Den Bauern stinkt’s – dem Boden auch!

Blühstreifen: Den wünscht sich gesetzlich verpflichtend Margarete Traue an den Ackerrändern.

Warmsen/Friedewalde. Zum Thema „Landwirte demonstrieren gegen schärfere Düngeordnung“ erreichte uns ein Leserbrief von Margarete Traue aus Warmsen.

Weit mehr als 6.000 Landwirte demonstrierten in Münster gegen eine schärfere Düngeverordnung, die von der EU gefordert wird. Die Bauern befürchten durch neue Auflagen und Gesetze eine düstere Zukunft und ein weiteres Höfesterben.

Ernst der Lage nicht bewusst

Genau dieses wird auch ohne neue Dünge-Gesetze eintreten, denn mit dem Demo-Aufruf der Landwirtschafts-Lobby hat diese bewiesen, dass den Landwirten der Ernst der Lage gar nicht bewusst ist. Hier geht es nämlich nicht um etwas belangloses, hier geht es um die Grundsubstanz und das Fundament, gewissermaßen den Rohstoff, ohne den die Landwirte arbeitslos wären – den BODEN (inkl. GRUNDWASSER). Stellenweise verseucht mit Nitrat und Nitrit, überdüngt und verdichtet finden wir ihn vor, verursacht durch Pflanzenwachstum um jeden Preis. Gute Pflege und Sorgfalt sieht anders aus, oder?

Wer nicht am Ball bleibt ist raus

Dabei kann ich die Landwirte sogar verstehen, dass sie auf die Straße ziehen und demonstrieren, leider nur für das falsche Ziel. Wie wäre es denn mit Demos gegen Politik, preisdrückenden Handel und schlussendlich auch gegen uns Verbraucher? Denn wer hat die Landwirtschaft dorthin gebracht wo sie heute steht. Zum einen die politisch gesteuerten und völlig verfehlten Subventionen, die alles zum Ziel haben aber bestimmt keine naturschonende und nachhaltige Bewirtschaftung. Große Handelsketten knebeln die Landwirte mit Dumpingpreisen und ständig wechselnden Vereinbarungen, wer da nicht am Ball bleibt ist raus. Doch am schlimmsten sind wir Verbraucher selber. Wer im Discounter Gehacktes in der Plastikschale für unter zwei Euro erwirbt oder im Januar die Erdbeeren aus Spanien nachfragt löst Vorgänge aus, über die sich anscheinend nur die wenigsten von uns Gedanken machen. Wer viel Billig-Nahrung nachfragt, zwingt die Landwirte auch billig zu produzieren. Die Folgen sehen wir in Massentierhaltungen und Überdüngung und chemischer Keule für das schnelle Pflanzenwachstum. Das wiederum löst auch wieder viele Kettenreaktionen aus und mündet in einer kranken Umwelt. Genau an diesem Punkt stehen wir JETZT! Daher kann ich es nicht verstehen, dass Landwirte für Dinge demonstrieren, die das Grundproblem gar nicht berühren!

Trecker so groß wie Hochhäuser

Früher waren Landwirte gleichzeitig Naturschützer, sie wussten wie wichtig der Boden und eine intakte Natur für sie sind. Heute kann ich davon nicht viel erkennen, die Außenwirkung ist eine andere. Mit riesigen fahrbaren „Hochhäusern“ rasen sie über ihre Äcker um Zeit zu sparen. Nachts hell erleuchtet scheuchen sie jedes sich zur Ruhe gelegtes Tier in der Natur auf. Übergroße fahrbare „Gülle-Fabriken“ versperren und zerstören Gemeindestraßen, verteilen den gepriesenen organischen Dünger in großen Mengen und Windeseile auf Feldern und Wiesen und oft nicht einmal vom eigenen Hof, sondern durch LKW’s exportiert wer weiß woher. Diese fahren täglich durch die Republik und bringen die Gülle in Gegenden und auf Äcker, die noch nie so viel Güllemengen gesehen haben.

Über die Grenzen hinaus

Seit einigen Jahren scheint eine neue Methode in der Landwirtschaft aufzukommen: Verkürzung und Einsparung von Acker-Bearbeitungszeiten durch Glyphosat-Spritzbehandlung, das sogemannte „totspritzen“, aktuell gut sichtbar an den gelb-rot verfärbten Ackerflächen. Die chemische Keule tötet alles ab, Folgenschäden für uns Menschen sind noch immer nicht endgültig erforscht. Klar ist, dass diese Giftstoffe über die Pflanzen in die Nahrung gelangen und somit, meist unbewusst, von uns Menschen aufgenommen werden. Gerne wird vom Landwirt auch gründlich bis an und über die Feldgrenze hinaus gespritzt. Das gilt im Übrigen auch für das Pflügen der Äcker. Viele Landwirte halten sich nicht an Grenzen und pflügen bis zum Asphalt der anliegenden Straße. Das bedeutet das Aus für etliche Grünstreifen zwischen Acker und Straße. Alle Arbeiten müssen schneller, früher und öfter durchgeführt werden, der Profit zählt.

Spargelanbau mit Bodenheizung

Spargelbauern erweitern sie Saison mit Bodenheizung und einem Folienmeer, bewässern im Sommer rund um die Uhr. Lohnunternehmer rüsten ihre Maschinenflotten auf. Vielleicht wären diese auf Flächen in Polen und Russland gerechtfertigt, aber hier…? In unzähligen selbstdarstellerischen Videos stellen sie den Wahnsinn zur Schau. Highlights sind Filme mit festgefahrenen Maschinen und Schlammschlachten im Boden. Dabei sollten die Landwirte doch wissen, dass verdichteter Boden tot ist und keinen Ertrag mehr bringt. So etwas in Szene gesetzt zeigt den Sachverstand dieser Menschen. In Kürze beginnt die Grasernte, dann erledigen unzählige schnell fahrende Mäh-Maschinen ihre Arbeit und töten jedes Rehkitz und kleine Hasen. Diese sind ohne jegliche Chance. Ich sehe keine Landwirte, die diese Flächen vorher abgehen oder bestimmte Mähtechniken anwenden, die retten könnten. Welcher Landwirt betritt eigentlich noch seinen eigenen Boden oder die Wiese? Moderne Technik macht es möglich, Stichwort „autonomes Fahren“. Immer schneller und mehr, so hat es auf jeden Fall den Anschein, wenn ich durch die Landschaft fahre. Das ist doch völlig krank, oder? Ich vermisse die Landwirte, die freiwillig großzügige Blühstreifen um ihre Äcker anlegen, sich aktiv im Naturschutz einsetzen ohne Neid und Missgunst und aktive Argumente für eine bessere Landwirtschaft hervorbringen – warum macht das keiner oder nur wenige? Kontakt mit der Bevölkerung, Reden auf Augenhöhe, Austausch? – nein, das sieht anders aus.

Landwirtschaft gleicht Industrie

Die heutige Landwirtschaft gleicht einer riesigen Industrie, schaut man sich einzelne Höfe an, wird dieses bestätigt. Tausende von kleinen und damals gesunden und fachkompetenten Familien-Betrieben sind verschwunden. Dörfer wandeln sich und müssen mit vielerlei politisch geförderten und oft unsinnigen Strukturprogrammen am Leben erhalten werden. Was fehlt sind die vielfältig strukturierten und kleinen Bauernhöfe und die Menschen, die das mit Liebe leben. Das hätte übrigens auch positive Auswirkungen auf unsere Kinder, denn wir könnten uns die ganzen oft unnötig und aufwendig künstlich gestellten Bildungsprojekte sparen. Unsere Kinder könnten all das Wissen was sie für ihr Leben benötigen an der frischen Luft auf einem Bauernhof, in einem gesunden Dorf oder einer grünen Stadt aufsaugen. All das haben wir auch als Verbraucher zu verantworten!

Was können wir tun?

  1. Sofortige Abschaffung von Glyphosat und anderen Pestiziden, deren Wirkung auf Boden und Menschen noch nicht endgültig erforscht sind!
  2. Verbot v. Ackerflächenkäufen für landwirtschaftsfremde Organisationen (Spekulationsgeschäfte), Steuerung durch Behörde vgl. Kartellamt!
  3. Ökoausgleich durch Betriebe, wie z.B. Spargelbauern (Folie, Bodenheizung), konventionelle Gewächshausbetreiber (Flächenversiegelung), Betriebe, die den Boden einseitig anbauen (Mais).
    (Entwicklung einer Berechnungsformel mit Faktoren wie Pestizidverbrauch, Anzahl der Tiere, Fruchtfolge, etc.)
  4. Abschaffung von Billig-Lebensmitteln, faire Preise für gute Qualität!
  5. Gezielte Förderung von Bio-Landwirtschaft
  6. Gesetzliche Verpflichtung von Blühstreifen, mind. 3 Meter auf JEDER landwirtschaftlich genutzten Ackerfläche, Ausgleich durch Förderung.

Das Problem ist komplex und betrifft die gesamte Gesellschaft und viele weitere Bereiche. Änderungen werden weh tun, das ist klar. Doch jeder kann helfen. Das Ziel: Erhalt unserer Erde, der Schöpfung, der Natur mit all ihrer Flora und Fauna – und ganz besonders für unsere Kinder.
Hierfür müssen WIR ALLE etwas tun. JETZT…

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