Friedewalde. Fast vierzig MItglieder des Altenclubs trafen sich wieder einmal zum monatlichen Treffen. Gast und Hauptreferentin war Heidi Krause-Frische, Theologin und Autorin aus Minden und deutschlandweit als christliche Referentin unterwegs.

Nach der Begrüßung durch die Vorsitzende Karin Fabry wurde zunächst in einer Gedenkminute an die unlängst verstorbene Carola Westermann gedacht, die viele Jahre Mitglied des Altenclubs gewesen war. Ihr Namensschild und eine Kerze waren dazu aufgestellt. Nach dem gemeinsamen Kaffeetrinken begann dann der Vortrag von Frau Krause-Frische zu dem Thema: Gelassen älter werden – in Würde älter werden.

Sie appellierte, sich dem Thema nicht nur zu stellen, sondern auch die Chancen zu erkennen und die vielen Möglichkeiten, diese Lebensphase sinnvoll, bewusst und dankbar zu gestalten und zu füllen. Klar müsse sein: Beim Älterwerden geht es nicht um einen festgelegten Zeitpunkt, sondern um einen lebenslangen Prozess. Und der gestalte sich für jeden Menschen anders. Darum laute die Frage nicht, wie alt wir werden, sondern wie wir alt werden. Gegen das kalendarische Alter können man nichts tun, aber dass man sich geistig frisch halte, körperlich einigermaßen fit bleibe und vor allem emotional in guten Beziehungen bleibe, dafür können man viel tun.

Frau Krause-Frische forderte die Anwesenden auf, gut hinsehen, welches Bild vom Alter die Betroffenen prägen würde. Ob es zuversichtlich stimmt, oder ob es körperlich und geistlich zusammenschrumpfen lässt, oder wie es in einem Artikel geheißen hat, verzwergen lässt.

Besonders wichtig sei, bei allem wirklich den Humor nicht zu verlieren. Sie brachte das Beispiel einer ältere Dame, die schmunzelnd meinte: „Du erkennst, dass du älter geworden bist, wenn du die, die du früher in der Disko getroffen hast, jetzt eher in der Apotheke triffst“.

Ebenso wichtig sei, nicht zu klagen. Die Eingangsfrage laute ja: „In Würde alt werden – Was heißt das und wie gelingt das?“ Sicher nicht, indem man sich bequem zurücklehne und erwarte, dass Würde einfach in den Schoß fällt. Schlimmer noch: Sie einzufordern, weil schließlich ein Recht auf Würde bestände. Würde wäre dem Menschen zwar als Gottes Ebenbild mitgegeben und mit dem Prädikat „sehr gut!“ versehen. Gott nimmt sein „sehr gut“ auch nicht zurück, wenn das Geschöpf deutliche Altersspuren trüge: Kratzer, Macken und manche Schrammen. Und Würde hängt auch nicht von Bildung, Besitz, Chic, oder Gesundheit und Falten ab. 

Würde habe es aber immer mit gegenseitiger Würdigung zu tun. Etwas salopp heiße es ja: „Ehret die Alten, eh sie erkalten!“ Aber zu diesem „Ehret“ gehöre unweigerlich, dass Ältere selbst etwas „zu Ehrendes“ vorweisen könnten. Wie sollten junge Menschen sie ehren können, wenn diese ihr Alter verstecken oder bejammern. Bei manchen Frauen habe man den Eindruck: „Keine Grenze verlockt mehr zum Schmuggeln als die Altersgrenze“. Darum solle man lieber den Ratschlag des Gesundheitsbuches für Leib und Seele, der Bibel beachten „Hab acht auf Dich selbst!“ D.h.: Für die eigene Würde müsse man auch selbst etwas tun. Die späten „goldenen Jahre“ würde man nicht umsonst erhalten. Wichtig wäre, dass man möglichst frühzeitig erkenne, wie man seinen Körper und erst recht den Geist dazu bringe sich auch nach dem siebzigsten Geburtstag noch wohlzufühlen. Herrlich knapp würde das Franz Müntefering auf den Punkt bringen, der inzwischen mit Mitte achtzig immer noch durchs Land reise und sein Buch vorstelle: „Unterwegs! Älterwerden in dieser Zeit“. Er erzählte, dass er sich bemühe, sich an die drei großen L zu halten. Laufen, Lernen, Lachen.

Glücklicherweise könne es nie zu spät sein, mehr für die Gesundheit zu tun. Deshalb sei der Spruch „Sich regen bringt Segen!“ so richtig.

Frau Heidi Krause-Frische: „Solange ich im Kopf klar bin, bin ich mitverantwortlich für das, was passiert. Das heißt, dass ich mich mit den Kräften, die ich (noch) habe, einsetze. Gemeinden und unsere Gesellschaft leben vom Einsatz junger und älterer Menschen. Die sind oft 60 plus und älter. Viele engagieren sich – solange sie es können – in einer Gruppe, einem Orts-Verein, bei der Tafel, bei den „grünen Damen“ oder im Hospiz. Persönlich habe sie sich angewöhnt morgens im Bett zu fragen: „Wozu stehe ich heute auf? Gibt es etwas, was mich anregt, was auf meinen Einsatz wartet und womit ich Freude machen kann? Oft kämen ihr dann Einfälle, die neu für sie sei. Und ein besonderes Ehrenamt müsse sie noch würdigen. Ihr scheine, dass Gott das Leben vieler älterer Menschen damit kröne, dass er sie würdigt, Großeltern zu sein.

Aber zur Würde geselle sich auch die Bürde; immer und unausweichlich. Zu Recht heiße es: „Denk an deinen Schöpfer in deiner Jugend, ehe die bösen Tage kommen und die Jahre nahen, da du sagen wirst: „Sie gefallen mir nicht!“ In Würde alt werden gelinge daher besser, wenn man sich rechtzeitig frage: „Was kann, was muss ich in meinem Alter lernen, bedenken, damit ich meine Lebensjahre klug lebe“. Dann würde diese „Nochzeit“ eine geschenkte Gnadenzeit, die Ältere nicht nur klug nutzen, sondern auch von Herzen genießen dürften.

Sie schloss mit einem Bild von Karl Valentin, einem Karren mit Gerümpel und obendrauf einem Schild: „Ich bin nicht fertig geworden“. Diese heitere Gelassenheit wünschte sie allen im jeweiligen Alter. Es wäre nicht nur erlaubt, sondern auch würdevoll, zu den Grenzen zu stehen. Und wie befreiend. Man müsse sich vor Augen führen, noch könne man dies und das schaffen. Aber man müsse nicht alles schaffen. Und man dürfe sich immer auf das Wort aus Jesaja 46 berufen: „Ja, ich will euch tragen bis ins Alter und bis ihr grau werdet. Ich will es tun, ich will heben und tragen und erretten!“.

Für diesen engagierten Vortrag erhielt Frau Krause-Frische langanhaltenden Beifall und den Dank und ein Präsent von Frau Fabry. Nächster Termin ist der 1o. Oktober. Regina Kruse-Mohrhoff präsentiert dann alte und neue Herbstlieder.

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