämpenweg, Verbindung zwischen Lavelsloher Straße und dem Feuerwehrgerätehaus (vorne), steht in der Liste der Straßen, für die keine bituminöse Befestigung vorgesehen ist. Foto: Jürgen Krüger
Betroffen: Das Teilstück „In den Dannen“ von der Lindheide bis zum Hof des landwirtschaftlichen Lohnbetriebes Heinrich Kruse.
Betroffen: Das Teilstück vom „Bahndamm“ zwischen der Straße „Auf dem Winkel“ (hinten) bis zum Haus links. Die Zufahrt von der Friedewalder Straße zum IVL Baumaschinenverleih (Mitte) bleibt von den Überlegungen verschont. Foto: Jürgen Krüger
Betroffen: Der Rieheweg zwischen Lavelsloher Straße und dem ersten Haus (hinten rechts) auf dem Weg zur Kleiriehe. Foto: Jürgen Krüger
Protest: Anwohner des Rieheweges zwischen Lavelsloher Straße und Galgenheide Straße fordern auf einem selbst gestalteten Schild eine geteerte Straße, aber beschränkt auf 3,5 Tonnen zulässiges Gesamtgewicht. Foto: Jürgen Krüger
Betroffen: Die Kleiriehe ab der Südfelder Straße in Richtung L770. In der Mitte quert der Diekweg, der als erste Straße überhaupt in Friedewalde eine wassergebundene Decke erhalten hat. Foto: Jürgen Krüger

Himmelfahrt: Mühlenlauf virtuell

Einzigartig: Marie Hermeier trägt hier die Nummer 1.000, die exklusiv an Sponsor JENZ vergeben wurde. So ganz aus der Luft gegriffen ist die Startnummer aber nicht, denn in den Jahren 2018 und 2019 zählte der Friedewalder Mühlenlauf jeweils knapp eintausend Teilnehmer. Foto: Maximilian Harre

Friedewalde. Wie im vergangenen Jahr 2020 sagt der TuS Freya Friedewalde auch dieses Jahr 2021 die Austragung des Mühlenlaufes ab, hat aber als Alternative die virtuelle Variante im Angebot. So freut sich Organisatorin Claudia Heiden auf möglichst viele Teilnehmer am Donnerstag, 13. Mai 2021 (Christi Himmelfahrt). „Ihr könnt bei euch vor der Haustür, auf der Lieblingsstrecke oder auch auf der Mühlenlaufstrecke, jedoch unter Einhaltung der aktuellen Coronaschutzverordnung, laufen“, sagt die Leiterin des Lauftreffs. In Friedewalde sind die Laufstrecken 5 Kilometer, 10 Kilometer und der Halbmarathon offiziell vermessen. Wer die originalen Strecken laufen möchte, muss das allerdings in eigener Verantwortung machen, da der TuS Freya Friedewalde nicht als Veranstalter auftritt.

Mitten drin: Claudia Heiden (blau-gelbes Shirt), Leiterin des Lauftreffs und Organisatorin des Friedewalder Mühlenlaufes, hier beim Kindertraining. Foto: Jürgen Krüger

Keine Startgebühr

Die technische Organisation der 11. Auflage übernimmt Time-Team-Jung aus Wadersloh, seit Beginn im Jahr 2010 ein verlässlicher Partner des Friedewalder Mühlenlaufes. Die Online-Plattform wird „raceresult“ sein. Die virtuelle Variante beruht auf Technik und Vertrauen. Die Sportlerinnen und Sportler zeichnen ihren Lauf entweder mit dem Smartphone und einer Lauf-App auf oder mit einer GPS-fähigen Laufuhr und senden die Daten dann an „raceresult“, inklusive Foto von der App oder der Laufuhr. Wichtig sei, dass die Läufe am Himmelfahrtstag (Donnerstag, 13. Mai 2021) in der Zeit von 8 Uhr bis um 18 Uhr durchgeführt werden. Die Anmeldung für den Mühlenlauf ist sogar noch am Veranstaltungstag bis um 15 Uhr möglich. Die Ergebnisse sind dann über raceresult einsehbar. „Wir verzichten auf eine Alterklassenplatzierung, sondern es wird nur die Gesamteinläufe männlich/weiblich geben“, sagt Claudia Heiden. Hier die Wettbewerbe: 660m Bambinilauf (bis 7 Jahre), 1 km Meter Kinderlauf (6 bis 10 Jahre), 2 km Mühlenlauf, 5 km Mühlenlauf, 10 km Mühlenlauf, Halbmarathon.

Der TuS Freya Friedewalde erhebt nach eigenen Angaben keine Startgebühr. „Allerdings würden wir uns sehr über eine kleine Spende für die Kinder- und Jugendabteilung sowie für den Lauftreff freuen“, sagt Vorsitzender Arne Wohl. Da es für die jeweils drei Erstplatzierten Sachpreise gebe, bitten Claudia Heiden und Arne Wohl darum, bei der Anmeldung die Adresse mit anzugeben. Alles weitere veröffentlicht der Sportverein demnächst auf der Website des Mühlenlaufes http://muehlenlauf.friedewalde.de.

Bankverbindungen für die Spende

TuS Freya Friedewalde 1920 e.V.
Volksbank Herford-Mindener Land: IBAN DE 95 4905 0101 0060 0017 73
Sparkasse Minden-Lübbecke: IBAN DE10 4949 0070 0200 3547 00
Verwendungszweck: Spende Mühlenlauf

Auf geht’s: Der Start beim Halbmarathon des 9. Friedewalder Mühlenlaufes auf der Kleiriehe. Die Nummer 2039 trägt Stephan Bretthauer, Sieger der Mühlenkreisserie über die lange Distanz. Foto: Maximilian Harre

Start der Mühlenkreisserie verschiebt sich

Der Mühlenlauf des TuS Freya Friedewalde ist einer von neun Läufen der Mühlenkreisserie, die im vergangenen Jahr ebenfalls abgesagt worden war. Und auch für dieses Jahr ist die Durchführung der beliebten Laufserie im Kreis Minden-Lübbecke nicht gesichert. Die TG Werste hatte den 1. Lauf der Serie, den Weser-Werre-Lauf, der für den 22. März 2021 vorgesehen war, abgesagt. Der Mühlenlauf in Friedewalde am Donnerstag, 13. Mai 2021, wäre der 2. Lauf der Mühlenkreisserie gewesen, und auch der 3. Lauf beim OTSV Pr. Oldendorf drei Tage später (Sonntag, 16. Mai 2021) ist bereits abgesagt. Das bestätigte Inge Kolbe, Leiterin der Leichtathletikabetilung des OTSV, auf Anfrage. Es bleiben also nur noch sechs Läufe übrig, wobei die nächste Möglichkeit einzusteigen am Sonntag, 6. Juni 2021, bei den Lübbecker Berglöwen ist.

Festgefahren

Streitpunkt: Der durch zwei Metallpfosten gesperrte Diekweg, der mit einer wassergebundenen Decke versehen ist, hier beginnend an der Südfelder Straße in Richtung Bohnhorster Weg. Foto: Jürgen Krüger

Petershagen-Friedewade. Die Begrifflichkeit, eine „Straße zu schreddern“ findet Kay Busche befremdlich. „Wir schreddern keine Straßen“, sagt der stellvertretende Bürgermeister der Stadt Petershagen und Leiter der Bauverwaltung. Viel lieber benutzt der Diplom-Ingenieur den Fachbegriff „wassergebundene Decke“ für die besondere Form des Fahrbahnbelages, der erstmalig in Friedewalde am Himmelfahrtstag 2019 freigegeben wurde. Die Teilnehmer des 9. Friedewalder Mühlenlaufes durften die wassergebundene Decke auf einem Teilstück des Diekweges sozusagen einweihen.

Autofahrer kacheln wie auf einer Rennstrecke

Das war dann auch schon die letzte erfreuliche Meldung von diesem Straßenabschnitt. Autofahrer hielten sich offenbar nicht an die Geschwindigkeitsbeschränkungen, so dass Anwohner Jürgen Müller durchsetzte, dass die Stadt Petershagen die Strecke im Herbst 2020 mit Pfosten für den Durchgangsverkehr sperrt. Seitdem können nur noch Radfahrer und Fußgänger den Diekweg zwischen Südfelder Straße und Bohnhorster Weg durchgängig nutzen. Autos und Traktoren müssen einen Umweg nehmen. Das wiederum brachte einige Landwirte auf, darunter Holger Kruse. Die Wegholmer organisierten einen stillen Protest am Rande einer Fachaussschusssitzung des Petershäger Stadtrates in Windheim und haben inzwischen eine Bürgerinitiative gegründet.

Wunde verarztet: Ein Fachunternehmen hat die angesägten Pfosten wieder zusammengeschweißt. Foto: Jürgen Krüger

Angesägte Pfosten wieder zusammengeschweißt

Unrühmlicher Höhepunkt des Streites war bislang, dass Unbekannte in einer Nacht- und Nebelaktion die Pfosten ansägten. Die sind mittlerweile aber wieder zusammengeschweißt. Doch wie geht es nun weiter? Die Sperrung des Diekweges mit Pfosten sei ohnehin nur von vorübergehender Natur gewesen, hatte Kay Busche seinerzeit versichert, sondern „um Zeit zu gewinnen“. Angesichts der momentan zerfahrenen Situation, dass die einen für die Aufhebung der Sperrung sind, andere wiederum dafür, dass sie bleibt, mag der 49-Jährige nicht mehr so recht an eine einvernehmliche Lösung glauben, gibt die Hoffnung aber nicht auf.

Treckerschleuse: Hier auf dem „Promilleweg“ zwischen Nordhemmern und Hille. Foto: Jürgen Krüger

Treckerschleuse könnte die Lösung sein

Eine Treckerschleuse könnte durchaus ein brauchbarer Lösungsansatz sein. Die gibt es seit Jahren auf dem sogenannten „Promilleweg“ zwischen Nordhemmern und Hille. Dort ragen zwei dicke, abgerundete und von Eisen ummantelte Betonpfosten rund 22 Zentimeter aus dem Asphalt heraus. Radfahrer und Trecker können die Stelle an der Kreuzung „Grefte“ / „Zum alten Markt“ problemlos passieren, Autofahrer nicht. Schilder kündigen schon weit im Voraus an, was gleich auf die Fahrzeugführer zukommt. Dennoch muss der ein andere Autofahrer versucht haben, die Treckerschleuse zu überqueren – zum Preis einer neuen Ölwanne. Darauf deuten die Abschürfungen hin. Auf der anderen Seite birgt eine Treckerschleuse durchaus auch Gefahren für Radfahrer, die sich nicht zu einhundert Prozent auf die Straße konzentrieren. „Und wir müssten nachts über eine Beleuchtung nachdenken“, sagt Kay Busche.

Erste Ankündigung: Ab hier ist die Durchfahrt für Fahrzeuge, deren Bodenfreiheit nicht größer als 22 Zentimeter ist, verboten. Foto: Jürgen Krüger
Letzte Warnung: Das Schild kurz vor der Treckerschleuse an der Straße „Am alten Markt“. Foto: Jürgen Krüger

Ganz dünnes Eis

Digitale Dörfer: Die Startseite für den „Mühlenkreis 2.0“ beim Bündnis ländlicher Raum. Screenshot: Jürgen Krüger

Kreis Minden-Lübbecke/Friedewalde. An dieser Stelle sollte eigentlich der Abschlussbericht des Projektes „Mühlenkreis 2.0 – Smart versorgte Dörfer“ stehen. Daraus wird allerdings nichts, weil sich Projektleiterin Pia Steffenhagen-Koch weigert, die Finanzierung offen zu legen. Das Projekt endete offiziell mit einer Schlussveranstaltung im Oktober 2020, doch die Regionalmanagerin sieht sich bis heute nicht in der Lage, einen Verwendungsnachweis vorzulegen. Selbst einzelne Positionen hält sie unter Verschluss. Das wirft Fragen auf und öffnet der Spekulation Tür und Tor. Wo also sind die 111.532,97 Euro Fördergeld (Vital.NRW) geblieben? Und was hat Pia Steffenhagen-Koch zu verbergen? Ein Erklärungsversuch.

Überflüssige Umfrage, fragwürdige Leistungen

Friedewalde war frühzeitig aus dem Projekt ausgestiegen, weil die beiden Kümmerer Karl-Christian Ebenau und Jürgen Krüger schnell merkten, wohin die Reise geht. In den Dörfern kommt vom Fördergeld nämlich nichts an. Die Idee aus Friedewalde, die elf Modelldörfer mit WordPress-Seiten auszustatten und dabei Mittwald-Medien aus Espelkamp als kompetenten Partner ins Boot zu holen und die Kümmerer zu honorieren, hatten Pia Steffenhagen-Koch und die Bezirksregierung in Detmold schnell verworfen. Im Gegenteil – die Kümmerer sollten sogar für ehrenamtlich erbrachte Arbeitsstunden bürgen. Außerdem vergaben Steffenhagen-Koch und Rainer Riemenschneider, Geschäftsführer vom Projektträger Bündnis ländlicher Raum, freihändig den Auftrag für eine komplett überflüssige Umfrage an „planinvent – einem nach eigenen Angaben „Büro für räumliche Planung“. Geschäftsführer Frank Bröckling hat sich sicherlich sehr über die rund 16.500 Euro gefreut. Mehr als 50.000 Euro wies Pia Steffenhagen-Koch für das Fraunhofer IESE Institut mit Sitz in Kaiserslautern an. Und wieder stellen sich Fragen: Was haben die elf Modelldörfer dafür bekommen? Welche Leistungen hat das Fraunhofer Institut in Rechnung gestellt? Wieviel Geld ist für genau welche Leistung an das Fraunhofer Institut geflossen? Befriedigende Antworten darauf verweigert Pia Steffenhagen-Koch.

Geld geht an Beratungsunternehmen

Die Dorffunk-App kann diese Kosten nicht verursacht haben, denn die App ist nicht allein für den Mühlenkreis programmiert worden, sondern es gibt sie schon länger. Unter anderem wird sie in den Kreisen Lippe und Höxter genutzt. Es ist gut möglich, dass das Fraunhofer Institut von Anfang an den Auftrag bekommen sollte. Vertreter des Fraunhofer Instituts waren schon zur Auftaktveranstaltung eingeladen, genauso wie Vertreter der Kreise Lippe und Höxter. Eine Adaption der Umfrageergebnisse aus den beiden OWL-Kreisen hätte es auch getan, doch Pia Steffenhagen-Koch setzte sich mit ihrer Idee der eigenen Umfrage durch und half anschließend dem Fraunhofer Institut aufs Pferd. Durch diese Entscheidungen gingen den elf Modelldörfern insgesamt rund 65.000 Euro verloren. Das sind für jedes Dorf etwa 6.000 Euro, die diese in Technik und redaktionelle Schulungen hätten investieren können. Dieses Geld haben jetzt Beratungsunternehmen.

Mittwald Medien übernimmt Hosting

Auf der Internetseite des Projektes schreibt die Regionalmanagerin dazu folgendes. „In einer breit angelegten Bedarfsanalyse im Jahr 2018 konnten die Bürgerinnen und Bürger in den Modelldörfern im Rahmen von Haushaltsbefragungen, Infoveranstaltungen etc. ihre Wünsche und Bedarfe äußern. Aus den Ergebnissen wurden bedarfsgerechte Lösungen entwickelt, die den individuellen Anforderungen eines jeden Dorfes entsprechen.“ Was für ein Bullshit! Bekommen haben die elf Modelldörfer neben der fertigen Dorfunk-App je eine WordPress-Seite, die zudem alle sehr ähnlich sind. Damit wurden sie alleine gelassen und mussten zur Kenntnis nehmen, dass das Fraunhofer Institut von jedem Dorf 400 Euro jährlich für das Hosting verlangt. Dazu waren die Dörfer offenbar nicht bereit, und so drohte das Projekt zu scheitern. Mittlerweile ist das Fraunhofer Institut aus dem Projekt ausgeschieden, gerettet hat das Projekt Florian Jürgens – Geschäftsführer von Mittwald Medien in Espelkamp. Er hat die elf Dorf-Websiten übernommen und hostet sie kostenfrei. Hier schließt sich der Kreis, denn genau das war die anfängliche Idee aus Friedewalde. Nur dass auf dem Umweg dorthin 65.000 Euro versenkt worden sind.

Es gibt viele Verantwortliche

Auch nach Abzug der 65.000 Euro für planinvent und das Fraunhofer Institut fehlt außerdem der Nachweis der restlichen 45.000 Euro. Wo ist das Geld geblieben? Pia Steffenhagen-Koch verweigert dazu die Auskunft, wodurch sie sich rechtlich auf sehr dünnes Eis begibt, denn sie ist nach §4 des Pressegesetzes NRW zur Auskunft verpflichtet. Verantwortlich für diesen Vorgang, der durchaus als Steuerverschwendung anzusehen ist, sind nicht nur die Regionalmanagerin Pia Steffenhagen-Koch und BLR-Geschäftsführer Rainer Riemenschneider, sondern auch die Bezirksregierung in Detmold als genehmigungspflichtige Behörde sowie der Vorstand des gemeinnützigen Vereins Bündnis ländlicher Raum, der im Februar 2021 neu gewählt wurde. Vorsitzende ist Landrätin Anna Katharina Bölling. Auch Petershagens Bürgermeister Dirk Breves gehört dem 15-köpfigen Gremium an. Vielleicht bringt ja der neue Vorstand etwas mehr Licht ins Dunkel eines gehörig aus dem Ruder gelaufenen Projektes und unterzieht dem gesamten Bündnis ländlicher Raum grundsätzlich einer Prüfung. Denn die Geschichte ist hier noch nicht zu Ende.

Plötzlich wird das Projekt verlängert

Am 15. Februar 2021 schreibt Pia Steffenhagen-Koch in einer Antwort auf die Fristsetzung zur Herausgabe es Verwendungsnachweises folgendes: „Erfreulicherweise wurde Ende letzten Jahres die Verlängerung des Durchführungszeitraums für das Vorhaben seitens der Bezirksregierung Detmold bis 31.12.2022 genehmigt. Von daher wird der Verwendungsnachweis folglich erst nach Ende des neuen Durchführungszeitraumes fällig.“ Warum ist das Projekt verlängert worden? Die Antwort auf diese Frage bleibt die Regionalmanagerin genauso schuldig wie die Aufklärung, wo die 111.532,97 Euro Fördergeld (Vital.NRW) geblieben sind. Bemerkenswert ist, dass der Arbeitsvertrag zwischen dem Bündnis ländlicher Raum und Pia Steffenhagen-Koch auf die Dauer des Projektes Vital.NRW, also fünf Jahre, befristet ist und demnach zum 1. März 2022 ausläuft. Es scheint so, als könne sie das Planungs- und Kommunikationsdesaster rund um das Projekt „Mühlenkreis 2.0“ aussitzen. Auf der anderen Seite scheint dem Bündnis ländlicher Raum möglicherweise so langsam die Tragweite des verkorksten Projektes bewusst zu werden. Im 13. Infobrief bietet der Verein zahlreiche Online-Schulungen an. Darunter ist auch eine mit dem Titel „Erfolgreich Schreiben im Web“. Termin folgt.

„Das ist eine Sauerei“

Entsetzt: Naturschutzwächter Willi Traue hat den illegal entsorgten Müll entdeckt und umgehend die Stadt Petershagen informiert. Foto: Jürgen Krüger

Friedewalde. Als Naturschutzwächter Willi Traue bei einer Autofahrt zufällig die blauen Müllsäcke sieht, fährt es aus ihm heraus. „Das ist eine Sauerei“, schimpft der 77-jährige Friedewalder angesichts des illegal entsorgten Mülls im Wald. Sogleich beginnt er mit der Suche nach Hinweisen und erinnert sich an einen Vorfall vor drei Jahren. „Da habe ich im Müll Bewerbungsunterlagen gefunden. Der Täter ist tatsächlich ermittelt worden“, sagt der Jäger und Naturschützer. Bei diesem Müllhaufen am Rand des Meßlinger Weges, der links und rechts von der Lavelsloher Straße abgeht und parallel zur L770 verläuft, wird er nicht fündig.

Widerlich: Die deutschen Steuerzahler werden für die Entsorgung des Abfalls aufkommen müssen. Foto: Jürgen Krüger

Bußgeld zwischen 410 und 1.500 Euro

Einige hundert Meter weiter liegen die nächsten beiden Müllsäcke. Auch hier sucht Willi Traue nach Hinweisen, geht aber erneut leer aus. Mittlerweile hat er die Stadt Petershagen informiert, die den Müll abholt und fachgerecht entsorgt. Zwischen 500 Euro und 700 Euro, so die Schätzung, wird diese offensichtliche Ordnungswidrigkeit dem Steuerzahler kosten. Sollte der Täter ermittelt werden, droht ihm ein Bußgeld zwischen 410 Euro und 1.500 Euro. Das geht aus dem Bußgeldkatalog des VFR-Verlages hervor. Illegale Müllentsorgung wird nach den Angaben des Berliner Strafrechtsanwaltes Ulrich Lehmann in der Regel dann als Straftat behandelt, wenn dadurch Gewässer, Boden oder Luft nachhaltig verunreinigt werden oder wenn eine solche Verunreinigung droht. Das dürfte in diesem Fall nicht so sein, dennoch ist Willi Traue entrüstet. „Ich verstehe nicht, wie man so etwas tun kann. Mir ist das unbegreiflich.“

Nächster Fund: Willi Traue untersucht die beiden Müllsäcke, die er einige hundert Meter weiter entdeckt hat, nach Hinweisen. Foto: Jürgen Krüger

Nicht ganz dicht

Fast fertig: Ein Blick auf das Flachdach der Grundschule Friedewalde verrät, die Arbeiten liegen in den letzten Zügen. Foto: Jürgen Krüger

Friedewalde. Die Stadt Petershagen bringt die Grundschule Friedewalde weiter auf Vordermann. Genauer gesagt saniert ein Handwerksunternehmen das Dach der Pausenhalle. Dort sei es immer wieder zu Wassereintritt gekommen, wie Detlev Scheumann von der Sozial- und Schulverwaltung sagt. „Es handelt sich um eine normale Unterhaltungsmaßnahme.“ Vor zweieinhalb Jahren hatte die Stadt bereits die Turnhalle saniert.

Gebäude aus den 1960er Jahren

Das Gebäude stammt aus dem Jahr 1960. Damals ersetzte die „Zentralschule“ an der Kleiriehe die kleinen Volksschulen in Wegholm, im Ortskern und in der Galgenheide sowie ein paar Jahre später auch die Schulen in Südfelde und Meßlingen. Im Jahr 1969 hatte die Grund- und Hauptschule Friedewalde 176 Grundschüler in sechs Klassen und 135 Hauptschüler in fünf Klassen. Die Klassen 5 und 6 wurden in Meßlingen unterrichtet, die Klassen 3 und 4 in Südfelde und die Klassen 1, 2 und 7 bis 9 in Friedewalde. 1971 zogen die Hauptschüler nach Petershagen. Heute ist die Grundschule Friedewalde Teilstandort des Grundschulverbundes Eldagsen-Friedewalde.

Unbekannte sägen Pfosten an

Unbrauchbar: Ein angesägter Absperrpfosten auf dem Diekweg, von der Südfelder Straße in Richtung Bohnhorster Weg betrachtet. Fotos: Jürgen Krüger

Friedewalde. Unbekannte Täter haben auf dem Diekweg die vier Absperrpfosten angesägt und zunächst umgeworfen. Etwas später standen sie dann zwar wieder aufrecht, was aber nichts an der Tatsache ändert, dass sie unbrauchbar sind. Die Stadt Petershagen hat den Vorfall dokumentiert und wird Strafanzeige stellen. Das bestätigt Kay Busche, stellvertretender Bürgermeister und Leiter der Bauverwaltung.

Kay Busche: „Das ist das falsche Signal“

„Ich muss jetzt erst einmal tief Luft holen“, kommentiert Busche die Aktion, die den momentanen traurigen Höhepunkt im Streit um die wassergebundene Decke auf dem gesperrten Straßenabschnitt Diekweg zwischen Bohnhorster Weg und Südfelder Straße darstellt. „Diese Aktion ist in meinen Augen das falsche Signal, um eine konstruktive Lösung des Problems herbeizuführen“, so der 54-Jährige. Er müsse nun überlegen, wie mit der Lage zu verfahren sei. Eines sei allerdings klar: Kriminellen werde sich die Stadt Petershagen nicht beugen und die Pfosten auch nicht entfernen, nur weil sie mutwillig zerstört worden seien. In jedem Fall seien mit dieser Tat Kosten entstanden, die der Steuerzahler zu tragen habe. Alle Artikel zum Wegekonzept.

Auch angesägt: Die beiden Absperrpfosten auf dem Diekweg vom Bohnhorster Weg in Richtung Südfelder Straße betrachtet. Foto: Jürgen Krüger