Glasfaser: Über Hille nach Friedewalde

Nur noch einen Schritt: In Stemwede, hier Oppendorf, ragen die bunten Leerrohre schon aus dem Verteiler. Jetzt fehlen nur noch die Hausanschlüsse, die von hier aus vorgenommen werden. Fotos: Jürgen Krüger

Kreis Minden-Lübbecke/Petershagen. Seit Anfang September 2019 rollen die Bagger in Stemwede und Hüllhorst. Dort verlegen Mitarbeiter von Internexio zuerst die Leerrohre. Später blasen sie mit einer speziellen Technik die feinen Lichtwellenleiter (LWL) aus Glasfaser in die Leerohre ein und verlegen die Fasern bis in die Haushalte. In vier Jahren will das Unternehmen aus Hamburg die sogenannten „weißen Flecken“ im Mühlenkreis Minden-Lübbecke mit bunten Glasfaserrohren samt LWL ausstatten. Das sind nach eigenen Angaben immerhin 15.600 Häuser. Weiße Flecken sind Gebiete, in denen es Übertragungsraten von weniger als 30 Megabit pro Sekunde gibt, wobei diese Definition schon für reichlich Gesprächsstoff gesorgt hat. In Stemwede hat Internexio bislang 357 Kilometer Leerrohre verlegt und 233 Hausanschlüsse installiert. Doch bis die Daten tatsächlich rauschen, dauert es wohl noch in bisschen. Das gilt auch für den Breitbandausbau in Friedewalde.

Gigabit-Koordinator: Enrico Nauen vom Kreis Minden-Lübbecke.

Lichterfest im Mai

Der große Moment dürfte das sogenannte „Lichterfest“ sein. „Das ist der Zeitpunkt, an dem Internexio das Glasfasernetz mit Licht flutet“, sagt Enrico Nauen. Der 41-jährige Verwaltungsangestellte (Bachelor of Laws) arbeitet beim Amt für Wirtschaftsförderung und Kreisentwicklung des Kreises Minden-Lübbecke und ist dort „Gigabit-Koordinator“. Der ehemalige Zeitsoldat kennt so gut wie alle Details zum Breitbandausbau und befindet sich in ständigem Kontakt mit Internexio. Bis zum Lichterfest wird es aber wohl noch bis Mai dauern. Denn Internexio muss erst an zwei Orten des Mühlenkreises sogenannte „technische Service-Standorte“ einrichten, an denen die Server und die Steuerung untergebracht sind. Das ist einmal Preußisch Oldendorf und zweitens Minden-Todtenhausen. In Todtenhausen hat Internexio die ehemalige Geschäftsfstelle der Volksbank an der Graßhoffstraße 35 gekauft und lässt sie gerade umbauen. Das „Lichterfest“ finde dort statt, wo man als erstes fertig sei, so Enrico Nauen. Die Station in Pr. Oldendorf wird an das Internet-Backbone Hamburg/Frankfurt in Stemwede-Fischerstatt (bei Dielingen) angeklemmt. Ein weitere Backbone-Leitung (Hamburg/Frankfurt) streift Bad Oeynhausen. Während Internexio Ostern anpeilt, schätzt Enrico Nauen den spannenden Moment mit Mai eher etwas konservativer ein.

Technischer Service-Standort: Internexio lässt derzeit das Gebäude der alten Volksbank in Todtenhausen an der Graßhoffstraße 35 herrichten.

Hilfe von Experten holen

In Stemwede dürften nach dem Lichterfest alle angeschlossenen Haushalte das schnelle Internet nutzen können, solange die Hauseigentümer und Unternehmen die technischen Voraussetzungen in ihren Räumen dafür geschaffen haben. Momentan sprechen die Mitarbeiter bei Hausbegehungen mit den Eigentümern durch, wo im Haus sie den Hausübergabepunkt (APL)  installieren sollen. Möglich seien Keller, 1. Obergeschoss oder ein Außenanschluss, wie Enrico Nauen sagt. Von dort an ist der Eigentümer dafür verantwortlich, wie es weitergeht. Wer sich die Installation technisch nicht zutraut, sollte die Hilfe eines Experten in Anspruch nehmen. Eine Liste von Elektrounternehmen sei in Arbeit, wie  Enrico Nauen sagt. Elektro Schlötel, Partner der Friedewalder Website, wäre ein solcher  Glasfaser-Spezialist. Ansprechpartner ist Elektrotechnikmeister Thomas Meier, Telefon (01 51) 55 00 06 66, Email: t.meier@elektro-schloetel.de

Die „letzte Meile“ ist Geschichte

Da kaum ein Haushalt oder ein Unternehmen über eine interne Glasfaserstruktur verfügt, braucht man technisch gesehen einen optischen Wandler (ONT), der die Lichtwellen in elektrische Signale umwandelt. Dort wird dann der Router angeschlossen. Die sogenannte „letzte Meile“ – das Telefonkabel aus Kupfer für den DSL-Anschluss  – und der bisherige Flaschenhals, sind damit Geschichte. Denn das Glasfasernetz von Internexio ist komplett neu und autark von anderen Netzen. Geschwindigkeiten von 1 Gbit/s im Haus sind mit Netzwerkkabeln ab CAT 6 möglich. Herkömmliche WLAN-Router hingegen schaffen bis zu 300 Mbit/s. Die von Internexio empfohlene Fritz Box  7590 soll immerhin 600 Mbit/s ereichen. Um auf 1 Gbit/s im WLAN-Netz zu kommen, müssten die WLAN-Module über die sogenannte MIMO-Technik verfügen, erklärt Enrico Nauen. Die Server auf der Anbieterseite nutzen in der Regel bereits die Gigabit-Technik, so dass hier keine Engpässe – abgesehen von Überlastungen – zu erwarten sind.

Die Aufrissgenehmigung der Stadt Petershagen fehlt noch

Mit dem geplanten „Lichterfest“ im Mai könnten nach der weiteren Leerrohrverlegung, den Hausbegehungen und den Hausanschlüssen alle vorgesehenen Haushalte nach und nach oder straßenabschnittsweise an das ringförmige Glasfasernetz angeschlossen werden und in Betrieb gehen. Momentan buddeln sich die Bagger durch Hille, danach wäre Friedewalde dran. Doch im Augenblick wäre  an der Grenze von Holzhausen zu Friedewalde Feierabend, da die Stadt Petershagen bislang noch gar keine Aufrissgenehmigung für die Erarbeiten erteilt hat, wie Kay Busche bestätigt. „Wir haben bislang von Internexio nur ein paar Pläne vorliegen. Der eigentliche Antrag fehlt noch“, sagt der Leiter der Bauverwaltung. Etwa vier Wochen werde sein Amt benötigen, um den Antrag nach Eingang zu prüfen und die Genehmigung zu erteilen. Und bevor es soweit ist, werde die Stadt Petershagen zunächst einmal Ortsbesichtigungen mit den Leuten von Internexio durchführen. Dort würden Verlegedetails besprochen. Bis Ostern ist zwar noch Zeit, doch die rund 150 Mitarbeiter von Internexio sind offenbar sehr schnell, wie das Beispiel in Stemwede und Hüllhorst zeigt. Gerade einmal fünf Monate brauchten die Hamburger, um die ersten Hausanschlüsse zu realisieren. Auch wenn sich einen Baustopp an der Grenze zwischen Holzhausen und Friedewalde wohl niemand wünscht, so werden die ersten Daten in Friedewalde sicherlich frühestens im Sommer durch die Glasfaserleitungen fegen. Wann welcher Straßenzug und welches Gebäude in Friedewalde dran ist, gibt Internexio rechtzeitig bekannt.

Schön bunt: Leerohre für Glasfaser, hier in Stemwede-Oppendorf.

Glasfaser auch für den Förster

Internexio hat sich verpflichtet,  die Leerrohr-Trassen bis zu jedem förderfähigen Haus zu verlegen. Das gelte auch für abgelegene Gebiete, wie Enrico Nauen verspricht. So werde Internexio auch ein Leerrohr bis zum Försterhaus im Mindenerwald verlegen. Im Vergleich zu Stemwede darf die Anschlussquote in Petershagen-West, unter anderem mit Eldagsen, Meßlingen, Maaslingen, Südfelde und Friedewalde durchaus als enttäuschend bezeichnet werden. Während in Stemwede rund 70 Prozent einen Glasfaseranschluss bestellten, seien bis heute in Petershagen-West von 620 möglichen Anschlüssen lediglich 260 bestellt worden. Das sind rund 40 Prozent. In Friedewalde haben 365 Haushalte die Möglichkeit, einen vom Bund geförderten Glasfaseranschluss zu bekommen mit einem Eigenanteil von 150 Euro (100 Euro Baukostenzuschuss, 50 Euro einmalige Anschlussgebühr) plus zweijährigem Dienstleistungsvertrag (960 Euro in der günstigsten Variante).  Wie viele Friedewalder davon tatsächlich schon bestellt haben, differenzieren die Zahlen nicht. Ein Grund für relativ schwache Nachfage im Vergleich zu Stemwede könnte sein, dass Internexio dort schon vor der Infoveranstaltung mit den Erdarbeiten begonnen hatte. „Da konnten die Leute schon was sehen“, sagt Enrico Nauen. In Petershagen gab es im Dezember 2019 bereits die Infoveranstaltung, von Baggern gab es da noch keine Spur.

Bestellung noch möglich

Beim Glasfasernetz von Internexio handelt es sich um eine „Open-Access-Technologie“. Das heißt, auch andere Anbieter (wie zum Beispiel die Deutsche Telekom) könnten sich theoretisch Kapazitäten bei Internexio mieten und ihren Kunden bereitstellen. Doch das wird wohl noch dauern. Deshalb haben die meisten auch gleich einen Internetzugang (200 Mbit/s, 5000 Mbit/s oder 1 Gbit/s) bestellt. Ein solcher Vertrag ist Bedingung für den Anschluss. Den Glasfaseranschluss für 100 Euro Baukostenzuschuss gibt es allerdings nur für diejenigen, die auch rechtzeitig bestellt haben. Wer jetzt noch ordert, bevor die Aufrissarbeiten am eigenen Haus abgeschlossen sind, müsse den Angaben zufolge momentan 500 Euro Baukostenzuschuss anstatt 100 Euro bezahlen. Auch ein nachträglicher Anschluss sei möglich, dann allerdings zu weit höheren Kosten. Mehr dazu auf der Internetseite von Internexio.

Weitere Informationen

Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur

Im Koalitionsvertrag hat sich die Politik zwei Ziele gesetzt:

  • Bis Ende 2025 soll ganz Deutschland über Gigabit-Netze versorgt werden.
  • Noch in dieser Legislaturperiode sollen alle Gewerbegebiete, Schulen, Krankenhäuser an das Gigabit-Netz angeschlossen werden.

Die große Koalition hat sich verständigt, über vier Jahre hinweg insgesamt 10 bis 12 Milliarden Euro zu investieren.

Breitbandausbau Kreis Minden-Lübbecke

  • 21.000 förderfähige Haushalte (Atlas Breitbandausbau)
  • 110 Millionen Euro Investitionskosten
  • 47.000 km Glasfaser
  • 1.700 km Tiefbauarbeiten
  • Beginn: 2. September 2019
  • Geplante Dauer: Vier Jahre

Ansprechpartner
Enrico Nauen
Amt für Wirtschaftsförderung und Kreisentwicklung
Gigabit-Koordinator

Portastraße 13
32423 Minden

Telefon (05 71) 807 23011
Email: e.nauen@minden-luebbecke.de

One thought on “Glasfaser: Über Hille nach Friedewalde

  1. Verstehe nicht wie man sein Haus „nicht anschließen“ kann wenn man doch diese mehr als günstige Möglichkeit hat. Selbst wenn man den Anschluss nicht nutzt ist es doch eine Aufwertung für das Gebäude ansich….!?!

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