Die Siedlung Sechshausen

Exakt sechs Häuser: Die kleine Siedlung auf dem “Schierenbeuken” in Wegholm. Foto: Jessica König

Friedewalde-Wegholm. Jessica König hat Heinrich Wehking, bis 1998 Ortsvorsteher von Friedewalde, getroffen und führt mit ihm ein Gespräch über die Geschichte der Siedlung “Sechshausen” in Wegholm (Schierenbeuken) – natürlich “up Freiwöhler Platt”.

Im Friedewalder Heimatblatt Nr. 6 von 1994 wurde ein Bericht von Cristian Schwier dazu abgedruckt.

Wie die Siedlung Sechshausen auf dem Schierenbeuken entstand

Von Christian Schwier

Der zweite Weltkrieg hatte auch in Friedewalde seine Spuren hinterlassen. Heimatvertriebene aus den deutschen Ostgebieten und Evakuierte wohnten unter uns in Friedewalde. Die Siedlermächte hatten in Jalta beschlossen, Deutschland aufzuteilen und so klein zu halten, dass es militärisch anderen Nationen nie wieder gefährlich sein könnte. Am 8. Mai 1945 hatte Deutschland bedingungslos kapituliert.

Die Siegermächte setzten die Hohe Komission ein, die vom Petersberg bei Bonn über das Geschehen in Deutschland bestimmte. Die meisten Städte waren zerbombt, Fabriken wurden demontiert. Im Herbst 1945 wurden dann Gemeinderäte und Bürgermeister kommissarisch bestimmt und eingesetzt; die Deutschen sollten über Not und Elend in Deutschland Mitverantwortung tragen. Im Oktober 1949 konnte durch Verhandlung mit den Siegermächten das erste Mal nach dem zweiten Weltkrieg wieder frei gewählt werden. Konrad Adenauer hatte durch wiederholte Rücksprache bei den Hohen Kommissaren, unterstützt durch den fränzosischen Außenminister Schumann, diese freie Wahl ausgehandelt. Erst nach diesen Wahlen hatten die Gemeinden, Kreise und Länder wieder ein vom Volk gewähltes Parlament und somit eine demokratische Selbstverwaltung. Nun hieß es bei uns hier in Friedewalde am Wiederaufbau des Vaterlandes mitzuhelfen und mitzuwirken, sollte das zerstörte Deutschland nach der Hitlerdiktatur und dem verlorenen Krieg wieder neu auferstehen.

Bauwillige aus Friedewalde wurden beim Gemeinderat und beim Bürgermeister um Bauplätze vorstellig. Dieses Anliegen wollte die Gemeindeverwaltung auch gerne unterstützen, denn grade am Bau fanden viele Handwerkszweige Arbeit und Verdienstmöglichkeiten. Unsere Landesregierung von Nordrhein-Westfalen gab auch zum Bauen an die Arbeiter, die in der Land- und Forstwirtschaft arbeiteten , sehr günstige Gelder aus, es war das Land- und Forstwirtschaftsdarlehen. Auch Arbeiter, die in der Industrie – wie bei der Firma Jenz – bei der Herstellung von landwirtschaftlichen Maschinen, Miststreuern und Anhängern arbeiteten, konnten diese Darlehen bekommen.

Für unsere Gemeinde war nun also das Problem der Baulandbeschaffung gekommen, aber schon bald stand fest, daß es im Anschluß an den Ortskern nicht möglich war: Keiner der Landwirte wollte Land abgeben. In jener Zeit – zwei Jahre vorher war die Währungsreform gewesen – wurde Grund und Boden sicherer geschätzt als Geld. Nun hatte die Gemeinde Friedewalde ein Grundstück auf dem Schierenbeuken. Gerne hätte sie dieses gegen Bauland im Ortskern getauscht, aber auch dieses gelang nicht, keiner wollte Land in Hofnähe gegen Land auf dem Schierenbeuken hergeben. So entschloß sich der Gemeinderat, die Häuser auf dem Schierenbeuken bauen zu lassen. Die Bauplatzbewerber waren mit dem Gemeinderatsbeschluß einverstanden. Einige davon arbeiteten im Mindenerwald und hatten somit ihre Arbeitsstelle vor der Haustür.

Alle Siedler, welche das Land- und Forstwirtschaftsdarlehen in Anspruch nehmen wollten, mußten einen Bauplatz in der Größe von einem Morgen (2.500 m²) nachweisen Das Gemeindeland war, wie die Vermessung ergab, für drei Bauplätze etwas zu klein. Jetzt musste versucht werden, von dem angrenzenden Landbesitzer die fehlenden Quadratmeter zuzukaufen. Lehrer Seeger, der der Besitzer des angrenzenden Grundstückes war, zeigte sich gar nicht geneigt zum Verkauf, aber mit Hilfe von Hans Jenz ist es uns dann doch gelungen, die fehlenden Quadratmeter anzukaufen. Wir hatten aber sechs Bewerber, die bauen wollten. So hat sich der Gemeinderat um weitere drei Bauplätze bemüht. Auf der anderen Seite des Weges Schierenbeuken, also den ersten drei Plätze gegenüber, gehörte das Grundstück Frau Emma Röthemeier. Die Gemeinde hatte ein Grundstück gelegen in der Düpe, das lag also Frau Röthemeier gegenüber. Der Gemeinderat wurde mit ihr über den Tausch einig und so konnten auch diese drei Bewerber befriedigt werden. Die Bauplätze wurden den Siedlern sehr günstig übertragen, der Quadratmeter zu 40 Pfennig. 1951 -1952 wurde gebaut und zur gleichen Zeit konnten auch noch die Wohnungen bezogen werden.

Gesagt werden muß: „Es ist eine schöne Siedlung geworden, wenn sie auch ganz am Rande unserer Gemeinde, angrenzend an die Ossenweide, welche zu Niedersachsen gehört, liegt.“ Ich hoffe das alle, die gerne wissen möchten, warum die Siedlung Sechshausen auf dem Schierenbeuken gebaut worden ist, durch diesen Bericht Aufklärung darüber bekommen haben. Eines ist klar, heute könnte keine Siedlung auf dem Schierenbeuken gebaut werden. So ändern sich die Zeiten, damals war Not und Armut in unserem Land und heute herrscht überwiegend Wohlstand unter uns. Der zweite Weltkrieg gehört der Vergangeheit an, unser deutsches Volk hat sich wieder aus der Armut zu Wohlstand hochgearbeitet. Leider sind so viele nicht heimgekehrt, sie sollten nicht vergessen sein. Ich weiß, daß Kritiker oft sagen: „Der Gemeinderat hat doch oft versagt“. Ich meine in Beziehung auf die damalige Zeit kann man dieses bezugnehmend auf die Siedlung Sechshausen/Schierenbeuken nicht sagen.

Unser ehemaliges Ratsmitglied Heinrich Grannemann, schon lange verstorben, sagte hingegen öfter: „Es sind nicht die schlechtesten Früchte, woran die Wespen nagen“.

Direkt an der Grenze zu Niedersachsen: Sechshausen in Wegholm. Hinten rechts sind die Gebäude der Firma OTTLO zu sehen, die zur niedersächsischen Gemeinde Warmsen gehören. Foto: Jürgen Krüger

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