Seit 51 Jahren verheiratet: Christel und Willi Kleine. Foto: Jürgen Krüger

Petershagen. Ein Leben ohne Garten ist möglich, aber sinnlos. Diesen Satz würden Christel (71) und Willi Kleine (74) sofort unterschreiben. Vor sieben Jahren haben sie Friedewalde verlassen und sind nach Petershagen gezogen. Da ist es an der Zeit, einmal Bilanz zu ziehen.

Das Ehepaar lebte in Friedewalde in einem wunderschönen, aber auch sehr großen Anwesen. Es ist das Elternhaus von Christel Kleine, geborene Krückemeier, am Hallbruch. Die ausgezeichnete Lage und die Schönheit des Anwesens täuschen aber möglicherweise darüber hinweg, dass dort auch sehr viel zu tun ist. „Das Gehöft hätte uns überfordert – arbeitsmäßig und finanziell“, fassen Christel und Willi Kleine ihre heutigen Erkenntnisse zusammen. Von ihren Zwillingstöchtern Diana und Carmen wollte keine die Nachfolge antreten. Von daher sei die Entscheidung zum Verkauf zum damaligen Zeitpunkt die richtige gewesen.

Mutter Henny wollte in Friedewalde bleiben

Der Plan seinerzeit war, in Petershagen am Neerenweg zunächst einen Neubau mit zwei Wohnungen im Erdgeschoss zu beziehen. Die eine Wohnung sei für sie selber bestimmt gewesen, die andere für Christels Mutter Henny Krückemeier. Letztere entschied sich aber, in Friedewalde zu bleiben und ins Alten- und Pflegeheim Kruse einzuziehen. Dort ist Henny Krückemeier am 23. November 2022 im Alter von 95 Jahren auch gestorben.

„Wir haben jetzt einen Garten mit Haus gekauft“

Christel und Willi Kleine bezogen die Neubauwohnung zur Miete, hatten aber damals schon die Absicht, dass es nur eine Übergangslösung sein soll. „Der Immobilienmarkt war damals angespannt. Wir wollten keinen Schnellschuss und uns in Ruhe etwas suchen, das zu uns passt“, sagt Willi Kleine. Dass das genau gegenüber sein wird, ahnten sie natürlich nicht. Doch so kam es: Das Haus gegenüber stand plötzlich zur Disposition, nachdem sich der Eigentümer entschieden hatte, Petershagen zu verlassen. Bei der Besichtigung schaute Christel Kleine aus dem Fenster in den Garten. Und da war es geschehen. „Ich habe da gestanden und mich selber gefragt: Wie geil ist das denn?“ Hinter dem Haus erstreckt sich nämlich ein großer Garten, der von der Straße aus nicht einsehbar war. „Wir kannten ja nur die Fassade dieses unscheinbaren, grauen Hauses“, gibt Willi Kleine zu und fügt selbstironisch an: „Wir haben jetzt einen Garten mit Haus gekauft.“ Sie sanierten das Gebäude aus den 1970er Jahren komplett und leben nun dort.

Die Nahversorgung in Friedewalde ist zusammengebrochen

Hinter dem lang gezogenen Garten ist freies Feld, und in rund 100 Metern verläuft der Weserradweg. Ideal für das sportliche Ehepaar, das sich mit Radfahren, Laufen und Krafttraining im Fitnessstudio fit hält. „Ich freue mich, jetzt endlich ein selbstbestimmtes Leben führen zu dürfen, weil man früher viele Anforderungen zu erfüllen hatte – beruflich als auch familiär“, sagt Christl Kleine. Sie hat in Friedewalde als Zahnarzthelferin bei den drei Zahnärzten Wieloch, Mühl und Samson gearbeitet, die jeweils die Praxis vom anderen übernommen haben. Willi Kleine hat 50 Jahre im öffentlichen Dienst gearbeitet, zunächst beim Amt in Hille-Hartum, dann 40 Jahre bei der Stadt Minden. Der Diplom-Verwaltungswirt ging als Oberverwaltungsrat in den Ruhestand.

Idyllisch: Christel und Willi Kleine in ihrem Garten ihres Hauses in Petershagen. Foto: Jürgen Krüger

So etwas wie Heimweh hätten sie nie verspürt. „Das hat sicherlich auch damit zu tun, dass wir innerhalb von Friedewalde ja auch zweimal umgezogen sind. Von daher hatten wir damit Erfahrung“, sagt Willi Kleine. Außerdem haben sie geahnt, dass sich Nahversorgung und Infrastruktur in Friedewalde nicht positiv entwickeln werden. „Wir haben nur nicht damit gerechnet, dass es so schnell geht“, sagt Willi Kleine. In Friedewalde gibt es nicht mehr viel: Arzt, Zahnarzt, Apotheke, Banken, Gaststätten, Bäckerei, Ladengeschäft – das alles ist verschwunden. Da ist Petershagen-City deutlich besser aufgestellt. Vieles lässt sich auf kurzem Wege zu Fuß oder mit dem E-Bike besorgen.

Auch sind Christel und Willi Kleine nicht die einzigen, die Friedewalde in der Vergangenheit verlassen haben. Mehrere, teilweise in Friedewalde geborene Bürgerinnen und Bürger, haben dem Ort den Rücken gekehrt. Die meisten von ihnen sind nach Minden oder Petershagen gezogen.

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