Friedewalder Schulen

Quellen: Friedewalder Heimatblätter Nr. 6 und 7
Buch 675 Jahre in Geschichte und Geschichten

Bis 1911 gingen alle Kinder gemeinsam in eine Schule im Dorf. 1910 waren es 286 Kinder. Sie wurden von 4 Lehrern unterrichtet. Aufgrund der langen Schulwege beschloss der Gemeinderat, je eine Abbauschule in Wegholm und in der Galgenheide zu errichten.

Die Dorfschule in Friedewalde

Die um die Jahrhundertwende errichtete Friedewalder Dorfschule war vom Süden von einem mit Linden bepflanzten Schulhof umgeben. Im Norden schloss sich ein Garten an, der dem jeweils in der Schule wohnenden Lehrer zur Verfügung stand. Dieser ging zur Ösper hin in den Schulgarten über, der in einzelne Parzellen aufgeteilt war, welche von den Schülern der verschiedenen Klassen bestellt wurde. Auf diese Weise versuchte man die Erziehung der Kinder an den Bedürfnissen der Landbevölkerung auszurichten. Möglicherweise hat aber auch eine pädagogische Richtung ihren Niederschlag gefunden, die einen direkten Umgang mit der Natur anstrebte und der praktischen Arbeit mit eigenen Händen einen hohen Wert zumaß. Auf dem Grundstück befand sich weiter ein Toilettenhäuschen und in späterer Zeit das „Spritzenhaus“, das den Zwecken der Feuerwehr diente, aber auch einfache Sportgeräte beherbergte. Offenbar wurden auch Übeltäter hier kurzfristig inhaftiert, ein Umstand, der Eltern die Drohung ermöglichte: “ Passiert das noch einmal, kommst du ins Spritzenhaus!“ Schon auf ältesten Fotos ist an der Nordwand ein spitzgiebiger Anbau zu sehen, der offensichtlich zur Schweinehaltung bestimmt war und an die Zeit erinnert, in der ein Volksschullehrer neben seinem kärglichen Gehalt, auf weitere Einnahmen angewiesen war. Zudem stellte die Gemeinde ihren Schulmeistern sogenanntes „Lehrerland“ zur Verfügung.

Das Schulgebäude selbst wurde mit sehr geräumigen Klassenzimmern ausgestattet, deren nach Osten und Süden gerichtete Fenster reichlich Licht und Luft in die Schulstuben hineinließen. Letzteres war für die Zeit von enormer Bedeutung, führte man doch im 19. Jahrhundert vor allem Kinderkrankheiten auf verbrauchte Luft in engen Räumen zurück. Insofern lag eine solchen Bauweise durchaus im Sinne der staatlichen Gesundheitspolitik. Im oberen Teil der Schule befand sich neben reichlich Bodenraum auch Platz für eine weitere Lehrerwohnung, aber auch an ein „Lehrmittelzimmer“ – heute würde man sagen Medienraum – war gedacht. Der Schlussstein über dem Eingang der Lehrerwohnung, die sich nach Norden hin an den Klassentrakt anschießt, weist als Gründungszeit das Jahr 1897 aus. Der beigefügte Bibelspruch “ Weihe meine Lämmer“ gab den Lehrern, die im Wandel der Zeiten dort aus- und eingingen, das Gefühl von einer höheren Weihe ihres Berufes, der ansonsten nicht sehr geachtet war, mancher mag sich auch damit getröstet haben, dass man es als Lehrer auch gelegentlich mit Schafen zu tun hat.

Während zu Beginn 241 Kinder von drei Lehrern unterrichtet werden mussten, nahm die Schülerzahl in der Folgezeit ab. Ab 1911 gab es zwei weitere Schulen in Wegholm und in der Galgenheide. 1939 wurde die Zahl von 100 erreicht, die in der Kriegszeit noch unterschritten wurde. Sogenannte „Evakuierte“ und „Flüchtlinge“ ließen die Schülerzahl in der Nachkriegszeit auf etwa 160 ansteigen. Natürlich diente die Schule zuerst einmal Zwecken des Unterrichts. Gelegentlich wurde das reichliche Raumangebot auch anderweitig genutzt. So wohnten 1939 15 Mädchen im Rahmen der Landverschickung im Obergeschoss und halfen tagsüber bei der Einbringung der Ernte.

Viele Jahre später nach dem Verkauf der Schule an Hans Jenz wurden hier Menschen untergebracht, denen es gelungen war, eine Lücke im „eisernen“ Vorhang zu finden, bis sie eine andere Bleibe gefunden hatten.

Ihrem eigentlichen Zweck, die Kinder zu unterrichten, ist die Dorfschule in Friedewalde zu Freud und Leid der Betroffenen stets nachgekommen. Die einzige mir bekannte Ausnahme bildet das Kriegsende im Jahre 1945. In diesem Jahre wurde in der Mitte des Jahres der Unterricht eingestellt.

Nach Kriegsende wurde der Unterricht am 14.09.1945 wieder aufgenommen. Von kurzfristigen Schließungen wegen Seuchengefahr im Jahre 1947 sei hier abgesehen.

Auch in der Nachkriegszeit stand die Schule weiterhin im Dienst von Erziehung und Bildung, bis sie im Jahre 1961 durch eine moderne Zentralschule ersetzt wurde.


Galgenheide Schule

Der Herr Lehrer Oskar Bächstädt begann als erster Lehrer mit 83 Kindern den Unterricht in der Galgenheide. Er war dort 38 Jahre bis 1951 tätig , die meiste Zeit nur allein. Nur 1920 hatte er einen Hilfslehrer. Die Schule hatte zu dieser Zeit 118 Schüler. Die Stelle wurde 1922 wieder gestrichen. Der Gemeinderat sagte damals dazu: „Unter 100, das kann er allein machen. Bei 276 Schülern seien 5 Lehrer genug.“ Zu dieser Zeit wurden in der Schule im Dorf 147, in der Galgenheide 93 und in Wegholm 36 Schüler unterrichtet. Erst 1949 bekam die Schule einen zweiten Lehrer. Es war Herr Ernst Kruse. Er lehrte bis 1953 und ging dann zur Schule in die Gemeinde Wasserstraße. Ab 1952 war Herr Deerberg Lehrer bis 1961.

Nach dem Bau der Gemeinschaftsschule in der Kleiriehe wurde die Schule in der Galgenheide aufgelöst.

Anmerkungen zum Gelände, auf dem die Schule stand

Bei Ausschachtungsarbeiten im Jahre 1912 fand man Tonscherben. Die Vermutung lag nahe, dass es sich um ein Hünengrab handelte. Lehrer Bächstädt hatte in seiner Chronik gleich die Hermannsschlacht in die Galgenheide verlegt. 1968 wurde beim Aushub eines Kellers noch eine Urne gefunden. Sie befindet sich im Mindener Museum. Das Alter wird auf 3000 bis 4000 Jahre geschätzt, also 1000 bis 2000 Jahre vor der Zeitenwende.

Eine Begebenheit aus der Schule Galgenheide

1913 hat Frau Ruhe Nr. 10 das Heizen und die Reinigung der Schule übernommen. Das Entgelt waren 75 Mark im Jahr. 1918 forderte sie 100 Mark und die Kohlen, die sie verbrauchte. Es wurde ihr genehmigt. Durch die Geldentwertung Januar 1922 beschloss der Gemeinderat, ihr einen Lohn von 600 Mark zu zahlen . Doch die Geldentwertung war schneller als die Reinigung der Schule. Mitte 1922 war 1 Dollar 4 418 Mark wert. Am Ende vom Jahr wollte Frau Ruhe ihr Geld nicht in Form von Papier, sondern in Goldwährung – was die Gemeinde nicht zahlen konnte! Es kam zum Vergleich: Frau Ruhe bekam einen Sack Roggen und ein Fuder Holz als Abfindung für das Jahr 1922.

Die ehemalige Galgenheider Schule wird heute als Wohnhaus genutzt. Foto aus dem Jahr 2025.

Wegholmer Schule

Im Ortsteil Wegholm wurde der Unterricht im Herbst 1911 aufgenommen. Herr Lehrer Brockmeier unterrichtete 46 Kinder in dem Molkereigebäude Wegholm, wo ein Schulraum zur Verfügung stand. Das Schulhaus der Wegholmer Schule ist erst 1920 erbaut worden. Die Lehrerwohnung ließ man fehlen, weil es angeblich an den erforderlichen Mitteln dafür mangelte, sie sollte in „besseren Zeiten“ gebaut werden.

Lehrer Röckemann der im Jahre 1933 als erster verheirateter Lehrer an die Schule kam, erreichte es, dass ein Lehrerwohnhaus gebaut und 1938 bezugsfertig wurde.

Gartenarbeit bei der Wegholmer Schule
Ansicht der ehemaligen Wegholmer Schule aus dem Jahr 2025, heute im Privatbesitz von Familie Weber.

Grundschule Friedewalde in der Kleiriehe

An dem allgemeinen wirtschaftlichen Fortschritt sollten auch die Schüler teilhaben. Darum wurde von Amts wegen der Zustand der Schulen überprüft. Klassenräume, Flure, Heizung, Toiletten und Nebenräume hatten die Renovierung nötig. Es stellte sich heraus, dass allein für die drei Friedewalder Schulen 200.000 DM für Renovierungen nötig waren. Das war der Anlass zu der Überlegung, ob dafür nicht besser eine Zentralschule gebaut werden sollte.

In der ersten Sitzung der drei Schulpflegschaften in der Wegholmer Schule am 18.2.1957 wurden noch mehr Argumente für einen Neubau vorgebracht: Förderung für Neubauten und besonders Zentralbauten durch die Landesregierung, bessere Ausbildung der Schüler, Entlastung der Lehrer und das Fehlen jüngerer Lehrer, die sich für kleine Schulen interessieren.

Die Aussprache ergab, dass die Friedewalder ohne Ausnahme für einen Neubau waren. Die Vertreter der Galgenheide waren geteilter Meinung, aber die Wegholmer waren dagegen. Sie wollten ihre geliebte Schule wegen der weiten Schulwege zum Dorf nicht aufgeben.

Schließlich wurde zwei Jahre später doch eine Zentralschule an der Kleiriehe gebaut. Bei den erforderlichen Baumaßnahmen ging man von der damaligen Schülerzahl von 144 aus. Das war ein Fehler!

Das Gebäude war kaum bezogen, da war es schon zu klein. Während der Bauzeit war die Schülerzahl schon auf 166 gestiegen. In Folge mussten Musikraum und Keller zu Klassenräumen umfunktioniert werden.

1966 hatten sich die meisten Südfelder Eltern für die Einschulung ihrer Kinder in Friedewalde ausgesprochen. Da nur 19 Schüler dort verbleiben, musste Lehrer Kortum 20 Stunden in Südfelde und 10 Stunden in Friedewalde unterrichten. Das war jedoch keine Lösung auf Dauer.

Als die Schulen Südfelde und Meßlingen aufgelöst wurden, standen wenigsten die Klassenräume in den Gebäuden zu Verfügung.

Als 1967 die Hauptschule nach Petershagen kam, besserten sich wenigstens die räumliche Verhältnisse.

Im gleichen Jahr wurde auch ein Schulkindergarten eingerichtet mit 22 Kindern, 4 davon aus Eldagsen und Maaslingen. Diese neue Einrichtung wurde von Frau Gisela Fiebeler übernommen und 10 Jahre lang vorbildlich geleitet. Sie kam nach Friedewalde aus Äthiopien, wo sie in der Entwicklungshilfe gearbeitet hatte.

Insgesamt besuchten 225 Schüler die 8 Klassen.

1967 wird Wilfried Bröer 3.vl. neuer Schuleiter in Friedewalde

1969 hatte die Grund- und Hauptschule Friedewalde – im Schulverband Petershagen-Nord – 176 Grundschüler in 6 Klassen und 136 Hauptschüler in 5 Klassen.

Die Klassen 5 und 6 wurden in Meßlingen unterrichtet, die Klassen 3 und 4 in Südfelde und die Klassen 1, 2 und 7 bis 9 in Friedewalde.

Das Jahr 1969 war eine turbulente Zeit. In vielen Schulen herrschte großer Lehrermangel, so auch in Friedewalde.

Erhard Saecker verließ am Ende des Schuljahres 1971/72 diese Schule, in der er 11 Jahre unterrichtet hatte, um die Leiterstelle in Frille zu übernehmen. Für ihn kam Jürgen Ruhe von der Hauptschule Windheim. Er bezog mit seiner Familie die soeben freigewordene Dienstwohnung.

1980 hatten viele Nachbarschulen schon die 5-Tage-Woche. Aber das war bei der damaligen Schulpflegschaft nicht zu machen. Wir bekamen die 5-Tage-Woche erst, als alle anderen Schulen sie schon eingeführt hatten und weil die Stadt Petershagen die Schulfahrten an Samstagen eingestellt hatte.

Onkel Karl hilft seinen kleinen Fahrgästen beim Einsteigen
in den stadteigenen Friedewalder Schulbus

Die Friedewalder Schule war seiner Zeit die erste im Kreis Minden, die einen eigenen Schulbus besaß. Mitten in der Sportwerbewoche erhielt Karl Reindl (Busfahrer und Hausmeister) am 12. Mai morgens um 6:00 Uhr ein Telefonanruf: „Die Schule brennt! Kommen sie sofort.“

Das Schulleiterbüro war völlig ausgebrannt. Schulakten und Möbel waren ein Raub der Flammen geworden, unter anderem zwei Chroniken, eine Fotosammlung von über 500 Schulbildern, die Unterlagen vom Schulbau, Schriftverkehr mit Behörden und vieles mehr. Ob die Brandstifter Geld gesucht hatten oder ob es böse Absicht war, ist nie festgestellt worden.

Am 15. Juni 1994 wurde Rektor Wilfried Bröer in einer Feierstunde entlassen. Sein Nachfolger wurde Jürgen Rohlfing. Da er als gebürtiger Friedewalder die örtlichen Verhältnisse schon gut kannte, war das für Schüler, Kollegen und Elternschaft nur von Vorteil.

2011 verabschiedete sich Jürgen Rohlfing in den Ruhestand und übergab die Schulleitung an Doris Rodenberg.

Als im September 2013 der Konzeptentwurf der Stadt Petershagen zur Zukunft der Grundschulen in der Stadt Petershagen veröffent­licht wurde, fanden sich Eltern und Bürger aus Friedewalde zusammen, um Position zu den beabsichtigten Grundschulschließun­gen zu beziehen und sich auch grundsätzliche Gedanken zu einer Entwicklung in unseren Dörfern zu machen. Die Bürgerinitiative „kurz & gut“ wurde gegründet. „Kurz“ steht für „kurze Wege“. „Gut“ steht für „guten Unterricht“.

Dank den engagierten Eltern der Bürgerinitiative „kurz & gut“ und der Eldagser Grundschuldirektorin Monika Krause wurde der Grundschulverbund Friedewalde-Eldagsen gegründet.

Nachdem Doris Rodenberg im Juni 2014 in den Vorruhestand ging, übernahm Monika Krause neben der Leitung der Grundschule Eldagsen, auch die Leitung vom Grundschuldstandort des Schulverbundes in Friedewalde.

Aufgrund der geringen Schülerzahlen wurde der Unterricht zunächst jahrgangsübergreifend durchgeführt. Monika Krause ging im Juli 2019 in den Ruhestand, blieb aber noch als pädagogische Leitung des Betreuungsvereins für den offenen Ganztag, der Grundschule bis Ende Juli 2020 erhalten.

Ihre Nachfolge als Grundschulleitung übernahm Alexandra Mohrhoff.

Seit dem Sommer 2024 waren wieder ausreichend Schüler vorhanden, und der Unterricht konnte wieder jahrgangsweise eingeführt werden.

Grundschule Friedewalde // Jürgen Krüger, Lavelsloher Straße 31, 32469 Petershagen // Telefon 0049 171 838 92 91 // Email: post@juergen-krueger.de // www.juergen-krueger.de