Gut gelaunt: Karl-Christian Ebenau, Vorsitzender des landwirtschaftlichen Ortsverbandes Friedewalde. Foto: Jürgen Krüger

Friedewalde. Seit fast 20 Jahren ist Karl-Christian Ebenau Vorsitzender des landwirtschaftlichen Ortsverbandes Friedewalde. Und das, obwohl er für dieses Amt laut Statuten eigentlich schon zu alt ist. Und eigentlich möchte sich der 69-Jährige im Frühjahr 2026 auch nicht erneut zur Wahl stellen. „Ich muss es meinen Leuten nur noch beibringen“, verrät er. Da ein Nachfolger nicht in Sicht ist, wird der ehrenamtliche Job wohl wieder bei ihm hängenbleiben. „Ich mache das ja auch gerne“, gibt Karl-Christian Ebenau zu.

Der landwirschaftliche Kreisverband Minden-Lübbecke muss als Aufsichtsbehörde dann erneut seine Statuten dehnen und ein weiteres Auge zudrücken. Denn die Altersgrenze für die Vorsitzenden von landwirtschaftlichen Ortsverbänden liegt bei 65 Jahren. Ortsverband und Kreisverband sind eine Unterorganisation des westfälisch lippischen Landwirtschaftsverbandes. Es gibt auch einen Ortslandwirt, der aber gehört zur Landwirschaftskammer, dem Berufsverband der Landwirte im Kreis Minden-Lübbecke und Nordrhein Westfalen. Friedewalder Ortslandwirt ist Christian Kruse.

Höfesterben: Rund 80 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe haben aufgegeben

Der landwirtschaftliche Ortsverband spielt heute fachlich gesehen keine große Rolle mehr. Das war früher ganz anders, als es noch sehr viele Landwirte in Friedewalde gab – sowohl im Vollerwerb als auch im Nebenerwerb. Auf „um die dreißig“, schätzt Karl-Christian Ebenau die Anzahl der Betriebe in den 1980er und 1990er Jahren. Danach hieß es „wachsen oder weichen“, was dazu führte, dass die meisten Betriebe (rund 80 Prozent) längst aufgegegeben haben. Heute gibt es mit Helge Niedringhaus, Christian Kruse und Heinrich Kruse (Schroams) nur noch drei Vollerwerbsbetriebe. Heinrich Kruse und sein Sohn Henning betreiben in Wegholm als Kerngeschäft allerdings den landwirtschaftlichen Lohnbetrieb LU-Kruse, bewirtschaften aber viele der frei gewordenen Pachtflächen zusätzlich in Eigenregie. Die restlichen noch existierenden Betriebe werden entweder im Nebenerwerb geführt, haben schon reduziert oder wollen reduzieren. Dazu gehören Wilhelm Kruse (Vijaulen), Harald Lohmeier, Gert Westermann oder Kevin & Holger Kruse.

Mit Feldspritze: Das Lohnunternehmen Kruse bewirtschaftet hier eine von Karl-Christian Ebenau gepachtete Ackerfläche. Foto: Jürgen Krüger

Umso erstaunlicher ist es, dass der landwirtschaftliche Ortsverband immer noch rund 60 Mitglieder hat. Und die drei geselligen Veranstaltungen, die der landwirtschaftliche Ortsverband jährlich durchführt, sind gut besucht: Frühstück im Februar, Grillen im August und Knobeln im Dezember. Der Etat im unteren vierstelligen Bereich speist sich im Wesentlichen aus Beiträgen der Jagdgenossenschaft. Früher gab es zahlreiche Fachveranstaltungen, die für die kleinen Landwirte wichtig waren. „Das machen wir nicht mehr, weil niemand mehr da ist, den das noch interessiert“, sagt Karl-Christian Ebenau, und der ehemalige Gewerkschaftssekretär ergänzt: „Die übrig gebliebenen großen landwirtschaftlichen Betriebe haben eigene Berater, die ihnen speziell auf ihren Betrieb zugeschnitte Lösungen liefern.“ Zwei Feldbehungen mit einem Pflanzenschutzberater der Landwirtschaftskammer gebe es heute noch. Die Teilnehmerzahlen seien in den vergangenen Jahren aber deutlich zurückgegangen.

Dokumentationspflichten und Kontrollen überfordern kleinere Betriebe

Auch Karl-Christian Ebenau hat seinen landwirtschaftlichen Betrieb (Nebenerwerb) längst eingestellt und sein Land an Heinrich Kruse verpachtet. „Landwirtschaft macht keinen Spaß mehr“, sagt er. Dabei spricht der Rentner ein Thema an, das wohl alle Landwirte in Deutschland und Europa betrifft: Bürokratie. Insbesondere die umfassenden Dokumentationspflichten und Kontrollen (auch unangekündigte) mit möglichen Bußgeldbescheiden und Prämienkürzungen raubten ihm zuletzt die Nerven. „Kleinere Betriebe sind damit überfordert. Größere Betriebe haben für die Bürokratie eigenes Personal“, erklärt Karl-Christian Ebenau.

„Es kommen fast täglich neue Verordnungen und Auflagen, die du einhalten musst. Nachweise, die du erfassen, aufbereiten, vorhalten und archivieren musst. Das ist das Schlimmste von allem.“ Als Beispiel nennt er Bodenproben, die ein Landwirt regelmäßig zu nehmen habe und an denen er Düngeberechnungen vornehmen müsse. Das übernehmen mittlerweile externe Dienstleister, was wiederum Kosten verursacht.

Der Ackerbau habe ihm immer große Freude bereitet: Bodenbearbeitung, Sähen, Ernten. Für den gläubigen Christen war die Arbeit als Landwirt immer auch Erfüllung, wobei ihm Sähen den meisten Spaß gemacht habe. „Das war schön anzusehen, wenn die Reihen da liegen und das Feld sauber bestellt ist“, sagt Karl-Christian Ebenau. „Pflügen war nicht so mein Ding. Das war mir immer zu langweilig.“ Übrig geblieben sind nur noch die drei Traktoren, die in seiner Scheune ihren Lebensabend verbringen.

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