„Ich hab unser Haus gefunden“

Sie möchten glücklich sein: Kristina und Andreas Klundt, hier vor dem Nordgiebel ihres neuen Hauses in Friedewalde. Foto: Jürgen Krüger

Friedewalde. „Ich hab unser Haus gefunden.“ Als Andreas Klundt mit diesen Worten von der Begehung des ehemaligen Landgasthauses Eichenhain zurückkehrt, nimmt ihn seine Frau Kristina zunächst nicht ganz ernst und kann sich anhand der Fotos nicht vorstellen, dass sie sich das leisten könnten. Schon lange suchen sie ein Haus im Grünen, aber das ehemalige Landgasthaus Eichenhain- das erscheint ihr dann doch als eine Nummer zu groß. Als sie das ein Hektar große Areal dann tatsächlich ersteigern, und sie sich zum ersten Mal gemeinsam ihr neues Zuhause ansehen, erfüllt sich ihr Traum. „Es war gigantisch, und die Ideen waren sofort da. Das war ein gutes Zeichen“, sagt Kristina Klundt. Mittlerweile sind alle rechtlichen Hürden genommen – das Landgasthaus Eichenhain gehört nun tatsächlich ihnen ganz allein. „Wir möchten hieraus etwas machen und glücklich sein“, sagen beide.

Erst einmal aufräumen: Freunde helfen dem neuen Eigentümer-Ehepaar, zunächst das Haupthaus herzurichten. Dafür wollen sie sich drei Jahre lang Zeit lassen. Foto: Jürgen Krüger

„Ein unbeschreibliches Gefühl“

Bei der Ortsbegehung seien es einige Interessenten gewesen, berichtet Andreas Klundt, bei der Online-Auktion durch die Westdeutsche Grundstücksauktionen AG (WDGA) in Köln nur noch zwei. „Als der Hammer fiel, war das ein unbeschreibliches Gefühl“, so der neue Eigentümer zur finalen Situation mit den klassischen Worten „zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten“. Mittlerweile ist das Ehepaar von Wolke sieben zurück in der Realtität. „Ich hatte die ersten beiden Wochen Bauchschmerzen“, gibt Kristina Klundt zu. Sie wissen, dass viel Arbeit vor ihnen liegt. „Wir sind nicht naiv, sondern uns ist schon klar, dass wir hier einiges tun müssen und dass das Anwesen durchaus eine Lebensaufgabe sein kann“, ergänzt sie. Doch die Zwei haben einen Plan. Sie geben sich zunächst drei Jahre für den Umbau des Haupthauses und ihren Einzug. Dabei stehen sie nicht unter Druck, denn die kleine Familie Klundt, zu der noch Tochter Naami Ivana gehört und das zweite Kind unterwegs ist, lebt in einer schönen Altbau-Eigentumswohnung in Minden. Außerdem haben sie viele Freunde, die handwerklich eine Menge können und ihnen zur Seite stehen, denn geplant ist, soviel wie möglich selbst zu machen.

Für Kristina und ihre Mutter Rita ist es eine Rückkehr

Auch mit den Nutzungsmöglichkeiten der anderen Gebäude und Räumlichkeiten vermeiden die beiden einen Schnellschuss. Von Kindertagesstätte, Singlewohnungen, Airbnb-Ferienwohnungen oder selbst ein Café sei vieles denkbar. „Mal sehen, welche Bedarfe es gibt. Danach richten wir uns aus“, sagt Kristina Klundt, für die der Einzug in ihr neues Domizil durchaus den Charakter einer Rückkehr hat. In Kasachstan geboren kommt sie im Jahr 1989 mit ihrer Familie, ihrer Tante, Oma und Opa nach Friedewalde. Sie leben zunächst in einem Haus am Hallbruch 10, auf dem ehemaligen Anwesen von Christel und Willi Kleine. Kristina besucht die Grundschule Friedewalde, Jürgen Ruhe ist ihr Klassenlehrer. „Und demnächst wird meine Tochter hier zur Grundschule gehen“, sagt die heute 38-Jährige mit Mädchennamen Epp. Drei Jahre später verlassen sie Friedewalde wieder und ziehen nach Petershagen.

Wunderschön: Das ehemalige Landgasthaus Eichenhain in exponierter Lage zwischen Friedewalde und Wegholm (im Hintergrund). Foto: Jürgen Krüger

Nach dem Abi nach New York

In Petershagen besucht sie das Gymnasium, beginnt Handball zu spielen, wechselt zwei Jahre später zur HSG Stemmer/Friedewalde und spielt als A-Mädchen in der Saison 2001/02 um die Deutsche Meisterschaft mit. Nach ihrem Abitur sucht sie den Weg in die weite Welt und lebt für eine Weile in New York. Zurück in Deutschland studiert sie Sonderpädagogik an der Universität Bielefeld, absolviert ihr Referendariat in Essen und arbeitet heute an der Schule für Erziehungshilfe in Hille-Mindenerwald. Andreas Klundt stammt auch aus Kasachstan, nur seine Familie siedelt nach Windheim um, wo sie bis heute lebt. Auch er besucht das Gymnasium Petershagen, ist aber fünf Jahre jünger als Kristina. Andreas Klundt studiert Wirtschaftsinformatik in Bielefeld und Essen und arbeitet in Minden als Programmierer.

Und es hat „Zoom“ gemacht

„Tausend mal berührt, tausend mal ist nichts passiert, tausend und eine Nacht – und es hat Zoom gemacht“. Nach diesen Liedzeilen der Klaus Lage Band verlief wohl auch die Beziehung von Kristina und Andreas Klundt. „Er war der Freund meines jüngeren Bruders. Man kannte sich, aber da war nie etwas, und irgendwann macht es peng“, sagt sie. Das war vor sechs Jahren im „Markt 15“ beim Mindener Oktoberfest. Es folgt die Hochzeit drei Jahre später und die Geburt ihrer Tochter Naami Ivana. Als wäre es ein Wink mit dem Zaunpfahl, verbringt sie die Zeit auf der Entbindungsstation Zimmer an Zimmer mit der Friedewalderin Hanna Kruse, dessen Sohn Hagen einen Tag vor Naami Ivana das Licht der Welt erblickt. Bald wohnen beide Familien nicht mehr weit auseinander, denn die Galgenheide ist in Sichtweite des Landgasthauses Eichenhain. „Hagen und Naami sind schon Kumpels“, verrät Kristina Klundt. Auch ihre Mutter Margarita kehrt nach Friedewalde zurück und soll im neuen Domizil eine eigene Wohnung bekommen. „Rita muss mit, das habe ich von Anfang an gesagt, als wir uns auf die Suche nach einem Häuschen gemacht haben“, so Kristina. Ihr Vater sei leider schon verstorben.

Ausverkauf: Das Interieur der ehemaligen Gaststätte soll unter den Hammer kommen, dafür möchten Andreas und Kristina Klundt eventuell einen Flohmarkt vor Ort veranstalten. Foto: Jürgen Krüger

Flohmarkt denkbar

Mittlerweile haben sie sich an die Arbeit gemacht und damit begonnen aufzuräumen und auszumisten. Viele ihrer Freunde helfen mit, viele weitere haben ihre Hilfe angeboten. Darunter sind auch einige Angebote aus ihrer alten Handballzeit bei der HSG Stemmer/Friedewalde. Das Interieur von Restaurant und Gaststätte, die Gläser, dass Geschirr, Tische und Stühle möchten sie verkaufen. Dazu nutzen sie einerseits die Online-Plattform „Ebay“, doch Andreas und Kristina Klundt haben noch eine ganz anderen Idee. „Mal sehen, vielleicht machen wir hier vor Ort auch einen Flohmarkt. Dann lernen wir ganz nebenbei auch gleich die anderen Friedewalder kennen“, sagen sie und freuen sich auf das, was da noch kommt.