Niemals geht man so ganz

Idyllisch: Christel und Willi Kleine sitzen bei herrlichem Sonnenschein an einem Tisch in ihrem Garten. Fotos: Jürgen Krüger

Friedewalde. Die Haus- und Hofstätte von Christel und Willi Kleine gehört wohl zu den besten Lagen in Friedewalde. Idyllisch schmiegt sich das denkmalgeschützte Haus südlich vom Ortskern in Richtung Stemmer an den “Hallbruch”. Hier lässt es sich aushalten, hier möchte man sein. Christel und Willi Kleine aber wollen weg. Sie haben das 1,7 Hektar große Anwesen und das in den 1980er Jahren angebaute Zweifamilienhaus verkauft. Anfang Juli 2019 werden sie ihr Zuhause, wo sie  fast dreißig Jahre lang gelebt haben, aufgeben und zunächst nach Petershagen in eine Mietwohnung ziehen. “Es tut schon weh zu gehen”, sagt das Ehepaar, das seit 44 Jahren verheiratet ist.

Beste Lage: Das Anwesen am Hallbruch in Friedewalde.

Der Grund ist nachvollziehbar. Beide sind mittlerweile im Ruhestand, und von ihren Zwillingstöchtern Diana und Carmen (beide 44 Jahre) hat keine Interesse, sich an ein so großes Anwesen zu binden. Das müsste man nämlich schon tun, denn auf auf einem derartigen Gehöft ist man gebunden – arbeitstechnisch und auch finanziell. “Du bist damit nie fertig”, sagt Christel Kleine. “Aber – das hier ist ein Paradies, das wir uns selbst aufgebaut haben.” Die 63-jährige, ehemalige Zahnarzthelferin ist erst seit ein paar Monaten Rentnerin. “Wir haben uns bereits vor drei Jahren erste Gedanken gemacht und sind zum Entschluss gekommen, das Anwesen zu verkaufen. Wir hätten weiter investieren müssen, und auch die Arbeit wurde immer mehr zur Last als zur Lust”, ergänzt Ehemann Willi, der 50 Jahre lang im öffentlichen Dienst gearbeitet hat, davon 40 Jahre bei der Stadt Minden. Und dann ging alles ganz schnell. Kein Jahr standen ihr Haus und Hof öffentlich zum Verkauf, dann schlug ein Paar aus Wolfsburg zu. Sie träumen von einem Leben auf dem Land mit Kindern und Tieren. Apropos Tiere: Der achtjährige Rüde “Benny” wird Christel und Willi Kleine mit nach Petershagen begleiten, die zehn Hühner und zwei Katzen bleiben zurück.

Einfach nur schön: Ein Garten wie früher, in dem es viel Blühendes gibt.

“Es ist natürlich nicht so toll, hier wegzugehen, aber wir mussten uns entscheiden – entweder, oder”, so Christel Kleine. In Petershagen hatten sie zunächst zwei Wohnungen gemietet, eine weitere für ihre Mutter Henny. Doch die 92-Jährige wollte diesen Schritt nicht mitgehen und lieber in Friedewalde bleiben. Sie lebt nun im Alten- und Pflegeheim Kruse. Christel Kleines Mutter ist auf dem Anwesen am Hallbruch geboren, später zog es sie aber nach Bergkirchen. Dort wurde Christel geboren. 1958, als sie drei Jahre alt war, kehrten sie wieder zurück nach Friedewalde. Nach ihrer Hochzeit im Jahr 1974 wohnten Christel und Willi Kleine zunächst am Süntebrink in Friedewalde und bauten dann einen Bungalow am Binsengrund. Schwierige familiäre Entwicklungen am Hallbruch sorgten dafür, dass sich Christel und Willi Kleine 1992 entschieden, die Haus- und Hofstätte zu übernehmen. Seitdem hat sich unendlich viel getan. Christel und Willi Kleine haben viel Liebe, Kraft aber auch Geld investiert. Entstanden ist in der Tat ein Paradies. Damit es das auch bleibt, muss es weiterhin gehegt und gepflegt werden. Neben der wunderschönen Gartenanlage mit dem restaurierten Backhaus gehören zum 1872 errichteten, denkmalgeschützten Gebäude rund 230 Qaudratmeter Wohnfläche, zuzüglich 100 Quadratmeter Diele. Das zeit- und teilweise vermietete Zweifamilienhaus hat auch noch einmal 220 Quadratmeter Wohnfläche. Diese Verantwortung wollen und können Christel und Willi Kleine nicht länger tragen.

Sucht sich lieber Schatten: Der achtjährige Rüde “Benny”, hier hinter dem Haus unter hohen Bäumen.

Dem Tag des Abschieds begegnen sie mit gemischten Gefühlen. “Wir wissen nicht, wie wir das emotional verkraften. Die Gefühle verlaufen wellenartig. Einmal freut man sich, ein anderes mal ist die Angst da. Wir werden es sehen”, sagt Willi Kleine. Sie werden sich umstellen müssen. Die 100 Quadratmeter große Wohnung in Petershagen am Neerenweg hat keinen Garten und wird möglicherweise nur eine Übergangslösung sein. Christel und Willi Kleine können sich durchaus vorstellen, in Petershagen oder Rahden beispielsweise noch einmal zu bauen. Dann aber mit Garten – selbst wenn es nur ein ganz kleiner ist.

Liebevoll angelegt: Der weitläufige Garten, wobei links das angebaute Zweifamilienhaus zu sehen ist.

2 thoughts on “Niemals geht man so ganz

  1. Liebe Christel, lieber Willi!

    Wir finden es sehr schade das Ihr unseren schönen Ort verlassen werdet. Dennoch können wir Eure Entscheidung nachvollziehen. Wir hoffen ihr bleibt dem Ort verbunden und wünschen euch für die Zukunft alles Gute!

    Familie Hanicke

  2. Niemals geht man so ganz . . .
    Ich wünsche euch alles Liebe und Gute für das “neue” Leben. Sicherlich sehen wir uns hier und da!!
    Liebe Grüße
    Uschi

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