Herbst – die Zeit der Gesellschaftsjagden

Friedewalde. Das ganze Jahr wird geprägt durch einzelne Jäger auf Hochsitzen oder Kanzeln. Das wird kaum wahr genommen. Dabei ist das nicht nur eine freiwillige Angelegenheit, sondern laut Bundesjagdgesetz eine Pflichtaufgabe.

Im Spätherbst werden dann in den einzelnen Revieren Gesellschaftsjagden durchgeführt. Das ist immer ein besonderes Ereignis. Nicht nur die Revierpächter sind dann aktiv, sondern auch passionierte Jäger, die kein Revier haben.

Gelegenheit, um Kenntnisse zu vertiefen

Eine Gesellschaftsjagd bietet dadurch eine tolle Gelegenheit, in der Gruppe die Kenntnisse zu vertiefen. Die strengen Regeln finden rege Beachtung und werden auch gemeinschaftlich umgesetzt. Die eingesetzte Jagdleitung ist bestrebt, alle geltenden Regeln umzusetzen.

Es kommt leider regelmäßig zu Diskussionen mit Anliegern oder besorgten Haustierhaltern. Dabei ist der komplette Ablauf im Bundesjagdgesetz geregelt. Eine Jagd muss nicht öffentlich angemeldet werden, auch wenn sich Tierhalter von Katzen, Hunden, Pferden oder ähnlichem das gerne wünschen. Der Jagdbezirk ist klar definiert. Innerhalb dieser Definition gibt es weiter kein Betretungsverbot durch Zäune oder ähnliches.

Auch Tierhalter haben Pflichten

In diesem Zusammenhang sollten sich alle Tierhalter auch an ihre eigenen Pflichten erinnern. Hierzu zählt auch der Schutz der ihnen anvertrauten Tiere. Das sollte immer im Vordergrund stehen, nicht nur zum Zeitpunkt einer Jagdausübung. Dass ein abgegebener Schuss natürlich einen akustischen Schreck verursachen kann, ist verständlich. Genau da setzt aber auch jede Tierhalterpflicht ein. Ein Hund könnte verschreckt das Weite suchen. Er könnte vor ein Auto laufen, oder schlimmsten Falles auch in die Schusslinie geraten. Um das Tier zu schützen, kann es durchaus sinnvoll sein, beim Erblicken einer Jagdgesellschaft das Tier anzuleinen oder anderweitig zu sichern. Bei Weidetieren, wie zum Beispiel Pferden, sieht das ähnlich aus. Die Umzäunung muss ganzjährig so gestaltet sein, dass ein Ausbrechen nur schwer möglich ist. Es könnte ja auch ein Knall durch ein Überschallflugzeug ein ähnliches Drama verursachen.

Schutz der Tiere sollte im Vordergrund stehen

Der Schutz aller Tiere sollte immer im Vordergrund stehen. Deshalb sollte jeder Tierhalter im Spätherbst mit Jagdausübungen rechnen und geeignete Maßnahmen für sich beherzigen. Die allermeisten Gesellschaftsjagden finden übrigens an Samstagen statt. Die Tage im November und Dezember sind also kalkulierbar.

Wer weitere Informationen haben möchte, kann sich auch gerne die Jagdpächter des Revieres wenden. Zusätzlich steht auch der Vorstand der entsprechenden Jagdgenossenschaft vollumfänglich Rede und Antwort. Die Mitgliedschaft ist übrigens Pflicht für alle Eigentümer bejagbarer Flächen.

Wenn alle Seiten pflichtbewusst mit entsprechendem Sachverstand zum Wohle aller Tiere aufeinander zugehen, sind alle Diskussionen oder sogar Anfeindungen diesbezüglich überflüssig.

Holger Kruse
(Vorsitzender der Jagdgenossenschaft)

Ein gutes Beispiel für Naturschutz

Jahr für Jahr sterben Rehkitze durch das Mähen von Wiesen in der Landwirtschaft

Für die Maschinenführer ist es fast unmöglich, die Jungtiere zu erkennen. Denn sie springen beim Herannahen eines Traktors nicht auf und fliehen, sondern verstecken sich noch tiefer im Gras. Selbst wenn die Maschine nur wenige Meter an dem Versteck vorbeifährt.

Die Medien berichten dann immer wieder über die Möglichkeit der Rettung aus der Luft mit Drohnen und Wärmebildkameras.

Aber brauchbare Drohnen sind in der Regel recht teuer. Einfache Modelle beginnen ab 3.000 €. Zweckmäßige Geräte kosten leicht das Zehnfache. Darüber hinaus braucht es Übung, einen Dohnen-Führerschein und auch ein behördliches Kennzeichen.

Glücklicherweise wird in Friedewalde ein anderer Weg beschritten. Hier gibt es eine funktionierende Zusammenarbeit zwischen dem landwirtschaftlicher Lohnbetrieb Kruse GmbH und der Jägerschaft.

Eine kleinere Fläche sollte neu als sogenannte Buntbrache bestellt werden. Dazu musste der überjährige Bewuchs zunächst zerkleinert werden. Ein rechtzeitiger Anruf bei den Jägern und vor dem Beginn der Arbeiten wurde mit menschlichem und tierischem Einsatz die Fläche abgesucht. Mit Erfolg. Zwei Rehkitze konnten gefunden werden und mit der nötigen Vorsicht von der zu bearbeitenden Fläche entfernt werden.

Ein gutes Beispiel für die funktionierende Zusammenarbeit. Ein Lohnunternehmen, dass den Mähtod der Jungtiere verhindern möchte und Jäger, die sich insbesondere auch als Heger und Naturschützer verstehen. Beiden sei an dieser Stelle ausdrücklich Dank ausgesprochen.