Besuch aus Berlin

Friedewalde. Die Empirica AG ist ein nach eigenen Angaben „unabhängiges wirtschafts- und sozialwissenschaftliches Beratungsunternehmen“. Deren Vorstandsvorsitzende Dr. Marie-Therese Krings-Heckemeier (Foto) hat für zwei Tage Friedewalde besucht und sogenannte „Expertengespräche“ geführt. Mit dieser Methode, sich mich Leuten zu unterhalten, die sich vor Ort auskennen, ist das Unternehmen mit Sitz in Berlin seit vielen Jahren erfolgreich. Beim Besuch in Friedewalde handelt es sich um einen Auftrag der Westdeutschen Landesbausparkasse (LBS – Bausparkasse der Sparkassen) in Münster.

Gegen den Trend
Die LBS Münster möchte herausfinden, warum es in Friedewalde so gut läuft und mit der Studie dann anderen Dörfern Empfehlungen geben. Neben Friedewalde hat sich Empirica noch Ladbergen (Tecklenburger Land), Altena (Märkischer Kreis) und Büttinghausen (Regierungsbezirk Köln) ausgesucht. Allen Ortschaften gemein ist, „dass sie entgegen dem Trend nicht schrumpfen oder sogar wachsen“, wie Krings-Heckemeier sagt. Ausgangspunkt der Untersuchung sei, dass sich seit Jahren ein „Auseinanderdriften der Regionen“ abzeichne. Zu beobachten sei ein Trend zum Leben in der Stadt. „Die jungen Menschen rotten sich in Städten zusammen“, sagt die promovierte Kommunikationsforscherin, die in Bonn Mathematik und Physik studiert hat. Während die Politik versuche, auf den Zustrom zu reagieren, zum Beispiel mit der viel diskutierten Mietpreisbremse, bleibe die Frage unbehandelt, wie ländliche Regionen mit diesem Thema umgehen sollen.

Das ist hier die Frage
Was wird aus den ländlichen Regionen?, lautet die Frage, die Empirica versucht zu beantworten. Auf Basis der Expertengespräche sollen Faktoren erarbeitet werden, die „den Erhalt oder die Zuwanderung positiv beeinflussen“. In Friedewalde hat sich Marie-Therese Krings-Heckemeier, die übrigens im Waldhotel Mohrhoff in Petershagen übernachtet hat, mit Ortsbürgermeister Karl-Christian Ebenau, Pfarrer Thomas Salberg, Kerstin Huck (Bürgerinitiative kurz & gut) und Jürgen Krüger (www.friedewalde.de) unterhalten. In den Gesprächen ging es im wesentlichen um die Einschätzungen, warum Friedewalde möglicherweise so attraktiv sei und wo die vier Gesprächspartner ihr Dorf in zwanzig Jahren sehen. Dass sich eine Bausparkasse für diese Erkenntnisse interessiert, dürfte auf der Hand liegen. Auf der anderen Seite könnte die Studie durchaus hilfreich für das künftige Management von Dörfern sein. Wann sie erscheint, steht noch nicht fest.

Empirica: Gegründet 1990 in Bonn
Das Institut Empirica wurde 1990 vom heutigen Aufsichtsratsvorsitzenden Ulrich Pfeiffer in Bonn gegründet. Vorstandsvorsitzende Marie-Therese Krings-Heckemeier stieg ein halbes Jahr nach der Gründung in das Unternehmen ein. Die Empirica AG hat ihren Hauptsitz in Berlin und eine Zweigniederlassung in Bonn. Zu den Auftraggebern gehören supra- und internationale Organisationen, wie die Europäische Kommission und die Weltbank, aber auch Ministerien, Verbände, Versicherungen und Banken. www.empirica-institut.de