Haus Himmelreich

Etwa 500 m von der Altenburg enfernt erhob sich bis Ende damls der stolze Bau des Schlosses Himmelreich.

Sehr wichtig für die Entstehung der Kirchengemeinde ist dann wieder dies geworden: Nach dem Tod Rudolf von Holles wurde 1545 sein Sohn Georg von Holle (1514—1576) mit dem bischöflichen Anteil der Burg be­lehnt. Auch er war nicht gewillt, in ständiger Auseinandersetzung mit der Stadt Minden in der gemeinsamen Burg zu wohnen. Er wiederholte nicht die Versuche seines Vaters auf der Dinkhorst, aber auch er wählte für den Neubau einer eigenen Burg einen Platz jenseits der ösper, sogar noch näher an der schon bestehenden Burg, die von da an »Alteburg« genannt wurde. Es gab an der Stelle, die noch heute Reste von Haus Himmelreich zeigt und noch heute diesen Namen trägt, einen Hof, den schon Rudolf von Holle von seinem Schwager Albrecht von Münchhausen gekauft hatte. Der Hof hieß schon Himmelreich. Dieser Platz war zur Anlage einer Wasserburg, wie man sie damals zu bauen pflegte, sehr geeignet. Auch um diesen Bau und um die verschiedenen Rechte, die mit dem Holleschen An­teil an der alten Burg und den neuen Erwerbungen zusammenhingen, hat es endlose Prozesse gegeben, die sogar Holles Erben noch beschäftigten. Trotz allem machte der Bau von Haus Himmelreich Fortschritte. 1550 hören wir zuerst davon. Zwei Wappensteine von 1551 und 1555 bezeich­nen wichtige Punkte der Bauentwicklung. Georg von Holle erwarb sich als kaiserlicher Oberst im Laufe seines Lebens Geld, Macht und Ansehen. Seine Kriegszüge führten ihn bis an die Donau, oftmals in den belgisch­französischen Grenzraum und auch nach Dänemark und Schweden. Vor allem seine Dienste für den großen Karl V. und das Haus Habsburg hoben ihn weit über seine Standesgenossen hinaus.

Karl V. setzte alles daran, seine zahlreichen Länder zwischen Österreich und Amerika beim alten katholischen Glauben zu erhalten. Er versuchte darum, Luther und seine Lehre zu unterdrücken. Der Oberst Georg von Holle diente dem Kaiser in den Kämpfen, die daraus entstanden. Er selbst war Anhänger Luthers. Das ist für uns heute nicht leicht zu verstehen, daß der Protestant Holle zeitweise für den katholischen Kaiser gegen andere Protestanten kämpfte. Über die Gründe für solche Entscheidungen ist in den Quellen der damaligen Zeit kaum einmal etwas gesagt. Soviel wissen wir trotzdem mit Sicherheit: Für Georg von Holle war Karl V. mehr der Kaiser als der Katholik, und für ihn gingen die Kämpfe des sogenannten Schmalkaldischen Krieges mehr gegen aufständische Fürsten als gegen die evangelische Lehre.

In seinem engeren Kreise hat sich Georg von Holle nicht nur mit Wor­ten, sondern auch mit Werken als Anhänger und Förderer der Lehre Lu­thers gezeigt. Von seiner Frömmigkeit zeugen unter anderem die Bildwerke in Stein, die heute rechts und links neben dem Haupteingang zur Kirche in Friedewalde angebracht sind. Sie stammen bekanntlich von Haus Him­melreich. Er ließ sie zum Schmuck eines Erkers und vielleicht auch eines Kamines anbringen. Von guten Künstlern sind die Geschichte vom verlore­nen Sohn und die Vertreibung aus dem Paradiese dargestellt. Es kenn­zeichnet Holle, daß er die schlechten Gesellen des verlorenen Sohnes in der Landsknechtstracht der Zeit darstellen ließ, wohl um sich und seine Gäste an die Gefahren solchen Lebens zu erinnern. Zur gleichen Zeit ließen sich andere reiche Herren statt biblischer Stoffe schon unverbindliche Darstel­lungen aus der griechisch-römischen Götterwelt an und in ihren Häusern anbringen.

Wir wissen auch, daß Georg von Holle, als er die Burg Grohnde an der Weser (südlich von Hameln) in Pfandbesitz hatte (1556—65) gleich mit dem Bau einer Burgkapelle begann. Wir wissen übrigens auch von seiner Schwester Mette, die mit Claus Büschen in Oldendorf an der Weser (jetzt Hessisch Oldendorf) verheiratet war, daß sie die kirchliche Arbeit sehr tatkräftig unterstützte, auch sie als Protestantin.

Georg von Holle ist es in erster Linie zu danken, daß auch Friedewalde eine eigene Kirche bekam und in dem Zusammenhang auch einen eigenen Pfarrer.

Haus Himmelreich nach einem Originalschnitt von Harald Weiß

Gemälde von Haus Himmelreich mir der Familie Deerberg um 1838

Bildnis des Oberste Georg von Holle (1514 – 1576) Um 1580? Detail Haus Marck bei Tecklenburg

Friedewalde nach dem Urkataster

Friedewalde im Jahre 1760 mit der Altenburg (A) und Haus Himmelreich (B)

Haus Himmelreich Lageskizze nach dem Urkataster aus dem Jahre 1829