„Ich bin dann mal weg“

Stark im Service: Walter Giesler. Foto: Jürgen Krüger

Friedewalde. Walter Giesler gehört zu Friedewalde wie die Uhr zum Kirchturm. Dabei ist er eigentlich gar kein waschechter Friedewalder, wie er sagt, sondern zugezogen aus Hille. „Es hat seine Zeit gedauert, bis ich mich in Friedewalde akzeptiert fühlte, doch irgendwann flutschte es“, sagt der 71-Jährige heute. Das alles ist schon sehr lange her, und nach fast 45 Jahren zieht er nun einen Schlussstrich und schließt sein Geschäft für TV, SAT-Technik und Hausgeräte. „Aus Altersgründen“, wie er sagt. Eine Nachfolge sei nicht geplant, auch stehe der genaue Termin noch aus. „Vielleicht im Juni. Mal sehen.“ Walter Giesler möchte mit seiner Ehefrau Edelgard, die er in seiner früheren Zeit als Musiker kennenlernte und mit der er im Jahr 2019 Goldene Hochzeit feierte, den Lebensabend ohne Arbeit und Verantwortung genießen. Sicherlich werden sie auch Zeit mit der Familie ihrer gemeinsamen Tochter Nicole, zu der auch zwei Enkelkinder gehören, verbringen.

Lehre bei Fernseh-Förster in Minden

Seine Eltern sind aus Schlesien und trafen sich nach Ende des 2. Weltkrieges in Hille wieder. Der 1948 geborene Sohn Walter lernte Radio- und Fernsehtechniker bei „Fernseh Förster“ in Minden. Und Ehefrau Edelgard ist die Tochter von Helmut Bischoff, der in Stemmer ein Elektroinstallationsunternehmen betrieb. „Ich habe sozusagen die Radio- und Fernsehtechnik mit in die Firma gebracht“, sagt Walter Giesler. Helmut Bischoff baute 1975/76 das Haus mit dem Ladengeschäft an der Lavelsloher Straße 9 in Friedewalde, das mittlerweile  Edelgard und Walter Giesler gehört. Hier wollen sie auch bleiben.

Gehört zum Dorfbild: Das Wohn- und Geschäftshaus von Edelgard und Walter Giesler an der Lavelsloher Straße in Friedewalde. Foto: Privat

„Der Frust war da, keine Frage“

Im November 1976 eröffnete Elektro Bischoff das Geschäft in Friedewalde, wobei Walter Giesler zunächst angestellt war. Seit Anfang der 2000er Jahre führt er die Firma selbstständig. In den Jahren hat er sich einen großen Kundenstamm aufgebaut, darunter sind viele Friedewalder, aber auch viele in Bückeburg oder Bad Oeynhausen beispielsweise. Mittlerweile haben sich die Bedürfnisse der Kunden aber verschoben, und anfangs haderte Walter Giesler mit dem Online-Geschäft, das eine immer stärker werdende Konkurrenz wurde. Mittlerweile hat er die Lage akzeptiert. „Der Frust war da, keine Frage. Aber, so ist der Lauf der Zeit“, so der Radio- und Fernsehtechniker. Was ihn schon immer ausgezeichnet hat, ist Menschlichkeit, Zuverlässigkeit und Kompetenz. „Ich glaube, ich kann ganz gut mit Menschen umgehen. Egal, ob Kind oder Senior – ich habe hier im Laden immer alle ernst genommen und ordentlich bedient“, sagt er. Auch ehrenamtlich hat er sich im Dorf engagiert, wenn man seine Hilfe brauchte. Walter Giesler: „Die meiste Freude haben mir die tontechnischen Veranstaltungen an der Grundschule bereitet.“

Legendärer BMW fährt jetzt in Belgien

Verabschiedet hat sich Walter Giesler schon vor Wochen von seiner großen Leidenschaft – dem Motorsport. Sein legendärer BWM 2002 ist verkauft – in gute Hände nach Belgien. „Mir fehlte zuletzt der Drive, den man für den Motorsport braucht“, erklärt er seine Entscheidung. Nur die Musik, mit der alles begann, die möchte er noch ein bisschen weiter machen. Momentan spielt der Gittarist und Sänger in der Gruppe „Flashback“ Oldies zum Genießen. Wie lange noch, das wird man sehen.

Ein Hingucker: Der BMW 2002 von Walter Giesler, hier beim Rennen auf dem „Schleizer Dreieck“ in Thüringen. Foto: Katja Lüllwitz

One thought on “„Ich bin dann mal weg“

  1. Drei mal Weh:
    WorldWideWeg – Walter ist näher dran!
    WalterWillWeg – oh Schreck!
    WalterWirdWeitermachen – Hoffnung!?

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