Ein Herz für Dörfer

Sie liebt den ländlichen Raum: Dr. Pia Steffenhagen-Koch, neue Regionalmanagerin für den Mühlenkreis Minden-Lübbecke. Foto: Jürgen Krüger

Minden. Geld genug ist da – aber: Dorfgemeinschaften sind heutzutage nicht mehr in der Lage, aus eigener Kraft an Fördermittel zu kommen. „Das ist ein sehr komplexes System“, sagt Pia Steffenhagen-Koch. Die promovierte Umweltwissenschaftlerin muss es wissen, denn sie ist unter anderem dafür angestellt worden, Fördergelder in den Kreis Minden-Lübbecke zu holen. Seit dem 1. März 2017 arbeitet sie für das Bündnis Ländlicher Raum als Regionalmanagerin. „Meine Aufgabe ist es, die Entwicklungsziele im  Mühlenkreis zu erreichen“, sagt die 37-Jährige. Und dazu gehört unter anderem das Projekt „Mühlenkreis 2.0“, bei dem Friedewalde eines von elf Modelldörfern ist.

Für jedes der elf Modelldörfer sind für drei Jahre 17.500 Euro kalkuliert
Das Land NRW hat dem Bündnis ländlicher Raum für die Jahr 2017 bis 2022 insgesamt 1,55 Millionen Euro für die Umsetzung seiner „Lokalen Entwicklungsstrategie“ zugesichert. Für die Stelle der Regionalmanagerin sind in den fünf Jahren 300.000 Euro vorgesehen. Die Fördersumme von 1,55 Millionen Euro stammt aus dem Programm „Vital.NRW“ und ist sozusagen ein Ausgleich für die gescheiterte Bewerbung des Kreises Minden-Lübbecke für eine EU-Förderung durch das Leader-Programm vor drei Jahren. Dort enthalten war das Projekt „Digitales Dorf“, wo Friedewaldes Ortsbürgermeister Karl-Christian Ebenau Friedewalde bereits Modelldorf für die Stadt Petershagen ins Spiel gebracht hatte. Dieses Projekt wird nun fortgeführt unter dem Namen „Mühlenkreis 2.0“. Pia Steffenhagen-Koch ist gerade damit beschäftigt, den konkreten Förderantrag zu stellen. Für jedes der elf Modelldörfer geht es immerhin um 17.500 Euro für digitale Projekte.

Internetseiten nach Friedewalder Vorbild
Geplant sind unter anderem Einrichtung und Betrieb von Dorf-Internetseiten nach Friedewalder Vorbild durch einen bezahlten „Kümmerer“ aus der Ortschaft. Kalkuliert sind 20 Stunden Aufwand im Monat, honoriert mit 15 Euro pro Stunde und das über die Projektdauer von drei Jahren. Es sind Schulungen für die Dorfreporter vorgesehen, aber auch Live-Übertragungen von Gottesdiensten zum Beispiel oder die Einrichtung digitaler Marktplätze, Nutzung von Lieferdiensten oder auch die Einrichtung digitaler Friedhöfe für Mensch und Haustier sowie Aufbau von Telemedizin. „Über die konkreten Inhalte müssen wir noch sprechen“, sagt Pia Steffenhagen-Koch. Je nach Förderprogramm und Förderquote müssen die Modelldörfer allerdings einen Eigenanteil von bis zu 6.000 Euro finanzieren. Welche Möglichkeiten es dafür gibt, ist sicherlich auch ein Thema für die Ortsbürgermeister. Eine sogenannte Projektskizze, ein grober Entwurf des Antrages, liegen beim Bundesprogramm Land.digital (Förderquote 80 Prozent) und beim Landesprogramm Vital.NRW vor (Förderquote 65 Prozent). „Wenn wir bis Ostern nichts von Land.digital hören, werden wir den Antrag bei Vital.NRW stellen“, sagt Pia Steffenhagen-Koch, die davon ausgeht, dass im Sommer das Projekt „Mühlenkreis 2.0“ starten kann.

„Mein Ziel war es, wieder zurückzukommen“
Der Weg, um an Fördermittel zu kommen, ist mühsam. Pia Steffenhagen-Koch geht ihn aber gerne. „Ich habe mich immer schon mit dem ländlichen Raum, das Ehrenamt und der Umwelt beschäftigt“, sagt sie. In Minden geboren, studiert sie in Vechta Umweltwissenschaften, pendelt aber hin und her. Im Jahr 2010 promoviert sie an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg über das Thema „Regionalsponsoring in Umwelt- und Naturschutz“. Danach geht es für ein paar Jahre an die Universität Hannover in Forschung und Lehre. „Mein Ziel war es, wieder zurückzukommen“, sagt die Wissenschaftlerin und Mutter einer dreijährigen Tochter. Sie bewirbt sich sofort auf die vom Bündnis ländlicher Raum ausgeschriebene Stelle der Regionalmanagerin und fühlt sich in ihrem neuen Job pudelwohl.

Die elf Modelldörfer
– Eickhorst für die Gemeinde Hille
– Oberbauerschaft für die Gemeinde Hüllhorst
– Niedermehnen und Westrup für die Gemeinde Stemwede
– Fiestel und Vehlage für die Stadt Espelkamp
– Friedewalde und Ilvese für die Stadt Petershagen
– Hedem für die Stadt Pr. Oldendorf
– Nammen für die Stadt Porta Westfalica
– Wehe für die Stadt Rahden

Zum Download
Präsentation Mühlenkreis 2.0 im November 2017

Regional-Forum am Montag, 26. Februar (17 Uhr bis 19 Uhr) in Gestringen

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