Die Geschichte einer Urne

Historische Urnenbestattung in Friedewalde: Daniel Bake (von links, Gesellschaft zur Förderung der Bodendenkmalpflege im Kreis Minden-Lübbecke e.V.), Anita Ostermeier, Thomas Ahrens, Ilona Wiese, Claudia Sulzbacher (RAUZWI Lebendige Archäologie Mittelweser e. V.) Foto: Jürgen Krüger

Friedewalde. Daniel Bake kann gut erzählen. Das muss der 34-jährige auch, denn ohne die passende Geschichte hinter archäologischen Funden fehlt die Orientierung. Die Geschichte über eine in Costedt gefundene Urne ist allerdings so abenteuerlich, dass sich sogar zahlreiche Medien (WDR, Mindener Tageblatt, Neue Westfälische) als auch der Landtag von Nordhrein Westfalen dafür interessieren. Jetzt möchte der Grabungstechniker, der die Gesellschaft zur Förderung der Bodendenkmalpflege im Kreis Minden-Lübbecke (GeFBML) im Jahr 2017 mit gegründet hat und dessen Geschäftsführer er ist, die Geschichte dieser Urne verfilmen. Dafür braucht er ein kleines Stück Ackerland, womit Karl-Christian Ebenau dienen kann. Der ehemalige Ortsvorsteher von Friedewalde ist Mitglied bei der GeFBML.

Vorbereitung: Claudia Sulzbacher trägt die Urne, in diesem Fall ein kleineres Duplikat des Originals, zur „Grabstätte“, während hinter ihr Ilona Wiese den Umhang von Thomas Ahrens verschließt. Foto: Jürgen Krüger

Diebe klauen die Urne und geben sie 32 Jahre später zurück

Im Jahr 1989 entdecken Archäologen unter der Leitung von Werner Best in Costedt 43 Gräber aus der jüngeren römischen Kaiserzeit (ca. 150 bis 250 n. Chr.), darunter auch die Urne, die laut Grabungsbuch „einen breiten, nach außen biegenden Rand, gut 1 cm breit, einen steil abfallenden Hals hat – etwa so wie die Uslar-II-Urnen, dann aber ein gewölbtes Unterteil“. Der Fund sorgt seinerzeit durchaus für mediales Aufsehen, was wohl auch Diebe aufhorchen lässt. Und so stehlen Unbekannte noch während der Ausgrabung die rund 1.800 Jahre alte Urne. Das Entsetzen nicht nur unter Fachleuten ist groß. Knapp 32 Jahre später, im Januar 2021, öffnet der Friedewalder Friedhelm Raute morgens seine Haustür an der Förthofstraße und findet ein Paket. Der Diplom-Ingenieur und Vorsitzender der GeFBML traut seinen Augen nicht. Im Paket liegt ein altes und beschädigtes Tongefäß. Es ist die verschollene Urne, was später zweifelsfrei nachgewiesen wird. Im Paket liegt ein Begleitschreiben mit folgendem Inhalt. „Sehr geehrte Damen und Herren, hiermit überlasse ich Ihnen die Urne aus Costedt, die ich den 1980er-Jahren auf dem Gelände des Guts Rothenhoff ausgegraben habe. Dies war nicht richtig und ich entschuldige mich hiermit aufrichtig. Bitte kümmern Sie sich um das gute Stück. Vielen Dank und Grüße, ein Anonymer.“

Mit der Regieklappe in der Hand: Daniel Bake erklärt den Darstellern die folgende Szene. Karl-Christian Ebenau (rechts) beobachtet die Lage. Foto: Jürgen Krüger

Acker in Friedewalde wird Drehort

„Einen solchen Vorgang hat es in der deutschen Archäologie noch nicht gegeben“, sagt Daniel Bake, der nach eigenen Angaben ehrenamtlich für die GeFBML arbeitet. Das wiederum bringt ihn auf die Idee, die Geschichte der Costedter Urne zu verfilmen. Und diese Geschichte beginnt nun einmal vor 1.800 Jahren, als in der Urne in Costedt wahrscheinlich die Asche „einer Person älter als 50 Jahre“ begraben wird. Das Geschlecht lässt sich nicht mehr festlegen, da die Urne während ihrer Zeit in Diebeshänden ausgewaschen worden ist. Auf dem Acker von Karl-Christian Ebenau am neuen Friedhof in Friedewalde stellen Daniel Bake und sein Filmteam die Bestattungszene nach. Da in die römische Kaiserzeit keine modernen Klamotten passen, bitten Daniel Bake und seine Freundin Karin Höhle, zugleich Pressesprecherin der GeFBML, den Verein RAUZWI – Lebendige Archäologie Mittelweser um Hilfe.

Der Abschluss: Thomas Ahrens (vorne), Claudia Sulzbacher (von rechts) und Ilona Wiese schauen zu, wie Anita Ostermeier die Urne mit einem Deckel abschließt. Foto: Jürgen Krüger

Im August soll der Film fertig sein

Der Verein erforscht und rekronstruiert eine archäologische Fundstelle auf einem altsächsischen Gräberfeld in Liebenau-Steyerberg. Auf dem musealen Areal finden gelegentlich Veranstaltungen mit handwerklichen Tätigkeiten und Vorführungen durch Vereinsmitglieder in frühmittelalterlicher Bekleidung, die Einblicke in das damalige Leben geben, statt. Genau das, was Daniel Bake braucht. Thomas Ahrens, Ilona Wiese und Claudia Sulzbacher schlüpfen so in ihre Gewänder und in die Rolle der Schauspieler, die die Bestattungsszene aus der römischen Kaiserzeit auf dem Acker in Friedewalde darstellen. Die Szene gehört zu einem von sieben Drehtagen, an denen Daniel Bake das Filmmaterial zusammenbekommen möchte. Es folgt die sogenannte Postproduktion, in der aus dem Material die Geschichte der Urne geschnitten wird. Aber – Geschichten erzählen, das kann Daniel Bake ja. Im August soll der Film fertig sein.

Teamarbeit: Karin Höhle (rechts), Pressesprecherin der Gesellschaft zur Förderung der Bodenpflege im Kreis Minden-Lübbecke, macht Aufnahmen von Karl-Christian Ebenau (von links), Thomas Ahrens, Daniel Bake, Anita Ostermeier und Claudia Sulzbacher (verdeckt). Foto: Jürgen Krüger

Hausanschlüsse folgen

Er kennt sich aus: Der technische Betriebswirt Markus Gromsztat führt momentan in Friedewalde die Hausbegehungen für den Glasfaseranschluss durch. Foto: Jürgen Krüger

Friedewalde. Während die ersten Sonnenstrahlen auf den nahenden Frühling hinweisen, fährt Markus Gromsztat durch Friedewalde. Der 42-jährige technische Betriebswirt aus Cloppenburg bespricht im Auftrag des Tiefbauunternehmens Jörgensen & Schmidt mit den Hauseigentümern den Glasfaseranschluss. Es geht darum, rechtssicher zu klären, wo genau der sogenannte Hausübergabepunkt (HÜP) installiert werden soll. Markus Gromsztat macht Fotos, fertigt Notizen und eine kleine Skizze an und setzt Häkchen in einem Formular. Anschließend muss der Eigentümer die Vereinbarungen unterschreiben. „Wir können ja nicht einfach so, ohne Einwilligung durch die Eigentümer, Löcher durch Hauswände bohren. Das wäre Sachbeschädigung“, erklärt Markus Gromsztat den Sinn seiner Arbeit.

Jedes Haus bekommt sein eigenes Kabel

In Friedewalde ist noch ein weiterer Kollege im Einsatz. Den vorbereitenden Anruf tätig die sehr freundliche Sarah Schwarz. Nach der Begehung lädt Markus Gromsztat die Daten in eine Cloud hoch. Dort bedienen sich die Tiefbauer, die relativ zeitnah mit den Arbeiten beginnen. „Dazwischen liegen oft nur ein paar Tage“, verrät er. Im nächsten Schritt werden die Glasfaserkabel in die Leerrohre eingeblasen, wobei jeder Haushalt eine eigene, direkte Verbindung zum Verteiler bekommen soll. „Man braucht sich dann seine Leitung nicht mehr mit anderen zu teilen“, erläutert der Fachmann.

Diekweg ist erst der Anfang

Straße ohne Namen: Die Abkürzung zwischen Lavelsloher Straße und Holzhauser Straße wurde gebaut, um den Transport der Särge von der Kapelle auf dem neuen Friedhof zum alten Friedhof zu gewährleisten. Mit dem Auto benötigt man rund eine Minute, um auf die Holzhauser Straße zu gelangen, durch den Ort zu fahren dauert es 45 Sekunden länger. Foto: Jürgen Krüger

Petershagen-Friedewalde. Pläne, Zeichungen und Karten sind nützlich, denn sie reduzieren die Wirklichkeit auf das Wesentliche. Das gilt auch für das Wirtschaftswegekonzept der Stadt Petershagen. Beschlossen und verkündet im Jahr 2017 dümpelten die Modelle eine Weile vor sich hin, bis aus daraus Realität wurde. Mit der Umgestaltung eines Teiles des Diekweges in eine Fahrbahn mit wassergebundener Decke begannen die Probleme, denn plötzlich bekamen insbesondere die Wegholmer zu spüren, welche Konsequenzen die Umgestaltung hat. Das Ergebnis der Bauarbeiten ist jetzt für jeden sichtbar und spürbar. Und das ist erst der Anfang. „Aber“, beruhigt Kay Busche, stellvertretender Bürgermeister und Leiter der Bauverwaltung, „in diesem Jahr 2021 und nächstes Jahr 2022 sind keine weiteren Rückbaumaßnahmen in Friedewalde geplant.“

Der Zustand der Verbindung zwischen Lavelsloher Straße und Holzhauser Straße ist zumindest in Teilen bedenklich. Foto: Jürgen Krüger

Ein Blick auf die Karte offenbart aber noch einige hellblau markierte Straßenabschnitte. Das sind die Wege, für die laut Planungsbüro Ge-Komm aus Melle keine „bituminöse Befestigung notwendig“ sei. Die Bewertung hat die Gesellschaft für Infrastruktur, wie sich Ge-Komm selbst bezeichnet, nach Bereisung durch die Dörfer vorgenommen und in einer Kartenübersicht zusammengefasst. Die Karten für jede Ortschaft hat die Stadt Petershagen auf ihrer Internetseite veröffentlicht. Allerdings seien die Karten lediglich als „Handlungsgrundlage“ zu verstehen, wie Kay Busche sagt. „Da ist nichts ist in Stein gemeißelt“. Entschieden werde anlassbezogen, aktuell und vor Ort.

Betroffen: Die Straße „Zur Kloppenburg“, von der Südfelder Straße bis zum ersten Haus (hinten links).
Der Brandheider Weg soll ab dem Haus von Nicole und Dirk Ruhe eine wassergebundene Decke bekommen. Foto: Jürgen Krüger

Von Friedewalde bis nach Mailand sind es rund 1.000 Kilometer. Genauso lang ist das Straßennetz der Stadt Petershagen. Da war seinerzeit die Überlegung, ob es nicht Sinn mache, einige Straßen mit wassergebundener Decke auszustatten, um Straßenunterhaltungskosten zu sparen. Das Verfahren lief mit öffentlicher Beteiligung und wurde im Februar 2017 verabschiedet. Seitdem habe die Stadt Petershagen nach Aussage von Kay Busche aber erst 6,5 Kilometer Weg umgestaltet. Und funktionsfähige Straßen würden auch nicht „geschreddert“, wie viele befürchten. „Wir müssen die Verkehrssicherheit beachten“, sagt der Diplom-Bauingenieur. Sollte die Verkehrsicherheit in Gefahr geraten, so würde die Stadt Petershagen die Verkehrsteilnehmer zunächst mit Schildern „Vorsicht Straßenschäden“ warnen. Im weiteren Verlauf würde vor Ort entschieden, wie weiter zu verfahren sei. Dabei spielten auch aktuelle Entwicklungen, wie zum Beispiel die Fahrstrecken der Schulbusse, eine Rolle.

Der Kämpenweg, Verbindung zwischen Lavelsloher Straße und dem Feuerwehrgerätehaus (vorne), steht in der Liste der Straßen, für die keine bituminöse Befestigung vorgesehen ist. Foto: Jürgen Krüger
Betroffen: Das Teilstück „In den Dannen“ von der Lindheide bis zum Hof des landwirtschaftlichen Lohnbetriebes Heinrich Kruse.
Betroffen: Das Teilstück vom „Bahndamm“ zwischen der Straße „Auf dem Winkel“ (hinten) bis zum Haus links. Die Zufahrt von der Friedewalder Straße zum IVL Baumaschinenverleih (Mitte) bleibt von den Überlegungen verschont. Foto: Jürgen Krüger
Betroffen: Der Rieheweg zwischen Lavelsloher Straße und dem ersten Haus (hinten rechts) auf dem Weg zur Kleiriehe. Foto: Jürgen Krüger
Protest: Anwohner des Rieheweges zwischen Lavelsloher Straße und Galgenheide Straße fordern auf einem selbst gestalteten Schild eine geteerte Straße, aber beschränkt auf 3,5 Tonnen zulässiges Gesamtgewicht. Foto: Jürgen Krüger
Betroffen: Die Kleiriehe ab der Südfelder Straße in Richtung L770. In der Mitte quert der Diekweg, der als erste Straße überhaupt in Friedewalde eine wassergebundene Decke erhalten hat. Foto: Jürgen Krüger

Himmelfahrt: Mühlenlauf virtuell

Einzigartig: Marie Hermeier trägt hier die Nummer 1.000, die exklusiv an Sponsor JENZ vergeben wurde. So ganz aus der Luft gegriffen ist die Startnummer aber nicht, denn in den Jahren 2018 und 2019 zählte der Friedewalder Mühlenlauf jeweils knapp eintausend Teilnehmer. Foto: Maximilian Harre

Friedewalde. Wie im vergangenen Jahr 2020 sagt der TuS Freya Friedewalde auch dieses Jahr 2021 die Austragung des Mühlenlaufes ab, hat aber als Alternative die virtuelle Variante im Angebot. So freut sich Organisatorin Claudia Heiden auf möglichst viele Teilnehmer am Donnerstag, 13. Mai 2021 (Christi Himmelfahrt). „Ihr könnt bei euch vor der Haustür, auf der Lieblingsstrecke oder auch auf der Mühlenlaufstrecke, jedoch unter Einhaltung der aktuellen Coronaschutzverordnung, laufen“, sagt die Leiterin des Lauftreffs. In Friedewalde sind die Laufstrecken 5 Kilometer, 10 Kilometer und der Halbmarathon offiziell vermessen. Wer die originalen Strecken laufen möchte, muss das allerdings in eigener Verantwortung machen, da der TuS Freya Friedewalde nicht als Veranstalter auftritt.

Mitten drin: Claudia Heiden (blau-gelbes Shirt), Leiterin des Lauftreffs und Organisatorin des Friedewalder Mühlenlaufes, hier beim Kindertraining. Foto: Jürgen Krüger

Keine Startgebühr

Die technische Organisation der 11. Auflage übernimmt Time-Team-Jung aus Wadersloh, seit Beginn im Jahr 2010 ein verlässlicher Partner des Friedewalder Mühlenlaufes. Die Online-Plattform wird „raceresult“ sein. Die virtuelle Variante beruht auf Technik und Vertrauen. Die Sportlerinnen und Sportler zeichnen ihren Lauf entweder mit dem Smartphone und einer Lauf-App auf oder mit einer GPS-fähigen Laufuhr und senden die Daten dann an „raceresult“, inklusive Foto von der App oder der Laufuhr. Wichtig sei, dass die Läufe am Himmelfahrtstag (Donnerstag, 13. Mai 2021) in der Zeit von 8 Uhr bis um 18 Uhr durchgeführt werden. Die Anmeldung für den Mühlenlauf ist sogar noch am Veranstaltungstag bis um 15 Uhr möglich. Die Ergebnisse sind dann über raceresult einsehbar. „Wir verzichten auf eine Alterklassenplatzierung, sondern es wird nur die Gesamteinläufe männlich/weiblich geben“, sagt Claudia Heiden. Hier die Wettbewerbe: 660m Bambinilauf (bis 7 Jahre), 1 km Meter Kinderlauf (6 bis 10 Jahre), 2 km Mühlenlauf, 5 km Mühlenlauf, 10 km Mühlenlauf, Halbmarathon.

Der TuS Freya Friedewalde erhebt nach eigenen Angaben keine Startgebühr. „Allerdings würden wir uns sehr über eine kleine Spende für die Kinder- und Jugendabteilung sowie für den Lauftreff freuen“, sagt Vorsitzender Arne Wohl. Da es für die jeweils drei Erstplatzierten Sachpreise gebe, bitten Claudia Heiden und Arne Wohl darum, bei der Anmeldung die Adresse mit anzugeben. Alles weitere veröffentlicht der Sportverein demnächst auf der Website des Mühlenlaufes http://muehlenlauf.friedewalde.de.

Bankverbindungen für die Spende

TuS Freya Friedewalde 1920 e.V.
Volksbank Herford-Mindener Land: IBAN DE 95 4905 0101 0060 0017 73
Sparkasse Minden-Lübbecke: IBAN DE10 4949 0070 0200 3547 00
Verwendungszweck: Spende Mühlenlauf

Auf geht’s: Der Start beim Halbmarathon des 9. Friedewalder Mühlenlaufes auf der Kleiriehe. Die Nummer 2039 trägt Stephan Bretthauer, Sieger der Mühlenkreisserie über die lange Distanz. Foto: Maximilian Harre

Start der Mühlenkreisserie verschiebt sich

Der Mühlenlauf des TuS Freya Friedewalde ist einer von neun Läufen der Mühlenkreisserie, die im vergangenen Jahr ebenfalls abgesagt worden war. Und auch für dieses Jahr ist die Durchführung der beliebten Laufserie im Kreis Minden-Lübbecke nicht gesichert. Die TG Werste hatte den 1. Lauf der Serie, den Weser-Werre-Lauf, der für den 22. März 2021 vorgesehen war, abgesagt. Der Mühlenlauf in Friedewalde am Donnerstag, 13. Mai 2021, wäre der 2. Lauf der Mühlenkreisserie gewesen, und auch der 3. Lauf beim OTSV Pr. Oldendorf drei Tage später (Sonntag, 16. Mai 2021) ist bereits abgesagt. Das bestätigte Inge Kolbe, Leiterin der Leichtathletikabetilung des OTSV, auf Anfrage. Es bleiben also nur noch sechs Läufe übrig, wobei die nächste Möglichkeit einzusteigen am Sonntag, 6. Juni 2021, bei den Lübbecker Berglöwen ist.

Festgefahren

Streitpunkt: Der durch zwei Metallpfosten gesperrte Diekweg, der mit einer wassergebundenen Decke versehen ist, hier beginnend an der Südfelder Straße in Richtung Bohnhorster Weg. Foto: Jürgen Krüger

Petershagen-Friedewade. Die Begrifflichkeit, eine „Straße zu schreddern“ findet Kay Busche befremdlich. „Wir schreddern keine Straßen“, sagt der stellvertretende Bürgermeister der Stadt Petershagen und Leiter der Bauverwaltung. Viel lieber benutzt der Diplom-Ingenieur den Fachbegriff „wassergebundene Decke“ für die besondere Form des Fahrbahnbelages, der erstmalig in Friedewalde am Himmelfahrtstag 2019 freigegeben wurde. Die Teilnehmer des 9. Friedewalder Mühlenlaufes durften die wassergebundene Decke auf einem Teilstück des Diekweges sozusagen einweihen.

Autofahrer kacheln wie auf einer Rennstrecke

Das war dann auch schon die letzte erfreuliche Meldung von diesem Straßenabschnitt. Autofahrer hielten sich offenbar nicht an die Geschwindigkeitsbeschränkungen, so dass Anwohner Jürgen Müller durchsetzte, dass die Stadt Petershagen die Strecke im Herbst 2020 mit Pfosten für den Durchgangsverkehr sperrt. Seitdem können nur noch Radfahrer und Fußgänger den Diekweg zwischen Südfelder Straße und Bohnhorster Weg durchgängig nutzen. Autos und Traktoren müssen einen Umweg nehmen. Das wiederum brachte einige Landwirte auf, darunter Holger Kruse. Die Wegholmer organisierten einen stillen Protest am Rande einer Fachaussschusssitzung des Petershäger Stadtrates in Windheim und haben inzwischen eine Bürgerinitiative gegründet.

Wunde verarztet: Ein Fachunternehmen hat die angesägten Pfosten wieder zusammengeschweißt. Foto: Jürgen Krüger

Angesägte Pfosten wieder zusammengeschweißt

Unrühmlicher Höhepunkt des Streites war bislang, dass Unbekannte in einer Nacht- und Nebelaktion die Pfosten ansägten. Die sind mittlerweile aber wieder zusammengeschweißt. Doch wie geht es nun weiter? Die Sperrung des Diekweges mit Pfosten sei ohnehin nur von vorübergehender Natur gewesen, hatte Kay Busche seinerzeit versichert, sondern „um Zeit zu gewinnen“. Angesichts der momentan zerfahrenen Situation, dass die einen für die Aufhebung der Sperrung sind, andere wiederum dafür, dass sie bleibt, mag der 49-Jährige nicht mehr so recht an eine einvernehmliche Lösung glauben, gibt die Hoffnung aber nicht auf.

Treckerschleuse: Hier auf dem „Promilleweg“ zwischen Nordhemmern und Hille. Foto: Jürgen Krüger

Treckerschleuse könnte die Lösung sein

Eine Treckerschleuse könnte durchaus ein brauchbarer Lösungsansatz sein. Die gibt es seit Jahren auf dem sogenannten „Promilleweg“ zwischen Nordhemmern und Hille. Dort ragen zwei dicke, abgerundete und von Eisen ummantelte Betonpfosten rund 22 Zentimeter aus dem Asphalt heraus. Radfahrer und Trecker können die Stelle an der Kreuzung „Grefte“ / „Zum alten Markt“ problemlos passieren, Autofahrer nicht. Schilder kündigen schon weit im Voraus an, was gleich auf die Fahrzeugführer zukommt. Dennoch muss der ein andere Autofahrer versucht haben, die Treckerschleuse zu überqueren – zum Preis einer neuen Ölwanne. Darauf deuten die Abschürfungen hin. Auf der anderen Seite birgt eine Treckerschleuse durchaus auch Gefahren für Radfahrer, die sich nicht zu einhundert Prozent auf die Straße konzentrieren. „Und wir müssten nachts über eine Beleuchtung nachdenken“, sagt Kay Busche.

Erste Ankündigung: Ab hier ist die Durchfahrt für Fahrzeuge, deren Bodenfreiheit nicht größer als 22 Zentimeter ist, verboten. Foto: Jürgen Krüger
Letzte Warnung: Das Schild kurz vor der Treckerschleuse an der Straße „Am alten Markt“. Foto: Jürgen Krüger

Ganz dünnes Eis

Digitale Dörfer: Die Startseite für den „Mühlenkreis 2.0“ beim Bündnis ländlicher Raum. Screenshot: Jürgen Krüger

Kreis Minden-Lübbecke/Friedewalde. An dieser Stelle sollte eigentlich der Abschlussbericht des Projektes „Mühlenkreis 2.0 – Smart versorgte Dörfer“ stehen. Daraus wird allerdings nichts, weil sich Projektleiterin Pia Steffenhagen-Koch weigert, die Finanzierung offen zu legen. Das Projekt endete offiziell mit einer Schlussveranstaltung im Oktober 2020, doch die Regionalmanagerin sieht sich bis heute nicht in der Lage, einen Verwendungsnachweis vorzulegen. Selbst einzelne Positionen hält sie unter Verschluss. Das wirft Fragen auf und öffnet der Spekulation Tür und Tor. Wo also sind die 111.532,97 Euro Fördergeld (Vital.NRW) geblieben? Und was hat Pia Steffenhagen-Koch zu verbergen? Ein Erklärungsversuch.

Überflüssige Umfrage, fragwürdige Leistungen

Friedewalde war frühzeitig aus dem Projekt ausgestiegen, weil die beiden Kümmerer Karl-Christian Ebenau und Jürgen Krüger schnell merkten, wohin die Reise geht. In den Dörfern kommt vom Fördergeld nämlich nichts an. Die Idee aus Friedewalde, die elf Modelldörfer mit WordPress-Seiten auszustatten und dabei Mittwald-Medien aus Espelkamp als kompetenten Partner ins Boot zu holen und die Kümmerer zu honorieren, hatten Pia Steffenhagen-Koch und die Bezirksregierung in Detmold schnell verworfen. Im Gegenteil – die Kümmerer sollten sogar für ehrenamtlich erbrachte Arbeitsstunden bürgen. Außerdem vergaben Steffenhagen-Koch und Rainer Riemenschneider, Geschäftsführer vom Projektträger Bündnis ländlicher Raum, freihändig den Auftrag für eine komplett überflüssige Umfrage an „planinvent – einem nach eigenen Angaben „Büro für räumliche Planung“. Geschäftsführer Frank Bröckling hat sich sicherlich sehr über die rund 16.500 Euro gefreut. Mehr als 50.000 Euro wies Pia Steffenhagen-Koch für das Fraunhofer IESE Institut mit Sitz in Kaiserslautern an. Und wieder stellen sich Fragen: Was haben die elf Modelldörfer dafür bekommen? Welche Leistungen hat das Fraunhofer Institut in Rechnung gestellt? Wieviel Geld ist für genau welche Leistung an das Fraunhofer Institut geflossen? Befriedigende Antworten darauf verweigert Pia Steffenhagen-Koch.

Geld geht an Beratungsunternehmen

Die Dorffunk-App kann diese Kosten nicht verursacht haben, denn die App ist nicht allein für den Mühlenkreis programmiert worden, sondern es gibt sie schon länger. Unter anderem wird sie in den Kreisen Lippe und Höxter genutzt. Es ist gut möglich, dass das Fraunhofer Institut von Anfang an den Auftrag bekommen sollte. Vertreter des Fraunhofer Instituts waren schon zur Auftaktveranstaltung eingeladen, genauso wie Vertreter der Kreise Lippe und Höxter. Eine Adaption der Umfrageergebnisse aus den beiden OWL-Kreisen hätte es auch getan, doch Pia Steffenhagen-Koch setzte sich mit ihrer Idee der eigenen Umfrage durch und half anschließend dem Fraunhofer Institut aufs Pferd. Durch diese Entscheidungen gingen den elf Modelldörfern insgesamt rund 65.000 Euro verloren. Das sind für jedes Dorf etwa 6.000 Euro, die diese in Technik und redaktionelle Schulungen hätten investieren können. Dieses Geld haben jetzt Beratungsunternehmen.

Mittwald Medien übernimmt Hosting

Auf der Internetseite des Projektes schreibt die Regionalmanagerin dazu folgendes. „In einer breit angelegten Bedarfsanalyse im Jahr 2018 konnten die Bürgerinnen und Bürger in den Modelldörfern im Rahmen von Haushaltsbefragungen, Infoveranstaltungen etc. ihre Wünsche und Bedarfe äußern. Aus den Ergebnissen wurden bedarfsgerechte Lösungen entwickelt, die den individuellen Anforderungen eines jeden Dorfes entsprechen.“ Was für ein Bullshit! Bekommen haben die elf Modelldörfer neben der fertigen Dorfunk-App je eine WordPress-Seite, die zudem alle sehr ähnlich sind. Damit wurden sie alleine gelassen und mussten zur Kenntnis nehmen, dass das Fraunhofer Institut von jedem Dorf 400 Euro jährlich für das Hosting verlangt. Dazu waren die Dörfer offenbar nicht bereit, und so drohte das Projekt zu scheitern. Mittlerweile ist das Fraunhofer Institut aus dem Projekt ausgeschieden, gerettet hat das Projekt Florian Jürgens – Geschäftsführer von Mittwald Medien in Espelkamp. Er hat die elf Dorf-Websiten übernommen und hostet sie kostenfrei. Hier schließt sich der Kreis, denn genau das war die anfängliche Idee aus Friedewalde. Nur dass auf dem Umweg dorthin 65.000 Euro versenkt worden sind.

Es gibt viele Verantwortliche

Auch nach Abzug der 65.000 Euro für planinvent und das Fraunhofer Institut fehlt außerdem der Nachweis der restlichen 45.000 Euro. Wo ist das Geld geblieben? Pia Steffenhagen-Koch verweigert dazu die Auskunft, wodurch sie sich rechtlich auf sehr dünnes Eis begibt, denn sie ist nach §4 des Pressegesetzes NRW zur Auskunft verpflichtet. Verantwortlich für diesen Vorgang, der durchaus als Steuerverschwendung anzusehen ist, sind nicht nur die Regionalmanagerin Pia Steffenhagen-Koch und BLR-Geschäftsführer Rainer Riemenschneider, sondern auch die Bezirksregierung in Detmold als genehmigungspflichtige Behörde sowie der Vorstand des gemeinnützigen Vereins Bündnis ländlicher Raum, der im Februar 2021 neu gewählt wurde. Vorsitzende ist Landrätin Anna Katharina Bölling. Auch Petershagens Bürgermeister Dirk Breves gehört dem 15-köpfigen Gremium an. Vielleicht bringt ja der neue Vorstand etwas mehr Licht ins Dunkel eines gehörig aus dem Ruder gelaufenen Projektes und unterzieht dem gesamten Bündnis ländlicher Raum grundsätzlich einer Prüfung. Denn die Geschichte ist hier noch nicht zu Ende.

Plötzlich wird das Projekt verlängert

Am 15. Februar 2021 schreibt Pia Steffenhagen-Koch in einer Antwort auf die Fristsetzung zur Herausgabe es Verwendungsnachweises folgendes: „Erfreulicherweise wurde Ende letzten Jahres die Verlängerung des Durchführungszeitraums für das Vorhaben seitens der Bezirksregierung Detmold bis 31.12.2022 genehmigt. Von daher wird der Verwendungsnachweis folglich erst nach Ende des neuen Durchführungszeitraumes fällig.“ Warum ist das Projekt verlängert worden? Die Antwort auf diese Frage bleibt die Regionalmanagerin genauso schuldig wie die Aufklärung, wo die 111.532,97 Euro Fördergeld (Vital.NRW) geblieben sind. Bemerkenswert ist, dass der Arbeitsvertrag zwischen dem Bündnis ländlicher Raum und Pia Steffenhagen-Koch auf die Dauer des Projektes Vital.NRW, also fünf Jahre, befristet ist und demnach zum 1. März 2022 ausläuft. Es scheint so, als könne sie das Planungs- und Kommunikationsdesaster rund um das Projekt „Mühlenkreis 2.0“ aussitzen. Auf der anderen Seite scheint dem Bündnis ländlicher Raum möglicherweise so langsam die Tragweite des verkorksten Projektes bewusst zu werden. Im 13. Infobrief bietet der Verein zahlreiche Online-Schulungen an. Darunter ist auch eine mit dem Titel „Erfolgreich Schreiben im Web“. Termin folgt.

„Das ist eine Sauerei“

Entsetzt: Naturschutzwächter Willi Traue hat den illegal entsorgten Müll entdeckt und umgehend die Stadt Petershagen informiert. Foto: Jürgen Krüger

Friedewalde. Als Naturschutzwächter Willi Traue bei einer Autofahrt zufällig die blauen Müllsäcke sieht, fährt es aus ihm heraus. „Das ist eine Sauerei“, schimpft der 77-jährige Friedewalder angesichts des illegal entsorgten Mülls im Wald. Sogleich beginnt er mit der Suche nach Hinweisen und erinnert sich an einen Vorfall vor drei Jahren. „Da habe ich im Müll Bewerbungsunterlagen gefunden. Der Täter ist tatsächlich ermittelt worden“, sagt der Jäger und Naturschützer. Bei diesem Müllhaufen am Rand des Meßlinger Weges, der links und rechts von der Lavelsloher Straße abgeht und parallel zur L770 verläuft, wird er nicht fündig.

Widerlich: Die deutschen Steuerzahler werden für die Entsorgung des Abfalls aufkommen müssen. Foto: Jürgen Krüger

Bußgeld zwischen 410 und 1.500 Euro

Einige hundert Meter weiter liegen die nächsten beiden Müllsäcke. Auch hier sucht Willi Traue nach Hinweisen, geht aber erneut leer aus. Mittlerweile hat er die Stadt Petershagen informiert, die den Müll abholt und fachgerecht entsorgt. Zwischen 500 Euro und 700 Euro, so die Schätzung, wird diese offensichtliche Ordnungswidrigkeit dem Steuerzahler kosten. Sollte der Täter ermittelt werden, droht ihm ein Bußgeld zwischen 410 Euro und 1.500 Euro. Das geht aus dem Bußgeldkatalog des VFR-Verlages hervor. Illegale Müllentsorgung wird nach den Angaben des Berliner Strafrechtsanwaltes Ulrich Lehmann in der Regel dann als Straftat behandelt, wenn dadurch Gewässer, Boden oder Luft nachhaltig verunreinigt werden oder wenn eine solche Verunreinigung droht. Das dürfte in diesem Fall nicht so sein, dennoch ist Willi Traue entrüstet. „Ich verstehe nicht, wie man so etwas tun kann. Mir ist das unbegreiflich.“

Nächster Fund: Willi Traue untersucht die beiden Müllsäcke, die er einige hundert Meter weiter entdeckt hat, nach Hinweisen. Foto: Jürgen Krüger

Nicht ganz dicht

Fast fertig: Ein Blick auf das Flachdach der Grundschule Friedewalde verrät, die Arbeiten liegen in den letzten Zügen. Foto: Jürgen Krüger

Friedewalde. Die Stadt Petershagen bringt die Grundschule Friedewalde weiter auf Vordermann. Genauer gesagt saniert ein Handwerksunternehmen das Dach der Pausenhalle. Dort sei es immer wieder zu Wassereintritt gekommen, wie Detlev Scheumann von der Sozial- und Schulverwaltung sagt. „Es handelt sich um eine normale Unterhaltungsmaßnahme.“ Vor zweieinhalb Jahren hatte die Stadt bereits die Turnhalle saniert.

Gebäude aus den 1960er Jahren

Das Gebäude stammt aus dem Jahr 1960. Damals ersetzte die „Zentralschule“ an der Kleiriehe die kleinen Volksschulen in Wegholm, im Ortskern und in der Galgenheide sowie ein paar Jahre später auch die Schulen in Südfelde und Meßlingen. Im Jahr 1969 hatte die Grund- und Hauptschule Friedewalde 176 Grundschüler in sechs Klassen und 135 Hauptschüler in fünf Klassen. Die Klassen 5 und 6 wurden in Meßlingen unterrichtet, die Klassen 3 und 4 in Südfelde und die Klassen 1, 2 und 7 bis 9 in Friedewalde. 1971 zogen die Hauptschüler nach Petershagen. Heute ist die Grundschule Friedewalde Teilstandort des Grundschulverbundes Eldagsen-Friedewalde.

Unbekannte sägen Pfosten an

Unbrauchbar: Ein angesägter Absperrpfosten auf dem Diekweg, von der Südfelder Straße in Richtung Bohnhorster Weg betrachtet. Fotos: Jürgen Krüger

Friedewalde. Unbekannte Täter haben auf dem Diekweg die vier Absperrpfosten angesägt und zunächst umgeworfen. Etwas später standen sie dann zwar wieder aufrecht, was aber nichts an der Tatsache ändert, dass sie unbrauchbar sind. Die Stadt Petershagen hat den Vorfall dokumentiert und wird Strafanzeige stellen. Das bestätigt Kay Busche, stellvertretender Bürgermeister und Leiter der Bauverwaltung.

Kay Busche: „Das ist das falsche Signal“

„Ich muss jetzt erst einmal tief Luft holen“, kommentiert Busche die Aktion, die den momentanen traurigen Höhepunkt im Streit um die wassergebundene Decke auf dem gesperrten Straßenabschnitt Diekweg zwischen Bohnhorster Weg und Südfelder Straße darstellt. „Diese Aktion ist in meinen Augen das falsche Signal, um eine konstruktive Lösung des Problems herbeizuführen“, so der 54-Jährige. Er müsse nun überlegen, wie mit der Lage zu verfahren sei. Eines sei allerdings klar: Kriminellen werde sich die Stadt Petershagen nicht beugen und die Pfosten auch nicht entfernen, nur weil sie mutwillig zerstört worden seien. In jedem Fall seien mit dieser Tat Kosten entstanden, die der Steuerzahler zu tragen habe. Alle Artikel zum Wegekonzept.

Auch angesägt: Die beiden Absperrpfosten auf dem Diekweg vom Bohnhorster Weg in Richtung Südfelder Straße betrachtet. Foto: Jürgen Krüger

Rasend schnell

Mehr als bestellt: Die Live-Messung in Dielingen am Mittwoch, 3. März 2021, ergab 612,7 Mbit im Download. Fotos: Jürgen Krüger

Stemwede-Dielingen. Als Jürgen Semmler auf den Startknopf klickt, schlägt die Tachonadel sofort aus und stoppt erst bei 612,7 Mbit im Download. „Mehr als die bestellten 500 Mbit“, lobt der Dielinger, der sich seit Mitte Dezember 2020 über schnelles Internet freut. „Das ist einfach super“, assistiert Ehefrau Helga. Dass die gemessene Uploadrate bei 103,6 Mbit stoppt und nicht die vom Internetdienstleister Greenfiber verprochene 250 Mbit erreicht, liege wahrscheinlich an der verwendeten Hardware, wie Jürgen Semmler vermutet. „Das hatte mir der Techniker gleich gesagt.“ Die Semmlers verwenden das Vorgängermodell der von Greenfiber favorisierten Fritz Box.

Auch die Telefonie funktioniere. „Wir haben sogar unsere alte Telefonnummer behalten“, sagt Helga Semmler. Aber, Jürgen Semmler warnt: „Nicht selber den Telefonanschluss kündigen, sondern die Kündigung Greenfiber überlassen.“ Sie hatten selber gekündigt und deshalb für ein paar Wochen weder Internet noch Telefon. Doch mit dem neuen Glasfaseranschluss gab es wieder Licht am Ende des Tunnels. Das Gute: Während der alte Vertrag noch laufe, könne man schon die schnelle Glasfaserleitung nutzen ohne doppelt bezahlen zu müssen. Der Vertrag mit Greenfiber beginne erst, wenn der Vertrag mit dem alten Anbieter ende. „Das hat uns positiv überrascht“, so Helga und Jürgen Semmler.

Sehr zufrieden: Helga und Jürgen Semmler, hier im Garten ihres Hauses in Stemwede-Dielingen.

Die Semmlers gehören zu den ersten Privathaushalten im Mühlenkreis, die vom Breitbandausbau profitieren. Zuvor waren sie bei 1&1 und mussten sich mit 3 bis 5 Mbit zufrieden geben, wenn überhaupt. „Wir sind zwischendurch immer mal wieder rausgeflogen und hatten gar kein Internet“, berichtet Helga Semmler. Mit diesen Problemen haben wohl die meisten zu kämpfen, die in den sogenannten „weißen Flecken“ leben und bis Ende 2022 mit Glasfaser versorgt werden sollen. „Wir sind so froh, dass wir jetzt das schnelle Internet haben. Es funktioniert hervorragend, und auch die Zusammenarbeit mit Greenfiber verlief reibungslos“, sagen beide.

Glasfaser für Friedewalde noch im Jahr 2021

Am 1. März 2021 waren im Kreis Minden-Lübbecke 613 Haushalte ans Glasfasernetz angeschlossen – alle in Dielingen und Haldem. Die Zahl stammt von Enrico Nauen, Gigabit-Koordinator beim Kreis Minden-Lübbecke. Er kennt auch den weiteren Fahrplan. Nach Stemwede werde Greenfiber die Rahdener Haushalte ans Glasfasernetz anschließen. Es folgt Espelkamp, und dann sollen zeitgleich Hüllhorst und Friedewalde dran sein. Ohne sich zu weit aus dem Fenster lehnen zu wollen, schätzt Enrico Nauen, dass Friedewalde in diesem Jahr ans Glasfasernetz angeschlossen sein wird.

Eine Neuerung gibt der Gigabit-Koordinator noch heraus: Greenfiber wird den zweiten Technikstandort nicht in Minden-Todtenhausen betreiben, sondern plant eine Niederlassung bei der Wortmann AG in Hüllhorst-Tengern. Der zweite Technikstandort in Preußisch Oldendorf ist bereits in Betrieb.

Neuer Technikstandort: Die Wortmann AG in Hüllhorst-Tengern.

Volle Terminkalender

Coole Idee: Friseurmeisterin Ina Lau und ihre Kollegin Camilla (Foto) begrüßen jeden Kunden mit Vornamen und herzlichem Spruch auf einer Tafel. Foto: Jürgen Krüger

Friedewalde. Von Null auf Hundert: So lässt sich wohl der Start für die Friseure am 1. März 2021 beschreiben. Nach zweieinhalb Monaten Stillstand haben auch die beiden Friseurgeschäfte in Friedewalde ihre Türen wieder geöffnet. Die Terminkalender sind sowohl bei Nicole Ruhe als auch Ina Lau gut gefüllt. „Neue Termine gibt es erst Ende März wieder“, erklären die beiden. Hier die Kontaktdaten:

Friseur Team Schmidt
Nicole Ruhe
Telefon (0 57 04) 1 63 74

Salon Haargenau
https://www.salon-haar-genau.com
Ina Lau
Telefon (0 57 04) 95 80 68

Wegholmer wehren sich

Bald nur noch Schotter?: Der Teil des Bohnhorster Weges, der hier geradeaus vom Diekweg zur L770 führt, soll einen wassergebundenen Straßenbelag bekommen. Foto: Jürgen Krüger

Friedewalde. Käthe Müller ist sauer. Offensichtlich plant die Stadt Petershagen, einen Teil des Bohnhorster Weges sowie einen Teil des Ossenweider Weges in Wegholm zu schreddern. „Was soll das?“, fragt die 81-Jährige. „Ich fühle mich so langsam als Bürgerin dritter Klasse.“ Friedewaldes Ortsbürgermeisterin Jessica König bestätigt die Pläne, die bereits im Jahr 2017 im Wegekonzept beschlossen und verkündet worden seien.

Stille Mahnwache

Die Wegholmer wollen das nicht hinnehmen und werden am heutigen Montag, 1. März 2021, eine stille Mahnwache in Windheim abhalten. Dort im Evangelischen Gemeindehaus „Haus Curia“, an der Dorfstraße 6, trifft sich um 17 Uhr der Infrastrukturausschuss des Petershäger Stadtrates. Die Wegholmer Protestler treffen sich um 16.30 Uhr. Angemeldet haben sich rund zwanzig Personen. Käthe Müller, die für die Aktion extra ein Plakat gemalt hat, hofft auf die Solidarität der Friedewalder.

Fräse soll angeschafft werden

Die Wegholmer Straßen sind laut Sitzungsvorlage zwar gar kein Thema. Allerdings soll über die Anschaffung einer Spezialfräse beraten werden. Damit sollen bereits vorhandene, wassergebundene Straßenbeläge wieder in Form gebracht werden. In Friedewalde gibt es schon eine geschredderte Straße: Teile des Diekweges, ebenfalls am Haus von Käthe Müller. Diesen Straßenabschnitt hat die Stadt Petershagen für den Durchgangsverkehr mittlerweile gesperrt. Außerdem soll sich die Qualität des Belages derart verschlechtert haben, dass es dafür an dieser Stelle die Fräse brauche, um sie wieder instandzusetzen. Auch Jessica König, Sprecherin des Infratsrukturausschusses, werde sich für die Anschaffung einsetzen, wie sie auf Anfrage sagt.

Bürgerinitiative in Gründung

Die Wegholmer wehren sich und wollen eine Bürgerinitiative gründen. Federführend sind Holger Kruse und Gerhard Sigg. Einen Namen gibt es auch schon: „Friedewalde lebt. Stoppt die Einäscherung der Straßen“.

Direkt vor der Haustür: Rechts ist das Haus von Käthe und Jürgen Müller zu sehen. Nach links beginnt der geschredderte und gesperrte Teil des Diekweges und geradeaus führt der Teil des Bohnhorster Weges, der geschreddert werden soll. Foto: Jürgen Krüger