„Hier hat jedes Kind noch ein Gesicht“

Glücklich mit ihrer Entscheidung: Schulleiterin Alexandra Mohrhoff, die hier auf einer Bank auf dem Schulhof der Grundschule Eldagsen sitzt. Foto: Jürgen Krüger

Eldagsen/Friedewalde. Sie scheint angekommen zu sein in ihrer neuen Rolle. Das merkt man sofort. Offen, fröhlich, warmherzig – so empfängt Alexandra Mohrhoff jeden Besucher. Nach rund einhundert Tagen als Schulleiterin des Grundschulverbundes (GSV) Eldagsen-Friedewalde weiß die 43-Jährige mittlerweile, wie der Hase läuft. „Es gibt viel zu organisieren, zu planen und zu verwalten. Aber vier Stunden in der Woche unterrichte ich noch selbst“, sagt Alexandra Mohrhoff. Zu Beginn des Schuljahres 2019/20 hatte sie die Leitung der beiden Standorte von Monika Krause übernommen.

Die Schule auf der grünen Wiese

Seitdem trägt die gebürtige Letelnerin die Verantwortung für den kompletten Schulbetrieb mit zwölf Lehrkräften, jeweils sechs an jedem Standort, wobei der Grundschulverbund einzigartig in Petershagen ist. Eldagsen ist eine evangelische Bekenntnisschule, Friedewalde zeichnet sich durch jahrgangsübergreifenden Unterricht aus. Doch nicht nur die Schulformen sind besonders, auch die Lage ist es. „Wir sagen immer, dass wir die Schulen auf der grünen Wiese sind“, beschreibt die Lehrerin für Deutsch, Sachkunde und evangelische Religion die geografischen Vorzüge beider Standorte – großzügig angelegt, weitab von Verkehr und anderem Trubel. Dass sie selbst kleine Dorfschulen liebt, sagt sie nicht nur. Sie lebt es auch. Ihr Referendariat hat sie Anfang der 2000er Jahre in Cuxhaven-Sahlenburg absolviert, ganz bewusst an einer kleinen Grundschule. Ihr erste Anstellung bekam sie an der Grundschule Hüllhorst-Tengern.

„Die Atmosphäre ist eine ganz andere“

Seit acht Jahren unterrichtet sie nun schon an der Grundschule Friedewalde. Sie lebt auch mit ihrer Familie im Dorf. „Ich kenne kleine Systeme, und ich mag es auch, eng mit Eltern und den Kindern zusammen zu arbeiten. Mir macht es auch nichts aus, in dem Dorf zu arbeiten, in dem ich wohne. Ich finde das sogar eher bereichernd“, sagt Alexandra Mohrhoff. „Kleine Schulen zeichnen sich dadurch aus, dass jeder jeden kennt. Hier hat jedes Kind noch ein Gesicht. Die Atmosphäre ist eine ganz andere als an einer großen Schule. Man ist viel dichter dran, kann auf ganz kurzem Wege Dinge klären, und man ist total eingebunden in das ganze Dorfleben mit vielen Kontakten zu den Nachbarn, aber auch zu den Unternehmen vor Ort, was mir sehr wichtig ist. Man ist Teil von etwas Großem, gehört dazu und ist nicht anonym. Das finde ich total gut.“

Heute besuchen den GSV 176 Schüler*innen

Allerdings ist ihr auch klar, dass diese persönliche Transparenz besondere Lehrer*innen benötigt. Mitschwimmen im Mainstream ist an einer kleinen Schule nicht möglich. „Das muss man mögen. Aber es erleichtert auch viel, weil man ganz nah dran ist. Das möchte ich ganz deutlich sagen.“ Kämpfen müsse man können, hatte ihre Vorgängerin im Amt, Monika Krause gesagt. Was das genau heißt, erlebte Alexandra Mohrhoff vor sechs Jahren, als die Grundschule Friedewalde geschlossen werden sollte und sie sich der Bürgerinitiative „kurz & gut“ anschloss. „Das war natürlich eine negative Zeit, zumal unsere eigenen Kinder auch in Friedewalde zur Schule gehen sollten“, sagt sie rückblickend. Die Rettung gelang, auch dank der Haltung von Monika Krause, dem Widerstand aus der Bevölkerung und den Eltern, die ihre Kinder in Friedewalde trotz der bedrohlichen Lage und der Einführung eines neuen Lernsystems angemeldet haben. Mit Erfolg, wie  aktuelle Zahlen zeigen: Heute besuchen den Grundschulverbund 176 Schüler*innen (94 Eldagsen und 82 Friedewalde), der damit exakt die Größe wie die Grundschule Petershagen hat. Momentan laufen die Anmeldungen für das neue Schuljahr 2020/21. Ohne weitere Daten zu nennen, verrät Alexandra Mohrhoff: „Es läuft sehr gut. Die Schülerzahlen an beiden Standorten sind gesichert. Wir bekommen die Klassen so voll, wie wir sie gerne haben möchten – also auch nicht zu groß.“ Sowohl Eldagsen als auch Friedewalde sind sogenannte „MINT-Schulen“. MINT steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik.

Der Liebe wegen nach Friedewalde

Alexandra Mohrhoff ist in Leteln in die Speditionsfamilie Schierenberg hinein geboren. „Im Industriegebiet Ost“, scherzt sie. Ihre Grundschulzeit verbrachte sie an der örtlichen Dorfschule, die mittlerweile geschlossen ist. Dem Abitur am Ratsgymnasium Minden folgte das Studium in Vechta, samt Leben in einer Vierer-Studentinnen-WG „mit allem, was dazugehört“, wie sie lachend verrät. Vor 15 Jahren zog es die Pferdefreundin dann der Liebe wegen nach Friedewalde. Hier lebt sie seitdem mit Ehemann Cord Mohrhoff und den beiden gemeinnsamen Söhne Ole (10) und Till (8).

3 thoughts on “„Hier hat jedes Kind noch ein Gesicht“

  1. Alexandra ist die perfekte Besetzung für die Stelle. Das haben wir von „kurz & gut“ schon immer gewusst. Sie hat Visionen für unsere Schule und auch die Persönlichkeit, um andere zu gewinnen und zu überzeugen. Außerdem ist sie unglaublich nett, einfühlsam und versprüht einfach gute Laune!

  2. Weit und breit gibt es keine Schulleiterin, die mehr hinter ihrer Grundschule steht! Topf und Deckel fest verschraubt…

  3. Ein sehr informativer Bericht !
    Wir als Eltern Hella und Friedrich Schierenberg sind natürlich sehr stolz auf unsere Tochter und Ihre Familie !

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