Die Angst bleibt

Würde sich gerne mit anderen Betroffenen vernetzen: Uschi Borgmann aus Friedewalde, die an Vaskulitis erkrankt ist, einer seltenen Form von Rheuma. Foto: Jürgen Krüger

Friedewalde. Es beginnt mit Kopfschmerzen. „Ich habe Rotlicht angewendet, weil ich dachte, ich hätte eine Erkältung“, sagt Ursula Borgmann rückblickend auf den Dezember 2018. Es ist aber keine Erkältung. Als sie auch noch Sehstörungen bekommt und „ohne Ende“ abnimmt, geht sie am 6. Dezember 2018 zum Arzt. „Ein Donnerstag“, wie sie sagt, weil sie diesen Tag ganz sicher nicht mehr vergessen wird. Nach der Blutabnahme geht alles ganz schnell. Es folgt die Einweisung in die Notaufnahme. Neurologen stellen nach umfassenden Untersuchungen fest,  dass Uschi Borgmann mehrere kleine Schlaganfälle erlitten hat. Als Ursache diagnostizieren die Mediziner eine seltene, rheumatische Krankheit: Vaskulitis.

„Mein Immunsystem kämpft gegen sich selbst“

„Von den vier Tagen Intensivstation weiß ich nicht mehr viel“, sagt Uschi Borgmann. Doch sie erholt sich langsam. „Zuerst konnte ich kaum gehen, hatte große Schmerzen“, so die 69-Jährige, die drei Wochen im Krankenhaus bleiben muss. Zum Geburtstag ihres Ehemannes am 16. Dezember darf sie aber nach Hause. Wenige Tage danach folgt die Entlassung, so dass sie Weihnachten 2018 mit der Familie feiert. Für die Behandlung der rheumatischen Krankheit spritzt sie sich seitdem selbst einmal in der Woche das Medikament RoActemra. „Immer sonntags“, wie sie sagt. Der Wirkstoff Tocilizumab blockiert ein bestimmtes Protein, das für Entzündungen im Körper verantwortlich ist. Bei ihr sind es Gefäßentzündungen im Kopf. „Mein Immunsystem kämpft im Grunde gegen sicht selbst“, sagt Uschi Borgmann. Mittlerweile hat sie ihre Kankheit unter Kontrolle, auch wenn die Angst immer noch da ist, dass die Kopfschmerzen und Sehstörungen eines Tages zurückkehren. „Man erkennt die Symptome nicht sofort. Das macht es so kritisch, selbst wenn die Wahrscheinlichkeit für einen Rückfall durch das Medikament gleich Null ist“, sagt Uschi Borgmann, die im Nachinein betrachtet noch großes Glück hatte. Wäre sie verspätet zum Arzt gegangen, dann hätte sie durchaus einen schweren Schlaganfall erleiden können.

Rheuma-Liga hat Büro in Minden

Gerne würde sie sich mit anderen Betroffenen vernetzen, doch bislang hat sie noch niemanden gefunden, der oder die ihr seltenes Schicksal teilt. Allerdings ist sie Mitglied bei der Deutschen Rheuma-Liga und erfährt von ihrer Kursleiterin für Aqua-Fitness, Sigrid Kersting, dass sich die Arbeitsgruppe Minden gerade im Wiederaufbau befindet. Uschi Borgmann beteiligt sich aktiv und freut sich nun, verkünden zu können, dass die Rheuma-Liga NRW ab dem 14. November 2019 an der Hufschmiede 15 in Minden ein kleines Büro betreibt. Die Öffnungszeiten sind überschaubar: Jeden 2. Donnerstag im Monat von 16.30 Uhr bis um 18.30 Uhr sowie jeden 4. Freitag von 10 Uhr bis um 12 Uhr. Allerdings darf man Uschi Borgmann auch gerne privat anrufen, um sich mit ihr über Vaskulitis oder die Rheuma-Liga auszutauschen. Hier ihre Telefonnummer: (0 57 04) 5 63.

Uschi Borgmann hat 40 Jahre lang als Erzieherin gearbeitet und befindet sich seit vier Jahren im Ruhestand. Beschäftigt war sie in zwei Kindergärten  der Arbeiterwohlfahrt: 16 Jahre lang in Neesen und 25 Jahre lang als Leiterin des AWO-Familienzentrums Rahdener Straße in Espelkamp. Sie ist seit 1978 mit Alfred Borgmann verheiratet. Das Ehepaar lebt in Friedewalde und hat zwei gemeinsame erwachsene Söhne Guntram (40) und Wolfram (39) sowie sieben Enkeltöchter.