Neu im Dorf: Solidarische Landwirtschaft

Auf dem Weg: Priska Ziegler (von links), Burkhard Kayser und Tina Bueth vom Verein Solawi, hier auf dem Acker von Hermann Traue. Foto: Jürgen Krüger

Friedewalde. Solawi – das ist eine Abkürzung für Solidarische Landwirtschaft. Das Konzept entstand in der 1960er Jahren in Japan. „Solidarische Landwirtschaft bedeutet: Der Hof oder eine Gärtnerei ernährt eine Gemeinschaft von Menschen, und alle teilen sich die damit verbundene Verantwortung, das Risiko, die Kosten und die Ernte“, sagt Burkhard Kayser von der Solawi Mindener Land. Im vergangenen Jahr 2021 mussten sie einen von ihnen bestellten Acker in Holzhausen II aufgeben, jetzt haben sie in Friedewalde einen neuen gefunden.

Hermann Traue gibt seinen Betrieb nach 50 Jahren auf

Zwei Hektar hat Hermann Traue den Solawis verpachtet, direkt an seinem Hof „Hinterm Felde“. Er hatte davon gelesen, dass der Pachtvertrag zwischen Solawi Minden und dem Landwirt in Holzhausen nicht verlängert wird. Er rief Burkhard Kayser an, und die beiden kamen ins Geschäft. „Warum sollte ich nicht zwei Hektar an Menschen verpachten, die sich alternativ ernähren möchten?“, hatte sich Hermann Traue seinerzeit gefragt. „Außerdem zieht dann auf meinem Hof neues Leben ein“, so der 64-Jährige, der im kommenden Jahr seinen landwirtschaftlichen Betrieb aufgibt und die dann noch 56 Hektar Acker und Grünland verpachtet. Dann hat er ein halbes Jahrhundert lang als Landwirt gearbeitet. „Irgendwann ist auch mal gut“, sagt Hermann Traue. Eine Nachfolge gibt es nicht. Tochter Maike arbeitet in Wuppertal als Lehrein, Sohn Moritz studiert in Dortmund. Seine Tiere, Kühe und Rinder, habe er vor drei Jahren bereits vekauft, danach nur noch Ackerland und Grünland bewirtschaftet. Im Herbst dieses Jahr 2022 stehen auch die Maschinen zum Verkauf. Dann ist Schluss, und es beginnt etwas Neues.

Mit Wasser- und Energieanschluss: Die zwei Hektar große Fläche grenzt direkt an den Hof von Hermann Traue. Im Hintergrund ist der Friedhof an der Lavelsloher Straße zu sehen. Foto: Jürgen Krüger

Ernteanteile erwerben durch Mitgliedschaft

Auch Hermann Traue ist dem Verein Solawi beigetreten. „Mal sehen, was draus wird“, sagt er. Für 80 Euro pro Monat bekommt ein Mitglied einen sogenannten „Ernteanteil“ pro Woche, der in etwa einer Gemüsekiste für zwei bis bis vier Personen entspräche, wie Burkhard Kayser sagt. Momentan seien 55 Ernteanteile vergeben, und der Verein habe mit der neuen Ackerfläche noch viel größeres Potenzial. Eine Verpflichtung zur Mitarbeit gebe es dabei nicht. „Wer aber Lust hat, der darf gerne mithelfen“, so der freiberufliche Berater für nachhaltige Landnutzung. Vor viereinhalb Jahren hat der 54-Jährige die Solawi Minden gemeinsam mit Emma und Ulf Jetter vom Café Nordholz gegründet. Kaufen kann man das Gemüse der Solawi übrigens nicht. „Die Marktpreise spiegeln nicht die wahren Produktionskosten wider. Durch unsere Art der Bewirtschaftung bekommt das Gemüse einen besondereren Wert, weil wir wissen, woher es kommt und wie es angebaut wurde“, sagt Burkhard Kayser.

Salat, Paprika, Mangold, Himbeeren und Co.

Angebaute Gemüsesorten sind zum Beispiel verschiedene Salate, Paprika, Frühlingszwiebeln, Spitzkohl, Blumenkohl, bunter Mangold, aber auch Himbeeren und Johannisbeeren. Es gibt einen Folientunnel (Gewächshaus) und einen Zaun, der Rehe und Hasen davon abhalten sollen, die Gemüsepflanzen zu fressen. Martina Bueth, die aller nur „Tina“ nennen, ist gelernte Gärtnerin und für zwei Tage pro Woche beim Verein Solawi angestellt. In ihrer Hand liegt die gärtnerische Bewirtschaftung. Jeden Dienstag und jeden Donnerstag ist die 34-Jährige in Friedewalde und erledigt alle notwendigen Arbeiten. Manchmal ist auch Hilfe da, wie an diesem Tag Priska Ziegler. Tina Hueth stammt aus dem westlichen Sauerland und hat im September 2021 an der Freien Landbauschule Bodensee ihre Ausbildung zur Gärtnerin Fachrichtung Gemüsebau abgeschlossen.

Andere Perspektive: Ein Zaun schützt vor Rehe und Hasen, links ist Kleegras zum Mulchen eingesät. Foto: Jürgen Krüger

Tina Bueth stellt sich und ihre Arbeit am Samstag, 23. April 2022, vor

Wer sich für die Solawi interessiert, darf Tina Bueth gerne dienstags oder donnerstags auf dem Feld besuchen (ab 11 Uhr). Jeden ersten Samstag im Monat veranstaltet Solawi zudem in der Zeit von 11 Uhr bis um 16 Uhr einen sogenannten „Feldtag“ mit Informationen und Vorträgen. Am Samstag, 23. April 2022, möchte sich Tina Bueth den Vereinsmitgliedern vorstellen. „Das wäre eine schöne Gelegenheit, auch mit den Friedewaldern ins Gespräch zu kommen“, sagt Tina Bueth und lädt die Bürgerinnen und Bürger ab 15 Uhr ein. Sie selber hat ein paar alkolfreie Getränke eingekauft und bittet die Gäste, selbst Getränke und Grillsachen mitzubringen.

Informationen

Solawi Mindener Land
Burkhard Kayser
Mobil: (01 71) 381 30 70
E-Mail: kayser@agroforst.de

One thought on “Neu im Dorf: Solidarische Landwirtschaft

  1. Eine sehr gute Idee! Wir haben uns heute vor Ort informiert und danken für die Führung und ausführliche Informationen zu Solawi.
    Wir sehen uns bestimmt bald wieder.
    Eine gute Ernte
    wünscht Uschi Borgmann

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