Wegesrand, Tiere und Pflanzen

Friedewalde/Minden. „Wie weit ist es noch?“ Das ist die häufigste Frage, die Sascha Traue an diesem Morgen gestellt bekommt. Der Waldpädagoge nimmt es mit Humor und wandert munter mit der Klasse 2 der Grundschule Friedewalde weiter zur Biologischen Station in Nordholz. Unterwegs gibt es einiges zu entdecken, und so stellen die Schülerinnen und Schüler entlang der 5 Kilometer langen Strecke auch noch andere Fragen, und zwar zum Thema „Wegesrand, Tiere und Pflanzen“.

Exkursionen zu jeder Jahreszeit
Sascha Traue arbeitet für die Biologische Station Minden-Lübbecke in der Umweltbildung. Die Grundschule Friedewalde hat die sogenannte Bildungs-Flatrate gebucht. Sie hat eine Laufzeit von einem Jahr, und zu jeder Jahreszeit führt Sascha Traue mit seinem Team Exkursionen mit den Friedewalder Grundschülern durch. Bei der Wanderung zur Biologischen Station ist Traue mit den Kindern nicht allein. Die beiden Lehrerinnen Alexandra Mohrhoff und Daniela Krietemeier wandern mit, sowie die Praktikantin Fabienne Dreier und die Bundesfreiwillige Meike Borchert, beide von der Biologischen Station.

Wald- und Wiesensmartphone
Sascha Traue begrüßt die Kinder mit dem Jaghorn, das er „Wald- und Wiesensmartphone“ nennt. Die Route führt den Radweg entlang in Richtung Südfelde/Nordholz, und der 40-Jährige hat seine Handpuppe „Steinkauz Stefan“ mitgebracht. Die Tagesaufgabe der Grundschüler ist, sich markante Punkte, besondere Pflanzstandorte und Tiervorkommen zu merken. Grundschullehrerin Daniela Krietemeier hat diese Punkte in eine Karte eingetragen. „Die Schülerinnen und Schüler sollen im Unterricht eine Wanderkarte erstellen und die beobachteten Standorte dort eintragen“, sagt sie.

Schnecken fressen tote Maus
Auf dem Weg zur Biologischen Station gibt es reichlich neue Beobachtungen und Erfahrungen. Die Kinder riechen an Pflanzen, wie Löwenzahn, Kriechender Hahnenfuß oder Knoblauchsrauke, fassen sie an und erschließen sich so die Namen. Zur Natur gehört aber auch mit anzusehen, wie zwei Nacktschnecken eine tote Maus aufressen und dass ein abgetrennter Junghasenkopf mitten auf der Straße liegt – was von allen mit einem langgezogenen „Iiiiih“ qutittiert wird.

Wanderung (3)

Nachtigallen-Dunkelgang: Mit verbundenen Augen gehen die Schülerinnen und Schüler ein Wegstück und konzentrieren sich auf das Gehörte.

Mit verbundenen Augen
Zwölf Stationen hat der zertifizierte Waldpädagoge in die Wanderroute integriert. Beim „Nachtigallen-Dunkelgang“ etwa legen die Grundschüler einen bestimmten Wegabschnitt mit verbundenen Augen zurück und fangen Geräusche ein, wie von der Nachtigall, oder einem Vogel, der seinen Namen ruft: „Zilpzalp“. Dazu Jonas Trölenberg: „Trotz Schlafbrille kann ich immer noch was sehen.“ Sascha Traue: „Mach einfach die Augen zu.“

Geschenkte Ohrringe
Das gemeinsame Frühstück nimmt die Gruppe in der Natur auf Matten sitzend an einer schützenden Hecke ein. Sascha Traue erklärt den Grundschülern anschließend den Sinn und Zweck einer Biogasanalge, an der sie vorbei kommen. Unterwegs bekommt jedes Kind dann „Ohrringe“ geschenkt. „Wir haben den Kindern mit Pflanzensaft vom Löwenzahn, der wie Klebstoff ist, kleine Gänseblümchen an die Ohrläppchen geklebt“, sagt Sascha Traue. Am Tonloch in Südfelde macht die Gruppe ein Laufspiel für Kinder und Erwachsene.

Zuhause für „Stefan Steinkauz
Bei der gesamten Wanderung suchen die Grundschüler ein geeignetes Zuhause für „Stefan Steinkauz“ und finden es bei der Ankunft an der Biostation in Nordholz in Form einer Streuobstwiese. Empfangen werden sie von Anna Hermeier und Melanie Griese von der Firma JENZ. Die JENZ GmbH finanziert die Umwelt-Flatrate für die Grundschule Friedewalde, wofür sich die gesamte Wandergruppe bedankt. Die beiden Frauen schenken Apfelsaft an die Schüler aus.

Niemand macht schlapp
„Das war heute eine sehr schöne Wanderung. Niemand hat schlapp gemacht, und wir haben unterwegs viel gesungen, viel erlebt und andere Menschen freudig begrüßt. Ihr seid eine tolle Klassengemeinschaft“, lobt Sascha Traue die Klasse 2. Die Frage „Wie weit ist es noch?“ stellen die Kinder übrigens immer weniger, nachdem Sascha Traue darauf eine stetig wachsende Kilometerzahl als Antwort gibt.

 

2 thoughts on “Wegesrand, Tiere und Pflanzen

  1. …ich komme auch gerne mit 😉
    Sascha Traue

  2. Das hört sich genial an. Ich bin auf dem letzten Friedewalder Schnatgang dabeigewesen und habe Sascha Traue live erlebt. Und wenn ich das hier lese, fällt mir nur eins ein: Ich will auch!
    Kriegen wir so etwas nicht auch für die Erwachsenen – oder Familien – organisiert? Gibt es noch jemanden der mit möchte?

Comments are closed.