
Friedewalde. Als es noch kein Internet gab, waren Großplakate ein bewährtes Mittel, um Werbung zu machen. Mittlerweile ist die Kommunikation weitestgehend digitalisiert. Umso erstaunlicher ist die momentane Aktion der JENZ GmbH, um neue Mitarbeiter zu gewinnen: mit Großplakaten. Die sind in der Region verteilt, doch ein Großplakat sticht besonders heraus: Es steht am Ortsausgang von Friedewalde in Richtung Holzhausen II – auf einem historischen Anhänger. „Wir haben alle Social-Media-Kanäle bespielt. Und dann haben wir uns die große Plakatwerbung überlegt“, sagt Elisabeth Holland, Leitung Marketing & Kommunikation beim Wegholmer Unternehmen. Das Plakat auf einen Anhänger zu stellen, war allerdings die Idee ihres Bruders Wilhelm Hermeier, der bei JENZ in der Logistik arbeitet.
Ausgezichnet: Ein Zahnstangenkipper aus dem Jahr 1948
Es ist kein gewöhnlicher Anhänger. Firmengründer Hans Jenz, der Ur-Großvater von Elisabeth Holland und Wilhelm Hermeier, hat ihn gebaut. Und zwar im Jahr 1948, wie das Typenschild verrät. Originell ist auch die Ortsmarke „Wegholm bei Minden“. Der Schmiedemeister war immer sehr innovativ, und der von ihm erfundene Zahnstangenkipper setzte in den 1940er Jahren einen Meilenstein in der Landwirtschaft. Landläufig wurde diese Art von Anhänger auch „Gummiwagen“ genannt, weil sie Reifen aus Gummi hatten. Die Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft (DLG) zeichnete den JENZ-Zahnstangenkipper seinerzeit sogar aus. Mit diesem Produkt legte Hans Jenz den Grundstein für die heutige JENZ GmbH, die moderne Biomasse-Aufbereitstechnik, mobile Holzhacker und Schredder am Gründungstandort in Wegholm produziert und weltweit vertreibt.

Firmengründer Hans Jenz wächst in Kutenhausen auf
Von diesen Anhängern gibt es nicht mehr viele, und schon gar nicht solche in einem derart guten Zustand. Der Zahnstangenkipper stand jahrelang geschützt auf einem Hof in Kutenhausen herum. Und auch dieser Hof ist besonders, denn auf diesem Hof ist Hans Jenz bei Pflegeltern aufgewachsen. Er war ein Waisenkind, das um das Jahr 1900 herum im Alter von fünf Jahren zuerst den Vater und kurz darauf seine Mutter verlor. Am 6. Januar 1921 machte sich Schmiedemeister Hans Jenz dann in Wegholm selbstständig. Gut 100 Jahre später arbeiten rund 250 Menschen für ein Unternehmen, das in vierter Generation geführt wird und es zum „Hidden Champion“ gebracht hat. Das sind mittelständische Unternehmen, die in ihrer Marktnische Europa- oder Weltmarktführer sind.

Die große Innovationskraft führt bei JENZ dazu, dass die Produktion „etwas ausgeweitet werden soll“, wie Elisabeth Holland sagt. „Unser neuestes Modell Hackthor wird gut im Markt angenommen“, so die 38-Jährige. Der „Hackthor“ ist ein selbstfahrender Holzhacker mit einer Systemleistung von bis zu 1.325 PS. JENZ braucht dringend neue Mitarbeiter, insbesondere im Produktionsbereich, aber nicht nur. Momentan (Anfang Juli 2026) gibt es 16 offene Stellen, Initiavtivbewerbungen seien ebenfalls möglich, wie Elisabeth Holland sagt. Sie habe durchaus die Hoffnung, dass sich jemand durch die Großplakate angesprochen fühlt, der sich beruflich verändern möchte und sich bei JENZ bewirbt.